Sonntag, 2. Dezember 2012; 19:00
NLA

Volley Näfels verschenkt Tabellenführung der NLA

Von: Rolando K. Küng

Volley Näfels zeigt gegen Volley Amriswil ein Spiel, welches mehr von der Spannung als von der Klasse lebte. Für die Zuschauer war der Wermutstropfen die verschenkten drei Punkte. Aber gute Unterhaltung und spannenden Sport haben beide Teams allemal geboten.

 

Auch schon habe sein Team diese Saison in engen Spielen das Glück eher auf seiner Seite gehabt, blickte Coach Mani Müller zurück auf die bisherige Saison. Diesmal war es vielleicht etwas fehlendes Glück, aber auch zuwenig Kaltblütigkeit bei den ganz wichtigen Punkten jeweils zum Satzende. Wie sich da Volley Näfels die Butter noch vom Brot nehmen liess, irritierte. Zumal man in jedem Satz das Gefühl hatte, dass die Polak-Truppe das Geschehen eigentlich im Griff hatte. Vor allem Chef Dalibor Polak lieferte erneut eine sehr starke Partie ab. Was er mit den Pässen aller Art auch am Samstag wieder anzufangen wusste, verdient das Prädikat hervorragend. Auch Passeur Cao Herrera zollte ihm seine Bewunderung für die Topleistung. "Als wir zusammen in der Argentinischen Liga spielten, war Polak gefürchtet. Wir nannten ihn El Animal", berichtete Amriswils Passeur. Und wer nach Griechenland mitgereist ist an die beiden Spiele des Challenge-Cups, wurde auch dort Zeuge davon, wie sehr Polak dort bewundert und verehrt wird. Man kann ja auch nicht sagen, dass er seine Mitspieler nicht gut auf Gegner Volley Amriswil eingestellt hätte. "Unser Spiel läuft dank den Mittelangreifern Walzer und Ljubicic und dem perfekten Zusammenspiel mit unserem Passeur stark über die Mitte", meinte auch Coach Dario Bettello. Und das weiss natürlich auch Polak. Trotzdem anerkannte er selbstkritisch nach dem Spiel: "Wir werden jetzt schauen, dass wir unsere Defense am Block und vor allem weiter hinten im Feld im nächsten Spiel gegen die Thurgauer stark verbessern können".

 

Näfels braucht einen weiteren Annahmespieler

Und damit spricht Trainer Polak indirekt ein Problem an, welches bereits seit der Verletzung von Nico Beeler im Team besteht. Es fehlt ein Annahme- und Verteidigungsspieler. So sehr sich Libero Dani Werner bemüht, überall kann er ja nicht sein. Und da braucht es nebst den beiden "gelernten" Kankaanpää und Pulko dringend noch einen weiteren Spieler auf dieser Position. Adi Schläpfer, der Appenzeller im Team der Ostschweizer, war sichtlich nicht voll im Strumpf und konnte trotzdem problemlos durch Roman Brühwiler ersetzt werden. Diese Möglichkeit hatte "Tages-Coach" Mani Müller leider nicht. Es waren ihm, mangels Alternativen, die Hände gebunden. Nicht auszudenken auch, was passierte wenn sich einer der beiden Annahmespieler während eines Spiels verletzen sollte. Dann hätte das ganze Team ein echtes Problem. Als Ersatz stünde dann ein Passeur, ein Mittelblocker oder ein Diagonalangreifer zur Verfügung. Nicht gerade ideale Voraussetzungen, um sich weiterhin in der Region der Tabellenspitze zu behaupten.

 

Haben Wechsel das Spiel entschieden?

Dem fachkundigen Publikum war auch nicht entgangen, dass Ivan Bedrac die eine oder andere Pause mehr gebraucht hätte als nur diejenige kurz vor Ende des verlorenen zweiten Satzes. Oder wenn schon gewechselt wurde, dann nicht erst beim Stand von 24:22 sondern schon etwas früher. Er zeigte schon vorher mit seinem Spiel an, dass er eine kurze Pause hätte brauchen können. Marco Gygli hatte einen schweren Stand, denn mit dem Angriffsfehler von Kankaanpää zum 24 beide, bekamen die Amriswiler endgültig Oberwasser. Kurze Zeit später war der Satzverlust Tatsache und damit, wie man später sah, die Wende im Spiel eingeleitet. Denn auch in Satz drei als Cao Herrera zu seiner Serviceserie ansetzte, wäre noch einmal Zeit gewesen, einen Passeurwechsel zu versuchen. Doch er kam nicht und als dann Cao (endlich) seinen sechsten Service ins Netz setzte, war es bereits zu spät.

 

Für einmal zuwenig Coolness

Es spricht für die intakte Moral der Spieler um Captain Büsser - er machte am Block inzwischen Sämi Ehrat Platz - dass es der Mannschaft gelang, wieder bis zum Satzball zu kommen. Dann aber zündete Diagonalangreifer Santiago Alvarez den Turbo und buchte die entscheidenden Punkte zum Sieg für sein Team. Nicht fehlender Einsatz war der Grund für diese Niederlage. Aber für den Sieg hätte es einen besseren Toni Kankaanpää, einige Passeurwechsel und ganz sicher mehr Coolness bei den Money-Points gebraucht.

 

Bild: Köbi Hefti - Dalibor Polak bereitete nicht nur Amriswils Blocks viel Arbeit. Er setzte, trotz seinen 38 Jahren, den Gegner ständig unter Hochdruck