Volley Näfels muss sich Lugano beugen
Nach vier Siegen in Folge wurde nun, nicht ganz überraschend, Volley Näfels vom Meisterschaftsfavoriten EN Gas&Oil Lugano erstmals bezwungen. Zu Beginn waren die Glarner noch überlegen, mussten aber mit zunehmender Dauer des Spiels Lugano's Überlegenheit anerkennen und verloren mit 1:3.
Irgendwie schienen die Tessiner im Startsatz noch nicht ganz durch den Tunnel gekommen zu sein. Sie waren nicht bereit und die Ausländer hatten sicher auch mit der Halle noch etwas Mühe. Alle, mit Ausnahme von Captain Hübner, spielten ja zum ersten Mal hier in der Linth Arena. Gastgeber Volley Näfels trat kompakt und entschlossen auf und spielte mit Ausnahme von drei Servicefehlern ohne Fehl und Tadel. Die Annahmen waren stabil, die Sideouts wurden unter der Regie von Passeur Gygli regelmässig gemacht und die Luganesi immer wieder zu Eigenfehlern gezwungen. Der Näfelser Block stand bereit und so gingen der Squadra Motta die Ideen aus, wie man diese Mauern überwinden könnte. "Wir nahmen den Schwung aus Amriswil mit in dieses Spiel", meinte Captain Büsser. Zwei Vierer-Punkteserien waren das Resultat und der klare Satzgewinn mit 25:17 die Folge. Doch das schien nun gegen dieses Lugano doch ein wenig zu klar gewesen zu sein.
Änderung der Taktik brachte Wende
Und in der Tat drehten die Dragons kurz nach Beginn des 2. Satzes mächtig auf. Nun waren sie es, welche Punkteserien hinlegten. Die Floats beim Service zeigten Wirkung und brachten die Näfelser Annahme nun ihrerseits ins Schwitzen. Auch die Angriffe auf den Aussenpositionen wurden seltener und der Finne Kankaanpää verschwand fast vollends. Auch bei Ugi Ilic auf der Diagonalposition schien die Luft etwas draussen zu sein und so kam bei 14:17 Dalibor Polak an seine Stelle. Dieser sorgte kurzzeitig für etwas mehr Schwung. Gegner Lugano blieb aber aufmerksam und fokussiert, buchte ebenfalls seine Punkte und brachte den Vorsprung über die Runden zum Ausgleich nach Sätzen.
Verzweifelter Polak zündet Rakete
Mit diesem Satzgewinn schienen die Ticinesi erst so richtig warm gelaufen zu sein. Kurzzeitig, bis zum 8:7 hielt Volley Näfels noch mit, aber dann zogen die Gäste unaufhaltsam davon. Auch ein Passeurwechsel von Gygli zu Bedrac und die Einwechslung von Beeler für Kankaanpää brachte keine Verbesserung und so schien es, als schrieb Näfels diesen Satz schon sehr früh ab. Ebenso klar wie die Polak-Truppe Satz eins gewinnen konnte, schwangen jetzt die Spieler um Captain Hübner obenaus. Damit hatte Lugano schon mal einen Punkt auf sicher, doch sie wollten mehr, das sah man sofort auch zu Beginn von Satz vier. Bald stand es 2:8 und 4:10. Jetzt beorderte Ruedi Gygli, welcher in Absenz von Pedro Carolino das Coaching übernahm, wieder Sohn Marco zurück aufs Feld. Doch auch seine Pässe bewirkten nur, dass das Heimteam nicht noch mehr in Rückstand geriet, mehr aber nicht. Nun brauchte es ein Wunder. Und es kam mit Dalibor Polak, welcher noch einmal eine Rakete zündete. Und wie! Seine vier Punkte in Serie liess Volley Näfels noch einmal bis auf einen Punkt an Lugano herankommen. Jetzt konnte den Dragons nur noch ein Timeout helfen. Und tatsächlich wurde der erste Spielzug danach, ein weiterer Angriff von Polak, durch die beiden Brasil-Luganesi Zanatta und Banderò geblockt. Und das war wohl die Matchentscheidende-Szene gewesen, denn wäre Polak auch beim fünften Versuch in Serie durchgekommen, das Spiel hätte vielleicht noch einmal gekippt. So aber hielten die Tessiner Gäste Volley Näfels auf Distanz und buchten mit deren gütiger Mithilfe die nächsten drei Punkte zum Matchball. Ein leichtfertiger Servicefehler von Hübner liess noch einmal kurz Hoffnung aufkeimen, eher der andere Finne an diesem Abend, Jukka Lehtonen, mit seinem Angriff den Sack zumachte.
Motta's Respekt vor Volley Näfels
"Unsere Mannschaft hat erst nach Angewöhnung an die Lichtverhältnisse und die niedrige Halle ihr wahres Gesicht gezeigt", meinte Lugano's MVP Felipe Banderò nach dem Spiel. Nicht nur seine kraftvollen Angriffe beeindruckten Gegner und Zuschauer, sondern auch seine Services und Blocks. Er sei seit dem Supercup etwas handicapiert gewesen, aber natürlich sei er mit dem hier gezeigten noch nicht auf seinem höchsten Niveau angelangt, meinte der Ex-Junioren-Weltmeister aus Brasilien. "Aber ich weiss gut, dass auch ein Dalibor Polak erst im Februar, März so richtig voll aufdreht", erinnerte Trainer Mario Motta, welcher den Tschechen aus seiner Zeit in Italien sehr gut kennt. "Ich schätze ihn überaus und habe grossen Respekt vor ihm, seinem Können und dem ganzen Team von Volley Näfels". Er sei überhaupt nicht siegessicher hierher gekommen und freue sich nun umso mehr, dass seine Spieler heute gewinnen konnten. "Aber als Polak noch einmal aufdrehte und sein Team gefährlich nahe heranbrachte, hatte ich Angst", blickte Motta zurück auf die entscheidende Szene. Polak sei verdient Näfels' MVP geworden heute, brachte es Motta, einer der es ja wissen muss, auf den Punkt.
Gygli lag richtig
Manager Ruedi Gygli glaubt, dass seine Mannschaft fast zu gut gestartet ist. Trotzdem beweist er ein Kenner der Szene zu sein indem er sagt: "Mein Tipp vor dem Spiel war das tatsächliche Schlussresultat". Man müsse die Möglichkeiten schon realistisch einschätzen und auch für diese beiden Spiele gegen Lugano und am Mittwoch zuhause gegen Laufenburg habe er total drei Punkte budgetiert. So ist ja nun klar, was gegen die Fricktaler passieren muss.
Matchtelegramm Spiel 5 - Meisterschaft NLA
Linth arena sgu, Näfels, 13. Oktober 2012
Spieldauer 93 Minuten
Zuschauer: 222
Volley Näfels – EN Gas & Oil Lugano 1:3 (25:17, 21:25, 15:25, 21:25)
Volley Näfels: Bedrac und Gygli (Passeur), Büsser (Captain), Werner (Libero), Kankaanpää, Pulko, Ilic Stefan, Ilic Ugi, Polak, Ehrat, Beeler
Spielertrainer: Dalibor Polak
Pallavolo Lugano: Gamica (Passeur), Gelasio (Libero), Hübner (Captain), Lehtonen, Manassero, Mariano, Banderò; Jockovic, Savic, Beggiolin, Zanatta, Sauss. Trainer: Mario Motta
1. SR: Grellier
2. SR: Nellen



























































































