Viel Neues - und doch vertraut
Der Spieler-Exodus war gross. Doch Axpo Volley Näfels bleibt seiner Philosophie treu und setzt erneut auf junge Spieler mit Entwicklungspotenzial.
(von Köbi Hefti)
Sechs der acht Stammspieler sind weg. Captain Risto Nikolov hat seine Karriere beendet, Topskorer Pablo Denis wechselte nach Spanien, weitere Leistungsträger zog es ins Ausland. Der personelle Umbruch ist beträchtlich, gehört im Spitzenvolleyball jedoch längst zum Alltag.
Mit den vielen Abgängen rückt Christian Bartholet noch stärker in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Ezequiel Vazquez gehört er zu den prägenden Figuren der neuen Mannschaft. Bartholet selbst bleibt bescheiden: «Ich habe noch viel zu lernen und mein Spiel hat noch viel Potenzial nach oben.» Nach drei Jahren kenne er die Abläufe im und um den Verein bestens. «Dort kann ich die Neuen sicher unterstützen.»
Der Blick richtet sich nach vorne
Erneut setzt Axpo Volley Näfels auf eine der jüngsten Mannschaften der Liga. Das Durchschnittsalter liegt bei rund 22 Jahren. Älter als 25 sind einzig James Norris (26, USA) und Patrik Johansson (28, SWE). Überrascht hat der Umbruch Teammanager Ivan Bedrac nicht. «Natürlich hätten wir Spieler gerne behalten. Aber es war uns bewusst, dass Spieler gehen werden.» Besonders intensiv kämpfte der Verein um den Verbleib von Topscorer Pablo Denis. «Wir waren sehr lange mit ihm im Gespräch. Irgendwann mussten wir aber weitermachen, weil der Markt der Diagonalangreifer klein ist.»
Bei der Zusammenstellung des Kaders beginnt Bedracs Arbeit nicht mit der Frage nach den besten Spielern, sondern nach den passenden. «Als Erstes müssen wir diese Spieler überhaupt bezahlen können», sagt er offen. Entscheidend sei auch, dass sie auf ihrer Position das gewünschte Profil erfüllen und menschlich überzeugen. «Wir möchten jungen Spielern die Chance geben, sich bei uns zu entwickeln. Sie müssen aber auch als Typen zu unserer Mannschaft passen.»
Darum kommen Spieler nach Näfels
Nach diesen Kriterien stellte der Verein sein Kader für die Saison 2026/27 zusammen. Neu zum Team stossen Olivier Clement, Pascal Roffler, Jonas Schmid und Yannick Steimann. Alle vier Schweizer wollen in Näfels den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen. Mit Christian Bartholet, Dejan Bogdanovski und Tom Schwitter bleiben die drei regionalen Spieler an Bord.
Warum entscheiden sich junge Spieler überhaupt für Axpo Volley Näfels? Die Antworten der Neuzugänge ähneln sich. Als Gründe nennen sie die Möglichkeit zur sportlichen Weiterentwicklung, das professionelle Umfeld und die Chance, mit einem ambitionierten Team um Spitzenplätze mitzuspielen. Jonas Schmid freut sich auf einen Club, «mit dem man um Titel spielen kann», Yannick Steimann sieht in Näfels die ideale Verbindung von Studium und Spitzensport.
Verstärkung aus drei Ländern
Auf einzelnen Positionen musste Näfels allerdings im Ausland suchen. James Norris dürfte den Fans bestens bekannt sein. Im Dress von Chênois sorgte der Amerikaner immer wieder für Kopfzerbrechen bei der Näfelser Defensive. Nun übernimmt er die Diagonalposition bei Axpo Volley Näfels. Teammanager Bedrac hebt seinen Service hervor und ist überzeugt, dass der Amerikaner sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat: «Man darf nicht vergessen, dass es erst seine zweite Saison auf der Diagonalposition war. Zuvor spielte er als Mittelblocker.» Norris selbst begründet seinen Wechsel mit dem Trainerstab und dem starken Zusammenhalt im Verein. Mit dem Argentinier Valentin Durdos verpflichtete Näfels zudem einen Annahmespieler, der durch seine Stabilität in der Annahme und seine Sprungkraft überzeugt. Komplettiert wird das Kader durch den schwedischen Mittelblocker Patrik Johansson.
Die neue Achse
Die Verantwortung wird in der neuen Mannschaft auf mehrere Schultern verteilt. Eine Schlüsselrolle kommt dabei Spielmacher Ezequiel Vazquez zu. Der Argentinier gehörte bereits in der vergangenen Saison zu den prägenden Akteuren. Mit seiner Spielübersicht, seiner positiven Ausstrahlung und seiner ansteckenden Freude war er weit mehr als nur der Zuspieler - er war einer der Motoren des Teams. Gemeinsam mit Bartholet und Norris soll er der jungen Equipe Stabilität geben.
Kontinuität herrscht an der Seitenlinie. Ignacio «Nacho» Verdi geht bereits in seine dritte Saison als Cheftrainer. Neu ergänzt ihn der Argentinier Sebastián Azcoitia als Assistenzcoach. Den Ausschlag für seinen Wechsel gaben die sportlichen Ambitionen des Vereins, die professionelle Organisation und die grosse Unterstützung der Fans.
Ob Axpo Volley Näfels an die vergangene Saison anknüpfen kann, lässt sich heute noch nicht sagen. Bedrac erwartet eine ausgeglichene Meisterschaft. Konkrete Rangziele nennt er nicht, hält aber fest: «Ich möchte aber auch nicht sagen, dass das Erreichen des Halbfinals eine Überraschung wäre.» Den Optimismus seines Teammanagers teilt auch Bartholet: «Die Fans können sich auf packende Spiele freuen. Wir sind wieder ein sehr junges und ambitioniertes Team, das die Routiniers der Liga gerne ins Schwitzen bringen möchte.»

Vom Gegner zum Teamkollegen: Im Playoff-Halbfinal im März standen sich James Norris (rechts) und Ezequiel Vazquez noch am Netz gegenüber. In der neuen Saison bilden sie bei Axpo Volley Näfels eine gemeinsame Achse.

Sebastian Azcoitia (ARG), 26, Assistenztrainer, zuletzt bei Tenaglia Abruzzo Altino Volley (ITA): Das sportliche Projekt, die Siegermentalität und die Chance, mit Axpo Volley Näfels um Titel zu spielen, haben mich sofort überzeugt.

Olivier Clement (SUI), 21, Mittelblock, zuletzt bei TSV Jona Volleyball: Ich freue mich auf die Herausforderung in der NLA und darauf, mit Axpo Volley Näfels den nächsten Schritt zu machen.

Valentin Durdos (ARG), 22, Annahme/Aussen, zuletzt bei San Lorenzo (ARG): Der Traum von einer europäischen Liga und die Verbundenheit meiner Heimat mit der Schweizer Kultur haben mich nach Näfels geführt.

Patrik Johansson (SWE), 28, Mittelblock, zuletzt bei Numidia VC Limax (NED): Nach dem Gespräch mit dem Trainer war für mich klar: Axpo Volley Näfels ist der richtige Verein für meinen nächsten Karriereschritt.

James Norris (USA), 26, Diagonal, zuletzt bei Chênois Genève Volleyball: Axpo Volley Näfels hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt – jetzt möchte ich meinen Teil dazu beitragen und um den Meistertitel kämpfen.

Pascal Roffler (SUI), 21, Annahme/Aussen, zuletzt bei STV St. Gallen: Das professionelle Umfeld und die Ambitionen von Axpo Volley Näfels haben mich überzeugt, den Wechsel nach Näfels zu wagen.

Jonas Schmid (SUI), 23, Libero, zuletzt bei TSV Jona Volleyball: Ich möchte mit Axpo Volley Näfels um Titel spielen und mich in einem ambitionierten Umfeld weiterentwickeln.

Yannick Steimann (SUI), 21, Pass, zuletzt bei VBC Uni Bern: Axpo Volley Näfels lässt sich ideal mit meinem Studium und meiner Arbeit verbinden – und bietet mir die Chance, meine Leidenschaft für den Volleyball auf höchstem Niveau weiterzuleben.


























































































