Wir können den Supercup gewinnen
Mit der Verpflichtung von Nationaltrainer Michel Bolle sitzt seit langer Zeit wieder ein Schweizer auf Näfels' Trainerbank. Sitzend wird man den ehrgeizigen Trainer aber während den Spielen wohl nie erleben, er tigert vielmehr angespannt an der Seitenlinie entlang und dabei entgeht ihm nichts. Lesen Sie in der Folge was Bolle über Näfels, den Klub und seine elf Spieler denkt und was er ihnen ab Samstag während den nächsten gut sechs Monaten zutraut.
Bild: rkk-Trainer Michel Bolle weiss es und sagt es nun auch noch seinem neuen Captain Andy Sutter und dessen Libero Dani Werner.
Wie haben Sie sich im Glarnerland eingelebt?
MB: Eigentlich sehr gut, ich habe ja auch in der Waadt mehrheitlich auf dem Land gelebt und bin auch in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Und hier wo jeder jeden kennt, werde auch ich schon nach dieser kurzen Zeit bereits auf der Strasse erkannt und oft angesprochen.
Wie sind Sie eigentlich zu SEAT Volley Näfels gekommen?
MB: Wir hatten bereits seit mehr als zwei Jahren Kontakt. Als sich abzeichnete dass ich LUC verlassen werde, informierte ich die Näfelser Vereinsleitung darüber, dass ich also einen Job suchte. Nach einer kurzen Übergangsphase während welcher noch der Entscheid von Trainer Serramalera abgewartet werden musste, legten wir dann die Basis für eine Zusammenarbeit.
Wann war der offizielle Arbeitsbeginn?
MB: Dieser war nach Vertrag eigentlich erst nach der Universiade in Bangkok. Als wir jedoch im Frühjahr mein Engagement bei SEAT Volley Näfels genau festlegten, begann ich sofort mit der Planung der neuen Saison. Und dies sowohl für die erste Mannschaft mit den Vorbereitungsturnieren wie auch meine Führung einiger Juniorenmannschaften.
Wie wurde die Auswahl der neuen Spieler organisiert?
MB: Manager Gygli und ich haben hervorragend harmoniert und immer gegenseitig die vielen DVD studiert mit Spielern aus aller Welt. Nach der individuellen Durchsicht betrachteten wir die besten Talente auch noch gemeinsam und gaben unsere Meinung zu jedem einzelnen ab. So kristallisierten sich die drei Brasilianer heraus, welche nun bei uns im Einsatz stehen. Natürlich sind sie unser Konsens zwischen Wunsch und finanzieller Machbarkeit.
Was läuft im Vergleich zu Lausanne UC anders hier?
MB: Man kann es eigentlich gar nicht vergleichen. Die Zeiten fürs Training die hier zur Verfügung stehen sind doppelt bis dreifach so lange wie bei LUC. Ich kann also ganz anders planen. Dies betrifft insbesondere auch das Krafttraining und die individuelle Arbeit während der Morgentrainings. Solches war bei LUC schlicht unmöglich.
War dies also das Geheimrezept für die grossen Erfolge der letzten Jahre?
MB: Der Erfolg ist immer aus verschiedenen Bausteinen zusammengesetzt. Aber die Basis für jedes gut funktionierende Team ist das Training sowohl qualitativ als auch quantitativ. Die Tatsache, dass Näfels immer mehrere Spieler in seinem Team hält welche die zeitliche Verfügbarkeit haben auch am Morgen trainieren zu können, ist sicher ganz entscheidend. Anderswo arbeiten die Spieler ein volles Pensum und kommen dann müde ins Abendtraining. Da liegt sicher der grosse Unterschied.
Also können Sie hier zum ersten Mal so richtig aus dem Vollen schöpfen?
MB: Näfels ist der einzige Verein der Schweiz welcher einem Trainer ein derart professionelles Umfeld bieten kann. Dies findet man sonst nur im Ausland. Wir haben die Halle zur Verfügung und auch den Kraftraum, wie man dies eben in einem top organisierten Verein vorfindet.
Wie verliefen die vier Trainingswochen bisher?
MB: Von Beginn an lief es sehr gut. Die Spieler arbeiten mit viel Einsatz und Qualität, sie sind äusserst motiviert und konzentriert.
Was sagen Sie zu den Testspielen?
MB: Die Mannschaft hat sich eigentlich von Spiel zu Spiel gesteigert und die Kurve zeigt klar nach oben. Es läuft alles wie es sein muss.
Welches ist zur Zeit noch die Schwäche der Mannschaft?
MB: Das ist ganz klar der Service. Hier sind wir bei weitem noch nicht auf dem gewünschten Niveau. Wir arbeiten hart daran und sind uns bewusst, dass wir nur mit einem starken Service auch wirklich konstant auftreten können. Vor allem im CEV-Cup gegen europäische Teams hat man mit einem 08/15-Service keine Chance.
Wie läuft es mit Passeur Bedrac?
MB: Ivan macht es sehr gut, nicht zuletzt auch dank dem spezifischen Passeur-Training. Durch seine Saison bei Voléro Zürich als Stammpasseur hat er ja auch bereits die Erfahrung die es braucht. Er hat Persönlichkeit und geniesst den Respekt seiner Angreifer. Ivan hat klar gezeigt auf welchem Niveau er spielen kann. Bisher gab es keinen einzigen Satz bei welchem man die Niederlage dem Passeur in die Schuhe schieben konnte und dies ist sicher sehr gut für sein Selbstvertrauen.
Ist Bedrac als Spieler ein Softy?
MB: Was ist ein Softy? Braucht es wirklich einen Passeur der die ganze Zeit auf dem Feld herumschreit? Ivan macht sich andauernd Gedanken zum Spiel. Er hat bei jeder Rotation einen Plan A und wenn er den nicht spielen kann muss er auch immer einen Plan B haben. Sein Kopf läuft immer auf Hochtouren mit den verschiedensten Überlegungen welche er sich machen muss und vor allem muss ja alles immer sehr schnell gehen. Er ist aber ruhig und zieht seine Fäden ohne Geschrei, souverän wie ein Orchesterdirigent.
Welche Spieler haben sich als Leader hervorgetan?
MB: Ach es gibt sicher welche, aber wenn die Mannschaft in ein Loch fällt darf sie sich ohnehin nie nur auf einen oder zwei Spieler verlassen, welche es dann richten sollen. Auf das ganze Team kommt es an, es reicht nie wenn nur einer zieht. Es müssen alle in die gleiche Richtung ziehen.
Kann ein Trainer Fortschritte auch messbar nachweisen?
MB: Dank der Spielstatistik kann man schon klare Schlüsse aus Service-Effizienz, Block und Angriff ziehen. Man muss dann einfach aufpassen, dass man immer noch berücksichtigt wer der Gegner war. Wenn einer nur gegen eher schwächere Teams gross aufspielt, heisst das noch gar nichts.
Wie erreichen Sie Verbesserungen?
MB: Wir kennen ja nach vier Wochen Arbeit die Stärken und Schwächen jedes einzelnen schon sehr gut. Und da kommen dann eben die Einzeltrainings ins Spiel bei denen punktuell bei jedem Spieler Schwächen ausgemerzt werden können.
Nun stehen wir vor dem Supercup. Ist die Mannschaft bereit?
MB: Ich erwarte dass meine Spieler voll bereit sind. Alle wissen nicht erst seit gestern welches die Ziele sind und daraufhin haben wir ja im Training auch gearbeitet. Und ich merke deutlich wie heiss die Jungs nun sind, endlich Ernstkämpfe bestreiten zu dürfen.
Welchen Rang kann Näfels in Lausanne erreichen?
MB: Ich traue meiner Mannschaft zu, dass sie sich auch dieses Jahr diesen Cup holt am Sonntag.
Eine Woche später beginnt die Qualifikations-Runde. Was erwarten Sie?
MB: Ich erwarte vom Team eigentlich spielerische und mentale Fortschritte von Woche zu Woche. Unsere Leistungsträger sind zum Teil noch sehr jung und es wird sich weisen wie sie reagieren unter dem Druck der Meisterschaft. Wie stark die andern Teams tatsächlich sind, zeigt sich ein erstes Mal am Supercup. Das Ziel muss es aber sein, für die Play-off-Spiele den bestmöglichen Rang einzunehmen damit wir die Chance wahren können wiederum ins Finale vorzustossen.
Wer wird der härteste Widersacher in der NLA?
MB: Es ist sehr schwierig Prognosen zu machen. Aber alle Teams mit Ausnahme von Martigny vielleicht, können Überraschungen schaffen und unerwartete Siege landen. Entscheidend ist die Entwicklung jeder Mannschaft ab Supercup bis zum Beginn der Play-off-Spiele. Eine Übermannschaft mache ich zur Zeit keine aus und zu Beginn der Quali-Runde dürfte es viele Rangverschiebungen nach oben und nach unten geben.
Wie erklären Sie sich das Aufrüsten der NLA-Klubs für diese Saison?
MB: Es muss doch das Ziel eines jeden Teams sein, irgendwann um die Meisterschaft mitspielen zu können. Wohl niemand ist damit zufrieden, während zehn Jahren den vierten oder fünften Rang zu belegen.
Wie sind Ihre Erwartungen für den CEV Cup?
MB: Wir sind daran Videomaterial über Prilep, unseren Gegner aus Mazedonien, zu beschaffen. Da dieses Spiel aber erst am 21. Oktober stattfindet, denke ich im Moment noch an die Aufgaben, welche vorher anstehen.



























































































