Samstag, 7. Februar 2015; 09:13
NLA

Stefan Ilic, das Temperamentbündel - aber nicht nur

Von: Köbi Hefti

Mittelblocker Stefan Ilic spielt seine dritte Saison mit Näfels. Der Serbe fällt mit seiner quirligen und lauten Art auf, hat aber auch seine ganz stillen Seiten.

 

Die Südostschweiz hatte sich auf halb Neun mit Stefan Ilic, dem serbischen Mittelblocker in den Diensten von Biogas Volley Näfels verabredet. Pünktlich taucht er frisch geduscht und mit nassen Haaren auf, schaut auf seine Uhr und scherzt: „Haha, meine Uhr zeigt eine Minute vor halb – ich weiss, in der Schweiz laufen die Uhren sehr genau, da muss man pünktlich sein.“ Er überraschte aber gleich auch mit seinen Kenntnissen über die Schweizer Geschichte. Die Gründung der Eidgenossenschaft 1291 und die Schlacht bei Näfels 1352 und deren Verlauf kennt er. „Geographie und Geschichte interessieren mich“, verrät er. Auf den Fahrten zu den Spielen habe er das Land kennengelernt. Beeindruckt hat ihn Luzern mit dem See und der Kapellbrücke. Aber auch Genf mit seinem klassizistischen Flair gefällt ihm sehr, wie auch die klassische Musik. Selber besuchte er die Musikschule und spielte Piano, bis sich diese Muse nicht mehr mit seinem Sport und der Schule vereinbaren liessen. Aber Musik ist nach Volleyball für Ilic immer noch die zweitgrösste Leidenschaft. Dabei ist er sehr offen, bezeichnet Freddie Mercury und seine Queen als Lieblingsband, zeigt sich aber beeindruckt von Alphornbläsern und Jodlern und ergänzt. „Volksmusik ist Tradition, kennzeichnet ein Land, das gefällt mir.“

Zwischenjahr genutzt
Stefan Ilic, stiess 2011 zu Näfels. Er ist 2.03 Meter lang und wiegt über hundert Kilo. Nach einem einjährigen Unterbruch kehrte er in dieser Saison zu Näfels zurück, nachdem er letztes Jahr in seiner Heimat spielte. Der Erfolg aber blieb aus. „Es war der Wurm drin, die Harmonie im Verein fehlte, am Ende steigen wir ab, obwohl wir eigentlich in der vorderen Hälfte hätten landen müssen“, erzählt er. Besser erging es seinem Bruder Ugliesa Ilic, der in der Saison 12/13 zusammen mit ihm ebenfalls bei Näfels spielte. Dieser stand in Serbien im Halbfinale und spielt jetzt in Rumänien. Die beiden Brüder pflegen einen intensiven Austausch, verfolgen das Geschehen gegenseitig und stehen mehrmals wöchentlich in Kontakt. Das Jahr in Serbien nutzte Stefan Ilic um sein Studium in Sport Coaching abzuschliessen. Darüber ist er sehr glücklich, will sich aber mit zusätzlichen Studien weiter spezialisieren. Er will aber auch Deutsch lernen. „Ich schäme mich fast etwas, dass ich nicht besser Deutsch kann“, erklärt er seine Absicht.

Jubiläum in einem tollen Team
Sein Wunsch war es, wieder in der Schweiz zu spielen. Deshalb bewarb er sich erneut bei Näfels. Er ist sehr glücklich, dass er von Teammanager Ruedi Gygli einen Vertrag erhielt. „Weshalb sollte ich anderswo hingehen, wenn ich die Chance bei Näfels erhalte. Mir gefällt es hier, ich kenne die Leute, den Coach und das System. Mir passt auch, wie die Leute hier leben und die Disziplin. Als ich nach einem Jahr Unterbruch hierhin zurückkehrte, fühlte sich dies für mich an wie ein Heimkommen.“

Dieses Jahr feiert Ilic für sich ein kleines Jubiläum - seit zwanzig Jahren spielt der heute 28-Jährige Volleyball. Es ist glücklich, dass er dies bei Näfels zelebrieren kann und begründet: „Wir sind ein tolles Team, haben eine tolle Atmosphäre. In jedem Spiel kann ein anderer Spieler herausragen. Das macht richtig Spass.“

Explosionsgefahr
Auf die Frage, welches der grösste Unterschied zwischen Serbien und der Schweiz sei, kommt Stefan Ilic richtig in Fahrt: „Das Temperament ist völlig verschieden. Hier sind die Menschen ruhig, sehr diszipliniert, bewahren die Ruhe und flippen nicht aus. Sie sind aber auch sehr offen gegenüber Personen, die neu hier sind. Die Serben dagegen sind sehr lebendig, laut. Auch ich explodiere während der Spiele manchmal, versuche dann aber sofort diese Energie ins Positive zu drehen.“

Die Ordnung und perfekte Organisation wie auch der Lebensstil erwähnt er ebenfalls positiv und erzählt dann von Serbien: „In Serbien ist das wie bei einem Erdbeben, man weiss nicht was am nächsten Tag ist. Dies ist zwar spannend und in den jungen Jahren gefiel mir dies sehr. Aber auf die Dauer bevorzuge ich den steten Rhythmus der Schweizer.“

„Wer viele gute Kontakte mit Leuten hat ist reich“, hat ihn sein Vater gelehrt. Diese Philosophie verfolgt nun auch Ilic. Er liebt es Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen. Eine spezielle Geschichte betrifft den Einsiedler Milovancevic. Zusammen durchliefen sie jahrelang die Volleyball-Schule, doch nie spielten sie gegeneinander, bis sie dies heuer in Schweiz endlich schafften.

Die grosse Liebe
Ilic steht auch klar zu seinem orthodoxen Glauben, den ihm seine Eltern mit auf seinen Lebensweg gegeben haben. Das Gebet vor dem Spiel wie auch seine typische Haltung mit den Händen und dem Blick zum Himmel gehören zu ihm. „Das ist mein Ritual“, sagt er. Er besucht zwischendurch auch die Liturgien in Zürich. Doch auch typisch Stefan Ilic ist sein Kampfgeist und sein Feuer. Keinen Ball gibt er verloren und seine Rufe sind in der Halle unüberhörbar

Ilic hofft, dass er noch lange auf hohem Niveau spielen kann. Danach möchte er Coach werden. „Für mich ist Volleyball mein Leben, meine Liebe“, bekennt er sich ohne Wenn und Aber zu seinem Sport.

Stefan Ilic ist ein ausserordentlich kommunikativer Mensch