Sonntag, 15. November 2015; 09:40
NLA

Topscorer Fabian Martinez – der Glückliche

Von: Köbi Hefti

Fabian Martinez, der Topscorer von Biogas Volley Näfels, gewährte der Südostschweiz vor dem heutigen Spiel in Einsiedeln einen Einblick in seinen Werdegang und sein Leben.

 

Fabian Jose Martinez Roa ist der Topscorer von Biogas Volley Näfels. Es sei Tradition, dass man die zweiten Namen der Eltern im Namen trage, erklärt er seinen doppelten Doppelname. Doch hier wie daheim nennen ihn alle Fabian. Nur seine Mutter habe ihn immer Jose genannt, manchmal gar Jose Fabian, aber nur dann, wenn sie böse gewesen sei mit ihm. Der zwei Meter grosse Mann ist 22-jährig und der jüngste Spieler der ersten Mannschaft von Näfels. Er kommt aus Venezuela und wuchs in einem kleinen Dorf im Westen des Landes, rund zwei Stunden entfernt von der Grenze zu Kolumbien auf rund 1200 m.ü.M. auf. Sein Heimatdorf Pregonero ist geprägt von zahlreichen Farmen und viel Grün.

Einfach nur glücklich
Seine Volleyball-Laufbahn begann Fabian Martinez spät. Er war schon 15, als er in der in der High-School zum Volleyball fand. Daneben waren aber auch Baseball und Fussball Teamsportarten, die ihm sehr gefielen. Schnell stand er in der Volleyball-Auswahl seiner Schule, welches gegen andere Schulen der Region antrat. Das Talent von Martinez viel auf. Über die Auswahl der Provinz gelangte er ins venezolanische Nationalteam der Junioren. „Die Zeit in der Nationalmannschaft war grossartig. Ich lernte sehr viel“, beschreibt er diese Zeit. Grossartig war auch seine Entwicklung, war er doch in der U21-Meisterschaft Südamerikas der beste Aussenangreifer des Turniers. Danach führte ihn sein Weg über einen Agenten nach Näfels. Noch heute schwärmt er von diesem Moment: „Ich war einfach nur glücklich – das war mein erster Vertrag.“

Volleyball in der Schweiz sei zwar nicht vergleichbar mit den Top-Nationen wie Russland, Polen oder Brasilen meint Fabian Martinez und ergänzt: „Das Niveau hier ist gut und bietet mir die Möglichkeit mich in allen Belangen Tag für Tag zu verbessern.“ Seine Stärken sieht er im Angriff und dem Service, während er sich in der Annahme noch verbessern müsse.

Noch ein paar Jahre in Näfels
In Näfels gefällt es ihm sehr gut. Er fühlt sich wohl. Er erklärt: „Es ist ein Dorf im Grünen, wo es auch Landwirtschaft und Kühe gibt. Das erinnert mich an meine Heimat.“ Auch die menschliche Seite lobt er: „Der Club behandelt mich nicht nur als Spieler, ich bin Teil eines familiären Teams und werde hier als Freund behandelt. Für mich ist es eine zweite Familie, die mich jederzeit unterstützt und Ratschläge gibt, nicht nur in Sachen Volleyball. Ich bekomme Tipps, was ich sonst noch tun und entdecken könnte. Wenn ich einmal traurig bin, stellen sie mich auf,. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Und dann ergänzt er: „Ich würde gerne noch ein paar Jahre hier spielen, bevor ich irgendwann den nächsten Schritt machen möchte.“ So verwundert es nicht, dass Fabian Martinez während der Sommermonate daheim in Venezuela Näfels mit seinen Leuten vermisste. Er erklärt auch, dass es ihn traurig stimmte, dass sein guter Teamkollege Dan Alexander wegen seiner Verletzung nicht mehr zum Team gehöre.

Nicht nur Näfels, die Schweiz als Ganzes beeindruckt Fabian Martinez. Hier klappe alles, laufe geordnet und zuverlässig, begründet er. Gerne würde er sehen, wenn ein paar dieser Regeln auch in Venezuela Gültigkeit hätten und das Leben dort in geordnete Bahnen führen würde. Daneben lobt er das Wirtschaftssystem der Schweiz: „Venezuela hat Bodenschätze, Erdöl, alles – und trotzdem funktioniert es nicht gut. Deshalb würde ich gerne ein paar gute Leute von hier in Venezuela sehen, welche die Wirtschaft, die in einer tiefen Krise steckt, auf Vordermann bringen würden.“

Sein Lieblingsort in der Schweiz ist Luzern mit dem See, dem Fluss, der Brücke. Besonders angetan ist er vom Löwendenkmal. Er sagte: „Dieses Monument ist wunderbar – und ich frage mich, wie dieses gemacht wurde.“

Auch wenn Fabian Martinez hier sehr glücklich ist, Heimweh zu seiner Familie kommt manchmal schon auf. Er vermisst seine Eltern, seine zwei Schwestern und drei Brüder und vor allem seine Freundin Daimar sehr, obwohl er regelmässig Kontakt mit allen hat.

Arepas und Pabellon
Im Gespräch mit Fabian Martinez wurde deutlich, Venezuela ist sein geliebtes Heimatland. Er beschreibt es als sehr abwechslungsreich, mit hohen Bergen und Schnee, Regenwald, wunderbaren Stränden, viel Natur mit herrlichen Naturpärken. Auch die Kultur und die offenen Leuten gefallen ihm. “Venezuela ist sehr schön und ein Besuch wert. Aber davon rate ich derzeit ab, da es für Ausländer in den Ballungszentren zu gefährlich ist. Nur in den ländlichen Gebieten und auf den sehr schönen Inseln Venezuelas ist es sicher“, erklärt er. Auch bei den Speisen kommt bei ihm eine gewisse Wehmut auf, obwohl ihm das Essen hier sehr gut schmeckt. Er vermisst aber die traditionelle Küche seiner Heimat, wie Arepas (Fladenbrot) und Pabellon, das Nationalgericht Venezuelas mit einer Art Voressen, Reis, gebratenen Bananen und Bohnen. Zudem schmeckt ihm das Fleisch Südamerikas besser. Seine Lieblingsgetränke sind frische Fruchtsäfte und Rum. Mittlerweile hat er aber auch einige hiesige Spezialtäten sehr gern, wie Spätzli mit Sauce und Raclette. Der junge Mann ist aber offen und will hier noch möglichst viel sehen, probieren und erfahren.

In seiner Freizeit hängt er gerne daheim rum, schaut Fernsehen. Wie hier in der Schweiz reist er auch daheim gerne und besucht dort schöne Plätze wie Roque, den venezolanischen Archipel im karibischen Meer oder den Nationalpark Canaima im Osten Venezuelas. Er hört gerne Salsa und Reggeaton. Er liebt auch das Tanzen zu südamerikanischer Musik sehr. Der so friedlich und fröhlich wirkende Fabian Martinez kann aber auch einmal anders sein. Er sagt: „Es macht mich verrückt, wenn es mir nicht läuft, alles misslingt. Aber auch Sachen, die gegen meine Familie gerichtet sind, bringen mich in Rage.“ Im Gegensatz dazu stimmen ihn freundliche Leute, gute Beziehungen und Freundschaften wie auch die schöne Natur richtig glücklich.

Nicht wie Lugano
Im Moment hat er den Fokus aber nur auf seinen Sport gerichtet. Der Meistertitel ist sein Ziel, dazu auch der Sieg im Cupfinal. Bereits heute Nachmittag kann er in Einsiedeln zusammen mit seinem Team zeigen, dass sie dafür bereit sind und dass Volley Näfels nicht das widerfährt, was vor zwei Wochen dem Ligakrösus Lugano passierte, das im Klosterdorf unterging.