Start in die Volleyball-Saison mit zahlreichen rundum erneuerten Teams
Am Wochenende beginnen die Schweizer Meisterschaften im Volleyball. Viele A-Teams sind wegen Spielerwechseln nicht mehr wiederzuerkennen. Doch die Favoriten heissen wiederum Voléro Zürich (Frauen) sowie Chênois und Näfels (Männer). Die Voléro-Frauen sind zudem ab Ende November in der Champions League engagiert.
27 Siege und keine Niederlage. So eindeutig war die Bilanz der Volleyballerinnen von Voléro Zürich in der vergangenen Nationalliga-A-Saison. Trotz dieser Erfolgsserie startet das Meisterteam am Wochenende mit acht neuen Spielerinnen im Zwölfer-Kader in die neue Saison. Auch Trainer Jerry Estes wurde ausgewechselt. «Sein Vertrag ist nach drei Jahren ausgelaufen», sagt Stav Jacobi, Cheftrainer und Manager des Teams. «Und drei Jahre reichen.» Estes hat den Ansprüchen nicht mehr genügt. Ab Ende November nimmt Voléro an der Champions League teil. Da sind laut Jacobi neue Impulse und Perspektiven nötig. Die liefert nun Miroslav Aksentijevic.
Die vielen Wechsel seien eine Herausforderung, sagt Jacobi, und unvermeidbar, wenn viele Ausländerinnen im Kader stehen. «Mit unseren finanziellen Möglichkeiten können wir die ausländischen Spielerinnen nicht binden. Wie kann ich Benishe Roberts halten, wenn sie in Murcia in drei Monaten mehr verdienen kann als hier in einem Jahr?» Trotz anständigen Budgets könne Voléro nur Spielerinnen «in speziellen Umständen» verpflichten. Solche, die keinen anderen Klub gefunden haben, die aus einer Babypause zurückkehren oder die verletzungsbedingt zuletzt nicht gespielt haben.
Chênois ohne die Meistermacher
Michel Georgiou, Teammanager beim Männer- Meisters Chênois, beklagt dasselbe Problem. Die türkischen Spieler Ulas Kiyak und Erkan Togan sowie der Mexikaner Gustavo Meyer konnten nicht gehalten werden, sie zogen lukrativere Angebote vor. Gleichzeitig musste in Genf redimensioniert werden. Das Budget der ersten Mannschaft ist gemäss Georgiou 100 000 Franken tiefer als letzte Saison, es beträgt neu 250 000 Franken. Über mehrere Jahre hätten immer etwa 30 000 Franken gefehlt, so der Teammanager, nun müsse Chênois zwei, drei Jahre mit weniger Geld auskommen. Der Traum vom Europacup-Final werde aber nicht aufgegeben.
Voléro und Chênois sind nicht die einzigen A-Klubs, deren Teams kaum wiederzuerkennen sind. Auch im TV Amriswil wurde die Equipe im Sommer umgebaut, obwohl die letzte Saison mit dem Einzug in den Cup-Final und dem Play-off- Endspiel die erfolgreichste der Vereinsgeschichte gewesen war. Den Klub verliessen Dritan Cuko, Marco Bär, Michael Wälchli und Aljoscha Grabowski, die alle zur Stammsechs gehört hatten.
Nach einer Kürzung des Budgets der ersten Mannschaft hat auch Amriswils Trainer Jalal Baghdady demissioniert. Vorstandsmitglied Thomas Hansmann lässt durchblicken, der Verein habe eben lieber beim Ausbildner als bei den Spielern gespart: «Wir haben die Mittel anders eingesetzt.» Das Geld wurde in drei Profis aus dem Osten investiert. Mit dem Ziel, dass in Amriswil neu an zwei Tagen auch morgens trainiert wird. Der vormittägliche Trainingsbetrieb sei aber noch nicht aufgenommen worden, gesteht Hansmann - wegen infrastruktureller Probleme.
Auch andere Klubverantwortliche habe ihre Gründe für einschneidende Kadermutationen: Köniz nahm im Sommer drei Polinnen, eine Ukrainerin und eine Tschechin unter Vertrag, Schaffhausen tritt mit sechs neuen Ausländerinnen an, Bellinzona «rettete» nur zwei Spielerinnen aus der vergangenen Saison in die neue Spielzeit. Zurückhaltung auf dem Markt sieht anders aus, enges Kalkulieren auch: Ende August hat Volleyball Franches-Montagnes, im Frühjahr Finalgegner Voléros in der Meisterschaft, Schulden von 250 000 Franken ausgewiesen - eine Woche vorher waren sechs neue Volleyballerinnen aus Brasilien im Jura eingetroffen. Die sprichwörtliche Flucht nach vorne also.
Schweizer hören früher auf
Trotz Wechselfieber kommen nur wenige Equipen für den Titelgewinn in Frage. Während bei den Frauen Voléro nach wie vor als unantastbar gilt, könnte bei den Männern Näfels durchaus Chênois an der Spitze wieder abzulösen. Eine erste Visitenkarte gaben die Näfelser am vergangenen Wochenende mit dem Gewinn des Super- Cups in Lausanne ab. Auch in Näfels hat ein Umbruch stattgefunden. So viele Spieler habe er schon lange nicht mehr ersetzen müssen, sagt Teammanager Ruedi Gygli, schwärmt aber schon von den neuen Leistungsträgern Andy Sutter («der wohl beste Schweizer Spieler zurzeit») und Samuel Büschi. Warum in fast allen Teams so viele Wechsel erfolgen, ist für Gygli klar: «Die Schweizer Spieler hören im besten Alter auf.» In Lausanne etwa sind die Nationalspieler Gaedan Hunziker und Nicolas Pasquini künftig nicht mehr dabei. Sie sind erst 27 bzw. 29 Jahre alt. Auch Angebote aus Näfels konnten sie nicht zum Weitermachen bewegen.


























































































