Samstag, 18. April 2015; 16:41
NLA

Trainer Polak und Captain Gygli sind zufrieden, aber doch nicht ganz

Von: Köbi Hefti

Biogas Volley Näfels hat die hoch gesteckten Ziele verpasst. Die Finale im Cup und der Meisterschaft fanden ohne Glarner Beteiligung statt. Verletzungs- und Lospech im Cup, dazu zwei missratene Spiele in Folge gegen den TV Schönenwerd sind die Gründe. Nach dem erfreulichen Abschluss ist bei Trainer Dalibor Polak und Captain Marco Gygli aber trotzdem eine bedingte Zufriedenheit und Zuversicht für die kommende Saison auszumachen.

 

Mit Trainer Dalibor Polak und Captain Marco Gygli sprach Köbi Hefti

Die Freude nach dem Sieg im kleinen Final gegen Volley Amriswil war sehr gross. Haben Sie danach noch ausgiebig gefeiert?

MARCO GYLI: Wir haben schon gefeiert, aber nicht übermässig. Wir assen zusammen und gingen dann schon noch zusammen etwas trinken, aber nicht so wie es der HC Davos machte.

Die Freude war aber schon gross?

Gygli: Ja, auf jeden Fall, besonders im ersten Moment. Je mehr Zeit aber verstreicht, umso mehr stellen wir fest, dass wir dieses Jahr eine grosse Chance verpasst haben, Aber im Moment herrscht immer noch Freude. Eine Medaille und die definitive Sicherung des Europacupplatzes sind immer gut.

Die Saison mit einem Sieg abzuschliessen ist eine positive Geschichte. Aber was hätten sie lieber gehabt, dieser dritte Rang oder ein zweiter und damit eine Niederlage im richtigen Final?

DALIBOR POLAK: Im ersten Moment hatte ich sehr grosse Freude an diesem Sieg, aber schon fünf Minuten später wurde mir wieder bewusst, dass wir unsere Ziele nicht erreicht hatten. Es ist aber immer sehr schön die Saison mit einem Sieg abzuschiessen.

Gygli: Die Momentaufnahme ist klar, mit einem Sieg aufzuhören ist besser. Aber es wäre schon viel schöner gewesen im Final zu stehen, selbst wenn wir am Schluss verloren hätten. Blickt man später zurück, dann ist ein zweiter Rang besser als der Dritte. 

Polak: Wenn wir Volleyball als Business betrachtet, dann stelle ich fest, dass ein Team mit einem grösseren Budget hinter uns liegt, das ist sehr erfreulich für uns.

Welcher Stellenwert hat dieser dritte Rang?

Polak: Ein Podestplatz und eine Medaille zu gewinnen waren mir wichtig. Und gegen Amriswil zu gewinnen ist immer schön. Im zweiten Jahr als Trainer haben wir erneut eine Medaille gewonnen, das ist positiv, vor allem in Anbetracht der Verletzungen von Fabian Martinez schon vor der Saison, Dan Alexander ab Dezember und Kyle Friend zu Beginn der Play-offs.

Gygli: Ich vergleiche dieser dritte Rang mit den Jahren bevor wir letztmals Meister wurden. Da waren wir vorher nicht vorne dabei, steigerten uns aber Rang um Rang. Nachdem wir dann Dritte wurden, feierten wir im Jahr darauf den Titelgewinn. Diese Kurve sieht auch jetzt wieder ähnlich aus. Ich glaube, dass wir in die richtige Richtung gehen. Das ist gut für die Motivation und Zuversicht.

Welches war der schönste Moment dieser Saison?

Polak: Für mich waren das die beiden Spiele im Europacup gegen Apeldoorn. Diese beiden Spiele waren super.

Gygli: Ja, der CEV-Cup ist schon etwas Spezielles. Für mich ist aber der Sieg gegen Amriswil im kleinen Final das Schönste. Siege während der Saison können zwar sehr schöne Erlebnisse sein, doch am Ende zählt nur eine Medaille.

Welches war der schlimmste Moment?

Gygli: Das waren die beiden Spiele gegen Schönenwerd in der Play-off Runde. Es passierte uns genau dasselbe wie letztes Jahr, wir verloren zwei Mal in Folge. Dies wollten wir unbedingt vermeiden. Damit war der Zug Richtung Play-off Final abgefahren und kostete uns die Saison.

Polak: Für mich war Ende Januar ein weiterer schlimmer Moment, nachdem wir erfuhren, dass Dan Alexander definitiv nicht mehr spielen konnte. Er war nicht nur spielerisch sehr gut, er ist auch als Mensch mit seinem Charakter ein Vorbild. Er war einer meiner drei Eckpfeiler neben Marco Gygli und Zlatko Pulko. Sein Ausfall war wirklich sehr, sehr schade.

Die Ziele wurden verfehlt. Gab es dafür eine Schelte von der Vereinsleitung?

Gygli: Nein, bisher nicht. Aber er (damit meint er Teammanager und Vater Ruedi Gygli) hat schon gesagt, dass wir die Ziele verpassten. Vielleicht kommt noch etwas. Aber wie Dalibor sagte, die Verletzungen von Dan Alexander ab Dezember und von Kyle Friend zu Beginn der Play-offs haben uns stark geschwächt, da muss man realistisch bleiben.

Polak: Dem stimme ich zu. Weiter hatte ich ein junges Kader, mit Marko Vukasinovic und Samuel Ehrat haben zwei Junge praktisch durchgespielt. Klar wir haben die Ziele nicht erreicht, vielleicht waren die Ziele in Anbetracht der Umstände aber nicht ganz realistisch.

Welche Note geben Sie sich selber.

Gygli und Polak: Eine 4-5.

Die Ausgangslage um den Playoff Final zu erreichen war gut. Aber Näfels hat diese Chance weggeworfen. Gibt es neben der erwähnten Verletzungen nicht auch noch andere Gründe fürs Scheitern?

Gygli: Man hat es in den Play-offs gesehen, jede Mannschaft kann jede andere schlagen, da spielt die Tagesform eine wichtige Rolle. Mit dem Modus von zehn Spielen innerhalb von gut vier Wochen bleibt kaum Raum um zu reagieren, wenn etwas schief läuft. Es lief von Beginn an nicht gut für uns. Im ersten Spiel der Play-offs gegen LUC dominierten wir zu Beginn klar, kehrten dann aber ohne Punkte heim.

Polak: Es ist schade, dass es uns während den Play-offs nie gelungen ist von hinten Druck auf Lausanne zu machen. Wir hatten Chancen um zurückzukommen, haben diese aber nicht genutzt.

Druck ist ein gutes Stichwort. Ist Näfels nicht am eigenen Druck gescheitert? Zwang statt Freude prägten das Spiel.

Gygli: Das haben wir Training auch besprochen. Es ist schwierig zu erklären, aber wenn etwas nicht läuft wie man es gern hätte, beginnt man sich zu hinterfragen, beisst sich rein und reagiert übermotiviert. Man versucht zu viel und dann klappt gar nichts mehr. Dies führt zu einer Blockade. Vorbei ist es mit dem freien Spiel. Es ist wie im Fussball, wenn man mit der Brechstange spielt. Genau dies passierte uns gegen Schönenwerd. Es fehlten uns die mentalen Fähigkeiten, die Erfahrung und Abgeklärtheit. Wir hatten in diesen Momenten auch keinen Leader, der positiv auf das Team eingewirkt hätte, so wie dies Dan Alexander zu Beginn der Saison tat.

Polak: Die vielen Verletzungen hatten nicht nur auf die Ernstkämpfe einen negativen Einfluss, da ich nur wenige Optionen zum Wechseln hatte. Auch das Training war betroffen, dort fehlten diese Leute, was das Arbeiten erschwerte. Als die Verletzten dann zurückkamen, fehlte ihnen die Spielpraxis. Bestes Beispiel dafür ist Fabian Martinez. Er war schon vor Saisonbeginn verletzt. Nach seiner Rückkehr spielte er einmal super, im Spiel darauf gelang ihm fast nichts. Ihm fehlte ganz offensichtlich das Grundlagentraining, welches vor der Saison gelegt wird.

In den Vorbereitungsspielen standen mit Remo Spahr und Falvio Riedi zwei junge Nachwuchsleute öfters im Einsatz. Weshalb war dies während der Saison nur noch sehr selten der Fall?

Polak: Flavio Riedi war lange Zeit verletzt und Remo Spahr bringt noch nicht die Qualität mit, welche für die NLA nötig ist. Der Unterschied zwischen der Nationalliga und der ersten Liga ist sehr gross, der Wechsel für diese Spieler nicht einfach. Die Jungen müssen sich Schritt um Schritt vorwärtsbringen, müssen in der zweiten Mannschaft zu den Stammspielern zählen und Erfahrungen zum Beispiel in den Aufstiegs-Play-offs sammeln. Uns fehlt ein Team in der NLB. Wir müssten versuchen, uns für diese Liga zu qualifizieren. Was mich aber sehr freute war die Entwicklung von Pascal Wunderle. Er trainierte in den letzten Wochen voll mit der ersten Mannschaft und hat sich stark verbessert, hat sein Können verdoppelt.

Gygli: Ja, mindestens verdoppelt. Er hat sich ausgezeichnet ins Team integriert, war im Training immer dabei und hat seinen Job auf Annahme/Aussen ausgezeichnet gemacht. Er zeigte im Training immer wieder, wozu er fähig ist. Dabei strahlte er grosse Freude aus.

Was war Näfels‘ Schwäche in diesem Jahr?

Polak: Das war der Sprungservice. Wir haben Spieler, die springen 3.60 Meter hoch, können diesen Vorteil aber nicht nutzen. Auch die Annahme war phasenweise nicht gut. Dies alles hängt aber auch mit dem Selbstvertrauen zusammen.

Gygli: Das sehe ich gleich wie der Trainer. Der Service war zeitweise schon gut, aber es fehlt die Konstanz. Wir haben niemanden, der fünf oder sechs wirklich gute, solide Services hintereinander übers Netz bringt. Aber auch bei den Floats haben wir zeitweise gar nichts gemacht. Als in einigen Spielen weder Jump noch Float klappten, wurden wir nur noch abgeschossen. Der Service war in dieser Saison sehr entscheidend.

War nicht auch der zweite Passeur eine Schwäche? Es schien, als ob er nicht richtig zur Mannschaft gehörte und Sie als Passeur nicht ablösen konnte, wenn Sie einmal eine kurze Pause benötigt hätten?

Gygli: Doch, er war schon Teil der Mannschaft, er hat aber den Tritt zu spät gefunden, brauchte zu lange um sich hier wohl zu fühlen. Aber gegen Ende Saison legte er recht zu, spielte in den Playoffs einige gute Partien. Die fehlende Spielpraxis war aber, da er zu Beginn der Saison in den Trainings nicht wirklich richtig mitspielte, deutlich wahrnehmbar.

Worauf muss in Zukunft besonders geachtet werden, um auch wieder einmal einen Play-off Final zu erreichen?

Polak: Ich möchte gerne achtzig Prozent dieser Mannschaft behalten und nur wenige Positionen wechseln. Nächstes Jahr müssen wir mit zwei Schweizern spielen. Für mich wäre es das Beste, wenn wir die Mitte mit Schweizern besetzen könnten, so habe ich nie Probleme beim Wechseln. Dazu braucht es einen erfahrenen Aussenangreifer und einen zweiten Passeur.

Sind sie nächstes Jahr das dritte Jahr Trainer bei Näfels?

Polak: Noch habe ich nicht mit dem Teammanager gesprochen, hoffe es aber schon. Ich habe dieses Jahr erneut viel gelernt, würde nächste Saison gerne mehr erreichen und einen Titel gewinnen.

Zum Abschluss noch eine Frage an Sie, Herr Gygli. Sie sind der Sohn des Teammanagers. Verborgene Stimmen im Hintergrund sagen, dass Sie nur deshalb bei Näfels zum Einsatz kommen. Wie erleben Sie diese Situation?

Gygli: Mm - gute Frage. Heute höre ich dies nicht mehr, zumindest sagt man mir dies im Gegensatz zu früher nicht ins Gesicht. Ich habe ja auch den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft, darauf hatte mein Vater keinen Einfluss.

Und wenn Ihr Vater mal richtig sauer ist? Weichen Sie einander aus?

Gygli: Ja, das können wir schon. Aber dieses Jahr war er im Vergleich zu den Jahren davor eher ruhig, erstaunlicherweise. Er sprach sehr wenig mit uns, vielleicht gar zu wenig. Mehr Druck von Vorstandseite hätte uns vielleicht genützt. Auch ich persönlich hörte wenig, auch nach schlechten Spielen ist wenige Minuten nach dem Spiel die Sache vergessen.

Haben Sie noch einen Wunsch?

Gygli: Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Fans für ihre Unterstützung und bei Walter Steiner für die beiden neuen Tribünen.

Polak: Ja, wir haben wirklich die schönste Halle in der Schweiz mit den Zuschauern auf beiden Seiten des Spielfeldes, nur die Höhe ist nicht gut. In einer hohen Halle spielst Du einfach besser.