Vom Zufall zum Topscorer von Näfels – das ist Pablo Denis Cabañas
Ruhig, bescheiden, teamorientiert: Pablo Denis stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern die Menschen um ihn – wohl der Schlüssel zu seinem Erfolg bei Volley Näfels.
Von Köbi Hefti
Der 23-jährige Pablo César Denis Cabañas ist der erfolgreichste Punktesammler der Schweizer Volleyball-Liga. Wenn er über seinen Erfolg spricht, klingt es nicht nach einer sportlichen Heldengeschichte. Der Argentinier wirkt ruhig und zurückhaltend. Viel wichtiger als individuelle Statistiken sind ihm andere Dinge: seine Familie, seine Freunde und ein funktionierendes Team.Mit seinen 1.96 Metern Körpergrösse und einer Schlaghöhe von 3.58 Metern bringt Denis ideale Voraussetzungen für seine Position als Diagonalangreifer mit. Bevor er in die Schweiz wechselte, spielte er bei den Boca Juniors – dem traditionsreichen argentinischen Klub.
Der Zufall als Anfang
Geboren wurde Pablo Denis in Caazapá im Südosten Paraguays. Als er sieben Jahre alt war, zog er nach Máximo Paz, eine kleine Vorstadt rund 60 Kilometer südwestlich von Buenos Aires. Seine Familie ist gross – sehr gross: zwei Schwestern und fünf Brüder. Das Viertel, in dem er aufwächst, ist einfach. Viele Menschen arbeiten schon in jungen Jahren – das prägt seine Haltung: ruhig bleiben, sich anpassen und vorwärtsgehen.Dass Pablo Denis Volleyballer wird, ist Zufall. Mit 15 Jahren beobachtet er andere beim Spielen, wird neugierig und probiert es selbst aus. Zunächst spielt er im Viertel mit Freunden und seinen Brüdern, bevor er sich dem Verein Villa María anschliesst – einem Club, dem er noch heute dankbar ist, da er dort seine ersten Schritte machte und die Grundlagen des Volleyballs erlernte. Entscheidend ist für ihn auch die Zeit bei CFC Cañuelas. Dort versteht er zum ersten Mal, was Teamgeist bedeutet: «Volleyball ist wie eine Familie.»
Diese frühen Erfahrungen prägen ihn bis heute – auf dem Volleyballfeld wirkt vieles bei ihm selbstverständlich. In seiner ersten Saison in der Schweiz entwickelt sich Pablo zum Topscorer der Liga. Doch selbst über seinen Erfolg spricht er ruhig und fast beiläufig. Individuelle Auszeichnungen interessieren ihn wenig. «Entscheidend ist, dass es dem Team gut geht, dass wir gemeinsam erfolgreich sind», sagt er. Ein grosser Teil dieses Erfolgs liege beim Trainer: «Ich glaube, dass der Trainer fünfzig Prozent von dem ist, was die Spieler leisten.»
Der Bruch – und die Rückkehr
Der Weg in den Leistungssport verläuft alles andere als gradlinig. Ende 2019 hört er sogar ganz mit dem Volleyball auf. In seiner Familie wird gearbeitet, Geld verdient – und er glaubt damals nicht, dass der Sport ihm eine Zukunft bieten kann. Erst Freunde und Trainer, darunter auch Nationaltrainer Pablo Rico, überzeugen ihn von einem Comeback. Sie sehen etwas in «Pablito», das er selbst noch nicht erkennt. Er beginnt wieder zu spielen und merkt schnell, dass er sich weiterentwickeln kann.Als im letzten Frühjahr der Anruf aus Europa kommt, zögert er nicht lange. Volley Näfels mit seinem argentinischen Trainer Nacho Verdi interessiert sich für ihn. Viel weiss er damals nicht über die Schweiz – eigentlich gar nichts. Doch die Chance, im Ausland zu spielen, ist zu gross, um sie nicht zu nutzen.
Der erste Schnee
Der Anfang in der Schweiz ist eine Herausforderung. Er spricht kaum Englisch, die Teamsprache bei Volley Näfels. Dass das auch mit seiner Schulzeit zu tun hat, sagt er offen: «Wenn du nicht in einer guten Schule bist, ist es schwierig zu lernen.» Das will er ändern: Nach der Saison plant er Unterricht bei einer Privatlehrerin.Die Anpassung fällt ihm leichter als erwartet – auch, weil drei Landsmänner zum Team gehören. Heimweh gibt es trotzdem, vor allem nach der Familie und nach argentinischem Essen. Ein Stück Heimat findet er in Näfels dank seiner südamerikanischen Teamkollegen. Nach den Spielen treffen sie sich, essen zusammen und reden über Argentinien – es ist wie eine Ersatzfamilie.Auch das Leben im Glarnerland überrascht ihn, besonders die Ruhe und die Berge. «Jeden Morgen aufzuwachen und zu sehen, wie die Sonne hinter den Bergen aufgeht, beeindruckt mich», sagt Denis. In seiner Heimatregion gibt es keine Berge, nur flaches Land.Als im November die ersten Flocken fallen, erlebt er zusammen mit Teamkollege Ezequiel Vazquez zum ersten Mal einen richtigen Wintertag: Schneebälle, Lachen – alles neu. Doch bald merkt er: «Schnee ist nicht nur lustig, sondern kann ziemlich anstrengend sein.»
Ruhe als Stärke
Wenn er sich selbst beschreiben soll, zögert er: «Puh, ich weiss nicht, das ist kompliziert.» Er beschreibt sich als ruhig und bescheiden, als jemanden, der nach vorne geht und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. «Ich bin immer positiv.»Pablo ist ein fröhlicher Mensch. Er liebt die Leichtigkeit, macht gerne Witze und bringt andere zum Lachen – ruhig, zurückhaltend, nie laut oder aufdringlich.Und was geht ihm durch den Kopf, wenn er in einem entscheidenden Moment angreift? Denis lächelt. «Ich denke nicht viel nach», sagt er. «Ich gehe selbstbewusst hinein – im Vertrauen, den Punkt zu machen.»Seine Wünsche für die Zukunft klingen schlicht: Er möchte weiterhin als professioneller Volleyballspieler erfolgreich sein, vielleicht eines Tages mit der argentinischen Nationalmannschaft eine Medaille gewinnen oder an Olympischen Spielen teilnehmen. Auch ein Engagement in einer grossen Liga wie Italien bleibt ein Traum. Doch am wichtigsten sind andere Dinge: ein eigenes Haus, eine Familie, ein Kind.Es sind einfache Wünsche. Vielleicht gerade deshalb passen sie so gut zu diesem jungen Mann, der aus einem einfachen Vorort von Buenos Aires in die Schweizer Berge gekommen ist – und dort, fast beiläufig, Geschichte schreibt.

Pablo Denis zeigt es an: Nicht ich - das Team steht im Mittelpunkt

Pablo mit seinen fünf Brüdern

Pablo Denis mit seinem letzten Team in Argentinien, den Boca Juniors

Überflieger: Die Sprungkraft von Pablo Denis beeindruckt

Seltenes Bild: Selbst nach einem spektakulären Punktgewinn bleibt Pablo Denis meist ruhig

Luzern ist für ihn der schönste Ort, den er bisher in der Schweiz gesehen hat.

Ersatzfamilie: Die vier Argentinier Pablo Denis, Ezequiel Vazquez, Mariano Mattioni und Nach Verdi (v. l.) treffen sich oft, essen zusammen und sprechen über ihre Heimat


























































































