Montag, 23. April 2012; 17:48
NLA

Versöhnlicher Abschluss - Sieg mit starker Leistung bringt Bronze

Von: Rolando K. Küng

SEAT Volley Näfels erkämpfte sich doch noch Bronze. Dank einer vorzüglichen Leistung sämtlicher Spieler und einem feinen Sieg beim TV Schönenwerd kam das Edelmetall wieder zurück ins Glarnerland. Damit ist das nach unten korrigierte Ziel - nach klar verpasstem Finaleinzug - noch erreicht worden. Entsprechend zufrieden zeigten sich Spieler und Trainer.

 

 

 

Volleyball. – Eines muss man der diesjährigen Mannschaft zugute halten, sie hat keines der drei Spiele im kleinen Final auf die leichte Schulter genommen und gekämpft bis zum Schluss. Aber nach dem formidablen Auftritt beim klaren 3:0-Sieg bleibt halt doch ein etwas schaler Nachgeschmack. Denn noch einmal, nach den wichtigen Siegen im Januar, hat das Team gezeigt, wozu es eigentlich fähig gewesen wäre. Die individuelle Stärke der einzelnen Spieler kam im dritten Spiel gegen die bis dahin überraschenden Schönenwerder, noch einmal sehr klar zum Ausdruck. Passeur Marco Gygli spielte auf Augenhöhe mit dem gewiss sehr guten Passeur Denis Milanez. Alle andern Spieler im Team der Niederämter waren aber mindestens eine Klasse schwächer als ihre Näfelser Gegenspieler. Jan Schnider erwischte keinen guten Tag und die beiden Diagonalspieler der Solothurner lieferten anstatt Punkte nur Eigenfehler ab.

 

Warum so unkonstant?

So bleibt die Frage nach dem Warum. Warum nur brach die Mannschaftsleistung nach dem guten Januar und dem dreiwöchigen Unterbruch in der Meisterschaft dermassen ein? Immer dann wenn den Näfelser Volleyballern das Wasser bis zum Hals stand, liefen sie zur Höchstleistung auf. So geschehen auswärts gegen Volley Amriswil und zuhause gegen Lausanne, was ihnen in extremis den Zutritt in die Top-Five noch ermöglichte. So auch die wirklich wichtige Cup-Partie in den Viertelfinals auswärts in Olten gegen den TV Schönenwerd. Und zuletzt wieder die allerletzte Partie des kleinen Finals der Meisterschaft gegen den selben Gegner, was Volley Näfels den Startplatz im CEV-Challenge Cup bescherte. Diesen hatte man nach der dummen Heimniederlage von letzter Woche der Polak-Truppe kaum mehr zugetraut. Und trotzdem hat sie ihn sich nun in überzeugender Manier geholt.

 

Schöni zerbrach am Druck

Waren es im sgu noch die Solothurner, welche den Glarnern die Party vermasselten, drehten diese den Spiess auswärts wieder um. Und dabei wäre alles, aber auch wirklich alles bereit gewesen in Däniken. Man musste sein Auto, durch die lokale Atom-Feuerwehr geleitet, auf einem entfernten Abstellplatz parken, dermassen gross war der Andrang auf dieses Spiel. Bei der Halle angekommen, stieg einem der gluschtige Duft gebratener Würste in die Nase, Getränke und Kuchen waren bereit. Die lokale Prominenz war da und sogar der neue Chef von Swiss Volley, Werner Augsburger liess sich diesen volleyballerischen Leckerbissen nicht entgehen. Doch mit der vollen Halle stieg beim einheimischen Team auch der Druck. Die Erwartung war riesig und die Enttäuschung unendlich, als Spieler und Fans langsam begriffen, dass gegen Volley Näfels an diesem launischen April-Sonntag leider kein Edelmetall mehr zu holen war. Bitter für das Überraschungsteam der ganzen Saison am Ende mit einem vierten Platz dazustehen. Der von Jan Schnider zu Saisonbeginn beim Supercup vorausgesagte Einbruch kam lange nicht. Leider für ihn und sein Klub musste er ganz zum Schluss doch noch Recht behalten mit seiner Prognose, welche er mehr als ein halbes Jahr zuvor gestellt hatte.

 

Doch damals hätte auch niemand unterschrieben, hätte man vorausgesagt dass die Polak-Truppe beim Erreichen der Bronze-Medaille einen Freudentanz aufführen würde. Schon viel eher ging man davon aus wieder die Playoff-Final-Runde zu erreichen. Und dafür wurde die Mannschaft auch so zusammengestellt. Jetzt, nach diesem Spiel mit einem versönlichen Abschluss kann noch einmal, mit etwas Wehmut gesagt werden, dass dieses Ziel auch hätte erreicht werden müssen. Und auch im Cupfinal hätte SEAT Volley Näfels wesentlich mehr Widerstand geleistet, wären sie in Bern nur so entschlossen aufgetreten wie jetzt im letzten Spiel.

 

Es bleibt die Erinnerung an die Emotionen

Alles nur Spekulation mag man denken. Aber eines ist sicher, dieses Team von SEAT Volley Näfels hat sich gesamthaft unter seinem Wert verkauft. Eine Teilnahme am Cupfinal und eine Bronze-Medaille ist, gemessen am Potenzial und der individuellen Klasse der einzelnen Spieler, ganz einfach ungenügend. Es gibt viele Gründe dass es so herausgekommen ist, aber genauso wie vielleicht der TV Schönenwerd die Bronze-Medaille auch verdient gehabt hätte aber diese durch Näfels gewonnen wurde, interessiert sich schon in einigen Wochen niemand mehr wirklich für die Hintergründe. Was bleibt ist einzig und allein die Statistik. Oder vielleicht doch nicht ganz? Vielleicht bleiben den wahren Fans doch die grossartigen Spiele in Erinnerung, welche diese Mannschaft gezeigt hat und dabei viele Male die Herzen höher schlagen und der Aufschrei im Hals stecken bleiben liess? Auch heuer gab es wieder viele Emotionen zu teilen mit und dank diesen Spielern. Und ist es nicht genau das was letztlich zählt? Die Erinnerung an diese Emotionen lässt jede Statistik verblassen und alle, Spieler, Trainer und Management verdienen ein herzliches Dankeschön.