Donnerstag, 26. März 2026; 17:10
Volley Näfels, Allgemein

Volley Näfels lebt weiter - Solidarität rettet den Traditionsverein

Sportlich erlebt Volley Näfels mit dem Einzug in den Cupfinal und den Playoff-Final seine erfolgreichste Saison seit Jahren. Doch der wichtigste Sieg gelingt abseits des Spielfelds: Der Verein ist gerettet, der Konkurs abgewendet – Volley Näfels lebt weiter.

Von: Köbi Hefti

Noch im Herbst war die Lage dramatisch. An der Hauptversammlung im September fand Präsident Martin Landolt klare Worte: «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Ohne massive Hilfe wird es Volley Näfels bald nicht mehr geben.» Kurzfristig fehlten 50’000 Franken, weitere 150’000 waren nötig, um die Zukunft des Vereins und die Lizenz für die kommende Saison zu sichern. Die Ursachen waren vielfältig: steigende Kosten, wegbrechende Sponsoren, höhere Anforderungen – aber auch eigene Fehleinschätzungen. «Wir haben nicht immer die richtigen Entscheide getroffen», räumte Landolt ein.

 

«Wir brauchen euch»

Der Verein ging mit der Situation an die Öffentlichkeit – und löste eine aussergewöhnliche Welle der Solidarität aus. Über 300 Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen beteiligten sich an der Rettungsaktion. Die ersten 50’000 Franken kamen innerhalb weniger Tage über ein Crowdfunding zusammen. In den folgenden Wochen folgten weitere Spenden – grosse Beträge ebenso wie kleine.

So verzichtete etwa ein Mädchen auf ein Weihnachtsgeschenk und bat stattdessen um eine Spende für den Verein. Selbst aus anderen Regionen der Volleyballszene kam Unterstützung – verbunden mit der Botschaft: «Wir brauchen euch.» Auch die Vereinsmitglieder selbst trugen ihren Teil bei, unter anderem mit über 1’000 Helferstunden am ESAF 2025.

Für Präsident Martin Landolt ist die Rettung ein emotionaler Moment: «Was wir erlebt haben, übertrifft sämtliche Erwartungen. Diese Solidarität hat uns tief berührt. Ich bin dankbar, erleichtert und stolz.»

 

Gerettet – doch die letzte Hürde bleibt

Mit den gesammelten Mitteln konnten die Schulden bereinigt und die finanziellen Vorgaben des nationalen Verbands erfüllt werden. Damit ist die wichtigste Grundlage für die Zukunft gelegt. Noch ausstehend ist der formelle Entscheid zur Lizenz: Das Gesuch für die kommende Saison wurde eingereicht, der Entscheid von Swiss Volley wird im September erwartet.

Die Erleichterung ist dennoch im ganzen Verein spürbar – besonders bei den jungen Spielerinnen und Spielern. Die zehnjährige Leonie meinte, als sie von der Nachricht erfuhr: «Ahhh – super, super, super! Ich bin mega glücklich und froh. Ich danke allen Leuten, die gespendet haben.» Was für ein Kontrast zum Herbst, als ihr beim Gedanken an das drohende Ende die Tränen in die Augen schossen. Auch im Nachwuchs war die Verunsicherung gross. U20-Spieler Gian Bruderer erinnert sich: «Ich war fassungslos und nachdenklich.» Jetzt überwiegt die Erleichterung: «Ich habe immer gehofft, dass wir es schaffen. Jetzt kann ich meinen Weg weitergehen.» Sein Ziel ist klar: den Sprung ins NLA-Team – ein Kindheitstraum, dem er nun ein Stück näher ist. In dieser Saison durfte er bereits mehrfach mit der ersten Mannschaft mittrainieren.

 

Weckruf für die Zukunft

Auch bei den Spielern der ersten Mannschaft war die Verunsicherung spürbar. Christian Bartholet beschreibt die Situation rückblickend als «besorgniserregend» und «erschreckend». Umso grösser ist die Dankbarkeit nach der Rettung: «Diese Solidarität ist nicht selbstverständlich.» Gleichzeitig mahnt er: «Ich hoffe, sie ist auch ein Weckruf, damit wir die Zukunft nachhaltig planen.»

Genau darin liegt nun die zentrale Herausforderung. Der Verein hat die Krise abgewendet – doch die Lehren daraus bleiben. Künftig muss vorsichtiger gewirtschaftet werden. Einnahmen dürfen erst eingeplant werden, wenn sie gesichert sind. Volley Näfels hat eine neue Chance erhalten. Jetzt liegt es am Verein, diese Chance zu nutzen. Oder, wie Präsident Martin Landolt es formuliert: «Diese breite Solidarität verdient und erfordert unsere Verantwortung, sorgfältig damit umzugehen.»

Es geht weiter: Unglaubliche Solidarität rettet Volley Näfels vor der Liquidation

Martin Landolt: "Ich bin dankbar, erleichtert und stolz."

Gian Bruderers Kindheitstraum lebt: "Ich kann meinen Weg weitergehen - mein Ziel bleibt die NLA."

Christian Bartholet spricht von Dankbarkeit nach der Rettung und einem Weckruf für die Zukunft.

Freude herrscht!