Thomy Büsser – Abschied nach 19 Jahren NLA-Volleyball
Thomy Büsser, der Captain von Biogas Volley Näfels beendet seine Karriere als Spitzenvolleyballer nach 19 Jahren in der NLA. Er blickt zurück und verrät seine Zukunftspläne. Volleyball bleibt ein Thema für ihn, aber er hat auch noch ganz andere Pläne.
Mit Thomy Büsser sprach Köbi Hefti
Südostschweiz: Herr Büsser, Sie hängen die Volleyballschuhe definitiv an den Nagel?
Thomy Büsser: Ja, zumindest für eine Saison. Zwischendurch aber mal irgendwo zwei, drei Spiele zu bestreiten, könnte ich mir aber vorstellen – jedoch sicher keine ganze Saison.
Südostschweiz: Sie sagen zwei drei Spiele. Mit Biogas Volley Näfels oder Aufsteiger Jona?
Thomy Büsser: Es muss nicht die NLA sein, das darf auch in einer tieferen Liga sein. Es ist nicht so, dass mir Volleyball „verleidet“ ist. Aber nach 19 Jahren in der NLA ist es auch einmal schön, wieder ein freies Wochenende zu haben.
Südostschweiz: Im Sommer spielen Sie jetzt schon noch etwas zum Plausch im Sand?
Thomy Büsser: Am letzten Wochenende haben wir ein A3-Turnier in Jona organisiert. Aber ich kam nicht dazu auch nur einen Ball zu spielen. Ich habe aber vor zusammen mit Marco Bär ab und zu ein Turnier zu spielen, wenn dieses günstig liegt.
Südostschweiz: Wenn Sie jetzt ein Angebot von Jona für nächste Saison erhalten würden, wie wäre Ihre Reaktion?
Thomy Büsser: Durch die Blume haben sie mich bereits gefragt (lacht). Nein, ich habe andere Pläne.
Südostschweiz: Weshalb hören sie jetzt auf?
Thomy Büsser: Einerseits spüre ich das Alter schon, ich habe nicht mehr dieselbe Spritzigkeit. Spass machte es aber bis zuletzt. Der Hauptgrund ist aber ein anderes Projekt, das wir geplant haben.
Südostschweiz: Verraten Sie uns mehr über dieses Projekt?
Thomy Büsser: Wir wollen als Familie mit einem Segelboot länger verreisen. Aber noch bin ich nicht der Segler, muss mich noch richtig vorbereiten und weiterbilden. Wenn alles optimal klappt, so soll es im Sommer 2015 losgehen.
Südostschweiz: Und wohin soll die Reise führen?
Thomy Büsser: Das Ziel wäre rund um die Welt. Da wir aber noch unerfahren sind, ist es schwierig jetzt Genaueres zu sagen. Vielleicht fahren wir einfach los und kommen nach einem halben Jahr zum Schluss, dass es nicht geht. Wenn wir rundherum wollen, dann müssen wir mit mindestens drei Jahren rechnen.
Südostschweiz: Die Dauer und Route Ihrer Reise sind also noch offen?
Thomy Büsser: Ja, das ist so. Es gibt eine sogenannte Barfuss-Route, welche nicht so heikel ist wie Routen im hohen Norden oder tiefen Süden. Aber Leute, die schon solche Reisen gemacht haben sagen alle, dass man nicht zu genau planen soll, da unterwegs sich doch alles ändere.
Südostschweiz: Sie werden dem Volleyball deshalb den Rücken zuwenden?
Thomy Büsser: Der Fokus liegt klar auf der Reise. Aber ich wurde schon angefragt und ich kann mir auch vorstellen, als Trainer, Manager oder sonst in irgendeiner Funktion im Volleyball tätig zu bleiben.
Südostschweiz: Welches war Ihr bestes Erlebnis im Volleyball?
Thomy Büsser: Für mich war das der Schweizermeistertitel 2011 mit Näfels, als wir den Final im fünften Spiel mit 3:2 und 19:17 im Tie-Break gewannen, nachdem wir vorher schon unzählige Spiele ebenfalls sehr knapp mit 3:2 gewannen.
Südostschweiz: Das war auch sportlich der grösste Erfolg?
Thomy Büsser: Ja, ich denke schon. Zwar wurde ich schon mit Amriswil Meister, das wurde aber damals erwartet, war Pflicht. Der Titel von Näfels war überraschend. Dass nach dieser Saison Näfels gar schwarze Zahlen schreiben konnte, erachte ich ebenfalls als aussergewöhnlich, gibt doch im Normalfall ein Verein mehr Geld aus, wenn er Meister werden will.
Südostschweiz: Wie haben Sie sich immer wieder motiviert um den grossen Aufwand zu betreiben für einen Sport, der in der Schweiz kaum Ansehen geniesst?
Thomy Büsser: Es machte vor allem Spass. In diesem Sport sind 99% der Leute sehr angenehm und umgänglich. Es war aber auch sehr schön mit der Mannschaft ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und zusammen zu sein, nicht nur während, sondern auch vor und nach den Spielen und dem Training. Dies werde ich bestimmt vermissen.
Südostschweiz: Was brachte Ihnen Volleyball sonst noch?
Thomy Büsser: Meine Frau (beide lachen). Sie spielte auch Volleyball und so haben wir uns nach einem Beachturnier kennenglernt. Daneben knüpfte ich aber auch zahlreiche Freund- und Bekanntschaften. Vor allem im Beachvolley im Ausland hatte man sofort gute Kontakte zu den anderen Volleyballern und auch zu den Einheimischen, dies schätzte ich ungemein. Ich erinnere mich auch an Beispiel mit Näfels, als wir in Norwegen im Europacup spielten. Nach dem Spiel gingen wir zu einem Spieler heim und dann zusammen in den Ausgang. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Real-Spieler alle Bayern zu sich heim einlädt.
Südostschweiz: Sie waren lange Volleyballprofi – ist das finanziell verkraftbar?
Thomy Büsser: Früher jobbte ich noch und lebte lange daheim. Wenn man Volleyball spielt, so hat man gar keine Zeit um Geld zu brauchen. In den letzten Jahren war dann unser Familienmodell (Red: Frau Andrea arbeitet als Lehrerin, während Thomy Büsser Hausmann ist und den beiden Kindern schaut und daneben als Volley-Profi arbeitete) sicher hilfreich.
Südostschweiz: Wie hat Ihr Körper all die Strapazen ertragen.
Thomy Büsser: Als junger Spieler war ich oft verletzt, lernte dadurch jedoch meinen Körper besser kennen. Damals ging ich oft ans und übers Limit. Dazu war ich mit dem 100% Arbeitspensum und dem intensiven NLA-Training oft müde. Wenn man aber müde ist, verletzt man sich viel schneller. Danach dosierte ich besser und so hielt ich die letzten Jahre sehr gut durch.
Südostschweiz: Wenn Sie zurückschauen, würden Sie etwas anders machen?
Thomy Büsser: Nachdem ich mit Jona in der NLA begann, erhielt ich je ein Angebot von Näfels und Amriswil. Ich entschied mich für die Thurgauer. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, ich hätte zu Näfels gewechselt, wenn ich sehe, wie erfolgreich dieser Verein war.
Südostschweiz: Sieht man Sie auch nächste Saison im SGU als Zaungast von Biogas Volley Näfels?
Thomy Büsser: Ich werde bestimmt zu Spielen ins SGU kommen, denn ich habe nicht aufgehört, weil etwas nicht stimmte. Ich danke Näfels ganz herzlich für die gute Zeit.
Thomy Büsser (1975) persönlich:
Verheiratet mit Andrea, 2 Kinder (Knabe 7 und Mädchen 5 Jahre alt)
Wohnort: Eschenbach
Palmares:
2 x Meister (je einmal mit Amriswil und Näfels)
3 x Cupsieger (2 x mit Amriswil, einmal mit Näfels)
8 x Playofffinals
Vereine:
1995 - 1996 TSV Jona
1996 – 2001 Volley Amriswil (1 x Cupsieger)
2001 – 2004 Appenzeller Bären
2004 – 2005 VBC Sursee
2005 – 2009 Volley Amriswil (1 x Cupsieger, 1 x Meister)
2009 – 2014 Biogas Volley Näfels (1 x Cupsieger, 1 x Meister)
Grösste Stärken:
Gelassenheit, und Ruhe, war (fast) nie nervös
Früher, als er noch leichter war: Sprunghöhe
Auffällig:
Thomy Büsser hat nur sehr wenige Trainer erlebt (Jalal Baghdady, Johan Verstappen, Dalibor Polak)
Eindrücklichste Mitspieler:
Viele, die in einzelnen Belangen hervorragend waren. Als eindrücklichsten Spieler bezeichnet Thomy Büsser Dalibor Polak, besonders wenn dieser einen guten Tag hatte.



























































































