Samstag, 9. Februar 2013; 20:43
NLA

Volley Näfels taucht erneut ab

Von: Rolando K. Küng

Die Mannschaft um Dalibor Polak verliert auch gegen Volley Amriswil und findet kein Rezept, den Thurgauern entgegenzuhalten. Der noch im Herbst sehr schlagkräftigen Mannschaft fehlt der Leader. Diese Niederlage ist bitter, sie bringt die Näfelser Volleyballer arg in Rücklage.

 

Die Gemüter von Spielern, Coach und Staff waren nach dieser Heimniederlage mehr als erhitzt. Lautstark machten einige Spieler ihrem Frust über diese erneute Pleite Luft. Und wenn man weiss was diese bedeutet, kann man die Reaktion in der Hitze des Gefechts durchaus verstehen. Obwohl, schuld daran ist jeder einzelne der Spieler selbst. Zuwenig entschlossen war die Gegenwehr im vierten Satz, als man sah dass das Spiel kippte. Bis zur Satzmitte war es ja noch ausgeglichen, dank einer Näfelser Punkteserie von sechs Zählern in Folge. Ivan Bedrac brachte die Annahme der Ostschweizer mit seinem perfiden Flatterservice arg in Verlegenheit. Zur Krönung seiner Serie gelang ihm noch ein Ass zum 10:7. Da war die Welt noch in Ordnung für die Glarner Volleyballer, doch leider nicht mehr lange. Sofort kamen die Oberthurgauer wieder heran und unter der magistralen Regie von Passeur Cao Herrera, zogen sie an Näfels vorbei. Bald stand es 12:16 und irgendwie merkten es alle in der linth arena: Da war für Volley Näfels nichts mehr zu holen. Es flackerte zwar noch einmal ein kurzes Strohfeuer der Hoffnung auf, als die Polak-Truppe Gegner Amriswil zu zwei Angriffsfehlern hintereinander zwingen konnte und Stefan Illic einen Angriff über die Mitte erfolgreich abschloss. Nun stand es "nur" noch 18:21, ein Spielstand, welchen Näfels in seinen guten Zeiten problemlos noch drehen kann. Doch nicht so an diesem Fasnachts-Samstag. Einen von Libero Dani Werner in dieser Art sehr selten gesehenen Fehler in der Annahme, liess die Ostschweizer zum Matchball kommen. Dieser wurde von Adrian Schläpfer verwertet, welcher über die ganze Spieldauer sehr präsent wirkte und wie die meisten Amriswiler ein sehr gutes Spiel zeigte.

 

Lektion am Pass durch Cao Herrera

Damit ging ein Spiel verloren in welchem der Zuschauer zwar im zweiten Satz ein recht kompakt agierendes Volley Näfels am Werk sah, aber schon im Folgesatz seinem Gegner mit 15:25 wieder krass unterlegen war. Da spürte man, dass wohl auch an diesem Abend die Gäste die Halle als Sieger verlassen würden ohne dabei an ihre Grenzen gehen zu müssen und wirklich echt gefordert zu werden. Volley Näfels agierte zu durchsichtig. So sehr sich Ivan Bedrac am Pass auch bemühte, Gegner Amriswil mit seinen hellwachen Block- und Defense-Spielern hatte fast immer die richtige Antwort. Ausserdem buchten sie in 65% aller ersten Angriffe den Sideout-Punkt. "Das ist die beste Leistung meines Teams in dieser Sparte über die ganze Saison gesehen", strahlte ein sehr zufriedener Trainer Dario Bettello. Genau umgekehrt tönte es bei Manager Ruedi Gygli: "Es hat im Fall nicht am Passeur gelegen, dieser war noch der Beste der ganzen Mannschaft". Er sagte dies wohl wissend, dass halt im Volleyball die Position des Passeurs die Schalt- und Drehzentrale ist und Sieg oder Niederlage fast immer über diese Position läuft. Und wenn Passeur Bedrac wirklich der Beste war, dann machte ihm sein Gegenüber einmal mehr vor, wie man diesen Part im Spiel auch interpretieren kann. Volley Amriswil schoss aus allen Rohren - man sah viele Kurzpass-Angriffe über die Mitte und auch Pipes aus dem Rückraum. Aber auch die Aussenpositionen kamen nicht zu kurz, so dass der Näfelser-Block nie wusste, in welche Richtung er diesmal "fliegen" sollte. Cao Herrera ist, man muss es anerkennen, noch immer ein Meister seines Fachs und seine Mitspieler danken es ihm mit Punkten en masse. Wenn er sie mit seinen Hammer-Services oder am Block nicht gleich selber macht.

 

Libero Werner's grünes Gesicht

Die Näfelser-Annahme war ebenfalls ungenügend. Der Finne Kankaanpää spielt noch auf etwa zwei Dritteln seiner Leistung von Anfang Saison und Libero Werner's Gesicht war nach dem Spiel mehr grün als bleich. Er bestätigte, dass er sich nicht voll fit fühlte. Umsomehr unverständlich, dass man in diesem Fall nicht Volley Näfels Neuem, Manuel Sutter, die Möglichkeit gab, sich zu zeigen und zu bewähren. Vielleicht hätte er mehr Sicherheit in die Annahme bringen können? Und sogar Stefan Illic, welcher in schwierigen Spielen normalerweise spätestens im zweiten Satz "lichterloh brennt" und lautstark im Spiel und von der Bank aus seine Kameraden vorwärts peitscht, begann damit im heutigen Spiel erst in Satz vier. Schon oft ist es ihm gelungen, seine Mitspieler ins Match zu holen und auf die Siegstrasse zu führen. Doch auch er scheint irgendwie im Moment nicht an das Potenzial des Teams zu glauben. Jetzt braucht es dringend einen Aufsteller. Blöd nur, dass schon am nächsten Donnerstag das Spiel in Cadempino gegen Lugano folgen wird. Doch vielleicht ist gerade das Kaliber dieses Gegners genau richtig. Zu verlieren hat Volley Näfels nun rein gar nichts mehr. Und vielleicht reist die Mannschaft ja ins Tessin nach dem Motto: "Wir haben keine Chance - also packen wir sie"!

 

 

Matchtelegramm Playoff-Runde, Spiel 3

 

linth arena sgu, Näfels, 09. Februar 2013

Spieldauer 90 Minuten

Zuschauer: 199

 

Volley Näfels – Volley Amriswil 1:3 (20:25, 25:20, 15:25, 21:25)

 

Volley Näfels: Bedrac und Gygli (Passeur), Werner (Libero), Ehrat, Kankaanpää, Pulko, Ilic Stefan, Ilic Ugi, Büsser (Captain), Polak, Beeler, Sutter

Spielertrainer: Dalibor Polak

 

Volley Amriswil:

Herrera (Passeur, Captain), Raymond (Libero), Walzer, Ljubicic, Schläpfer, Alvarez, Trevisan; Brühwiler, Perler, Heidrich Adrian und Florian

Head-Coach: Dario Bettello, Assistenztrainer: Jürg Messerli

 

1. SR: Schürmann

2. SR: Reyes

Bild: Köbi Hefti - Ugi Illic, Toni Kankaanpää und Samuel Ehrat schauen der Form des vergangenen Herbstes nach