Trainer Serramalera: Adios Gaucho - Auftrag erfüllt e mucha suerte para ti
Juan Manuel Serramalera’s drei Vorgänger mussten gehen. Nach dem Ausscheiden des Finnen Jouni Parkkali unter welchem der damalige MTV Näfels im Frühjahr 1998 seinen ersten Titel überhaupt feierte, schieden die drei nächsten Trainer alle aus, weil sie gehen mussten. In relativ kurzen Abständen folgten Jurek Strumilo, Dr. Igor Prielozny und Marco Siivonen. Alle standen unter grossem Erfolgsdruck und wurden diesem aus verschiedenen Gründen nicht gerecht. Immer wieder gelang es aber den Machern des Näfelser Volleyballwunders von Neuem, eine positive Lösung herbeizuführen. So auch, als im Dezember 2002 unter dem Druck der Mannschaft der Finne Marco Siivonen seinen Hut nehmen musste. Der damals 30-jährige Argentinier Serramalera, als Annahmespieler auf der Aussenposition zu Näfels gekommen, erwischte nicht den besten Saisonstart und vermochte nicht restlos zu überzeugen. Trotzdem oder eben gerade deswegen beförderte ihn die Vereinsleitung zum Spieler-Trainer. Bestimmt war dies keine leichte Aufgabe, denn nun musste er sich manchmal auch selbst auswechseln. Im Cup schied er mit seiner Mannschaft noch gegen Chênois aus, aber seine erste Meisterschaft entschied er gegen den selben Gegner in überzeugender Manier für sich und dies sowohl im Coaching der Mannschaft wie auch indivduell als Spieler. Es sollte die letzte Saison als Spieler gewesen sein. Somit beendete er diese wie er seine Laufbahn als Trainer begann, nämlich als Meister seines Fachs. Nach diesem ersten Titel sollten noch deren weitere neun folgen. Er hat sich im Verlauf seiner Tätigkeit beim Branchenleader Näfels stetig verbessert und es ist ihm gelungen, jede Mannschaft bestehend aus Einzelspielern wieder zu einer starken Einheit zu formen und fast immer zum Erfolg zu führen. Der Argentino verlässt den Klub auf seinem höchsten Niveau, nach dem erneuten Gewinn aller drei möglichen Titel während der letzten Saison und es ist ihm zu gönnen, dass seine unermüdliche, harte Arbeit den verdienten Lohn gefunden hat.
Wie fühlen Sie sich nach dem Entscheid nach Argentinien zurückzukehren?
JS: Also erstmal möchte ich betonen, dass mir dieser Entscheid überhaupt nicht leicht gefallen ist. Natürlich freuen wir uns sehr, nun definitiv wieder zu unserer Familie in Buenos Aires zurückzukehren. Speziell für unsere beiden Kinder ist es wichtig nun ihre Wurzeln zu finden und zu wissen wo sie hingehören. Aber wir haben in unserer Zeit hier im Glarnerland sehr viele gute Freunde gewonnen und viele positive Kontakte geknüpft. Und dies nun alles aufzugeben ist überhaupt nicht einfach. Darüber sind wir auch traurig.
Zu welchem Zeitpunkt haben Sie diesen Entschluss gefasst?
JS: Mein Entschluss ist der Schlusspunkt eines Prozesses. Wir haben unsere Kinder heranwachsen sehen und haben uns auch in den vergangenen Saisons beim Abschluss jeweils die Frage nach dem wie weiter gestellt. Aber im Verlauf dieser Saison hatten wir eigentlich gar keine Zeit, erneut darüber nachzudenken. Wir wollten auch erst mal alles zu einem guten Ende bringen, was uns ja glücklicherweise gelungen ist. Aber nach dem Gewinn des Meistertitels wurde diese Frage halt wieder gestellt und nun haben wir uns entschieden und dies auch entsprechend kommuniziert.
Bitte ziehen Sie ein Fazit über Ihre mehr als fünfjährige Tätigkeit hier in Näfels.
JS: Ich bin sehr glücklich sagen zu können, dass meine Erkenntnisse überaus positiv sind. Erstens habe ich hier sehr sehr viel gelernt. Zu Beginn war das Trainer sein überhaupt nicht einfach. Heute bin ich bestimmt nicht mehr der selbe Trainer der ich im Jahr 2003 war. Die Resultate habe ich erreicht, aber glauben Sie mir, für den Trainer eines Klubs wie Näfels, immer der Gejagte zu sein, ist nicht gerade einfach. Der Druck ist immer da und er ist immer sehr hoch. Die Erfolge unserer Schweizer Spieler ist für mich aber grossartig. Die waren zu Beginn ganz jung und sind nun bereit im Stammteam zu spielen.
Was sagt ein Trainer beim Abgang nach dem Gewinn aller drei möglichen Titel?
JS: Es ist einfach ein Traum. Jeder Spieler, jeder Trainer träumt wohl davon, als Abschluss einen Leistungszenit zu erreichen. Auf der andern Seite fällt es einem dann auch umso schwerer Abschied zu nehmen. Natürlich war es auch mir nicht vergönnt, an allen meinen Wirkungsstätten auf diese Art abtreten zu können, aber gerade deshalb geniesse ich auch diesen Moment umso mehr. Die Leute lassen mich nicht gerne ziehen und das ist doch schön.
Welches Team war Ihrer Meinung nach das Stärkste seit 02/03?
JS: Ganz klar das Meisterteam der Saison 2003/04. Mit Cao Gilman als Passeur, Victor Rivera, Moreno, Eduardo, Schnider und Talmon-Gros und natürlich Rafa welcher ja seine erste Saison spielte in diesem Jahr. Da standen grosse Spielerpersönlichkeiten in der Mannschaft. Ein Jahr später mit einem fast gänzlich neuen Team erreichten wir erneut grosse Erfolge. Der Unterschied war, dass keiner als Einzelspieler gross herausragte, aber die Mannschaft als Ganzes sehr gut harmonierte. Keiner von ihnen hatte je auf einem so hohen Niveau gespielt, aber in dieser Mannschaft schöpften sie alle ihr volles Potenzial aus.
Welche Spieler sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
JS: Oh, es waren wirklich viele gute Spieler hier! Gustavo Meier, José Quiñones, Roman Landolt – wir haben ihn sehr vermisst diese Saison, er ist schlicht der Inbegriff für das Volleyball in Näfels! Spieler wie Jan Schnider oder Philipp Gabathuler, welche hierher kamen als grosse Jungs und hier zu wirklich guten Volleyballspielern heranwuchsen. Ach, wenn ich so zurückschaue, ich weiss gar nicht welche ich da nennen soll. Es waren wirklich ganz viele grosse Persönlichkeiten hier.
Was wollten Sie Ihren Nachfolger mit auf den Weg geben?
JS: Mein einziger Wunsch geht eigentlich an den Vorstand. Sie mögen jemanden verpflichten, welcher mindestens eine ähnliche Linie fährt im Training und auch im Coaching wie ich sie nun hier erfolgreich eingeführt habe. Dank des Vertrauens welches immer grösser wurde, hatte ich auch mehr Möglichkeiten und ich hoffe, dass es meinem Nachfolger gelingt, meine Arbeit fortzuführen. Ich bin mir bewusst, dass er ein anderer Typ sein wird, jeder Mensch ist anders. Beziehungen zwischen Menschen sind immer wieder anders.
Wie geht es nun bei Ihnen weiter?
JS: Wir fliegen nun erstmal nach Paris für einige Tage. Dann geht es weiter nach Buenos Aires. Dort werde ich mich in den Volleyballkreisen herumhören. Irgend etwas festes habe ich aber noch überhaupt nicht in Aussicht. Niemand hat von meinem Rücktritt vorher gewusst. Aber nach meiner Tätigkeit hier in der Schweiz komme ich ja trotzdem nicht ganz ohne Lorbeeren im Gepäck zurück. Ein bisschen hat sich schon herumgesprochen, dass ich da bei SEAT Volley Näfels gute Arbeit geleistet haben muss. Die Welt des Volleyballs ist ja auch nicht allzu gross. Man kennt sich. Und ausserdem habe ich jetzt ja ein bisschen Zeit und werde diese auch nutzen um zu relaxen und Kontakte zu knüpfen.
Was haben Sie Ihren Spielern beim Abschied gesagt?
JS: Da ich zuerst den Vorstand informieren wollte über meinen Entscheid, konnte ich zur versammelten Mannschaft überhaupt nicht sprechen. Einige habe ich ja noch beim All Star Game in Bulle gesehen, Rafa ist bereits in Bahrain, wo er die dortige Meisterschaft bestreitet und meine beiden Landsleute, Tonga und Guille (Obeid) sehe ich bestimmt bald in Buenos Aires wieder. So hat eine eigentliche Verabschiedung leider nicht stattgefunden. Was ich aber überaus schätzte, waren die vielen freundlichen Worte des Dankes welche ich von Seiten des Vorstands sowie auch von Fans erhalten habe. Es gab Fans die sind sogar zu mir nach Hause gekommen um sich persönlich von mir und meiner Familie zu verabschieden.
Können Sie sich vorstellen als Trainer wieder in der Schweiz zu arbeiten?
JS: Ja das ist durchaus möglich. Die ganzen Erfahrungen hier waren dermassen positiv, dass ich es mir sicher wieder vorstellen kann. Nichts dauert ewig und so wird auch die Zeit in Argentinien nicht endlos sein. Wir versuchen nun erstmal dort Fuss zu fassen, aber was dann in einigen Jahren wieder sein wird und wo mich das Glück und das Schicksal dannzumal hintreibt, weiss ich nicht.
Wie hat sich der CH-Volleyball Herren in den letzten fünf Jahren entwickelt?
JS: Also wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich leider feststellen, dass das Herrenvolleyball in der Schweiz niveaumässig stagniert. Solange das Fernsehen diesen Sport derart stiefmütterlich behandelt, wird auch keine Entwicklung in Gang kommen. Ich weiss sehr wohl, dass grosse Anstrengungen unternommen werden die elektronischen Medien zu gewinnen, aber leider zählt Volleyball in diesem Land zu den Randsportarten. In allen wichtigen Ligen der Welt stand am Anfang einer grossen Entwicklung immer das Fernsehen. Das ist ein Fact und deshalb muss es darum gehen, dieses Medium so rasch als möglich zu gewinnen.
Ein Abschiedswort an die Fans von SEAT Volley Näfels:
JS: Ich danke allen Fans für die tolle Unterstützung welche sie mir immer wieder entgegengebracht haben. Ich hatte eine sehr schöne Zeit hier in der Schweiz und bestimmt hat mich mein Engagement bei Näfels geprägt. Natürlich stehe ich auch in Zukunft dafür ein, mit positiven Worten und Referenzen, den einen oder andern guten Spieler des Weltvolleyballs zu motivieren, einmal für Näfels zu spielen. Und wer weiss, was die Zukunft bringen wird? Suerte, sagt man in Argentinien und wünscht dabei nur Gutes!



























































































