Donnerstag, 20. Oktober 2022; 20:28
NLA

«Solange ich spiele, möchte ich auch gewinnen»

Von: Köbi Hefti

Vor acht Jahren verabschiedete sich Nico Beeler von Näfels und dem Hallenvolleyball um Beach-Profi zu werden. 2020 kehrte er zurück in die Halle. Seit dieser Saison ist er wieder Näfelser.


Mit Nico Beeler kehrte auf diese Saison ein Spieler zu Näfels zurück, der im Glarnerland bereits als Teenager grosse Erfolge feierte. Der heute 29-Jährige ist nach seinem Rückzug aus der Profi-Szene im Beachvolleyball noch immer eng mit Volleyball verbunden. «Wohl ein ganzes Leben lang, weil mir dieses Spiel so gefällt. Ich finde es eine der attraktivsten Sportarten», gesteht er. Doch Volleyball ist für den Joner heute nicht mehr das Ein und Alles. Anderes rückte in den Vordergrund, wie das Arbeiten an der Schule oder das Unterrichten von Volleyball an der ETH. Er erläutert: «Während der Zeit als Beach-Profi und junger Hallenvolleyballer brachte ich für meine Karriere viele Opfer auf. Diese brauchte es, um mich zu verbessern und es an die Spitze zu schaffen. Dazu bin ich jetzt nicht mehr bereit.»

Wenn weniger mehr ist
Nico Beeler ist heute Sekundarlehrer. Er unterrichtet Fächer wie Mathematik, Sport, Naturwissenschaften, Geografie und Geschichte. Seit diesem Sommer arbeitet er als Springer in der Sportschule Rapperswil-Jona. Neben des Lehrerjobs entwickelt er noch ein Projekt, bei welchem es darum geht, Spitzensport und Schule zu verbinden. Das neue Leben gefällt Beeler sehr gut. Er erklärt: «Ich arbeite äusserst gerne mit Kindern zusammen. Das Wirken als Berufstätiger und Spitzensportler gefällt mir bisher ausgezeichnet. Ein Leben ohne Bezug zum Sport/Volleyball kann ich mir aber nicht vorstellen. Doch es muss nicht zwingend Spitzensport sein und schon gar nicht, dass ich Spitzensport betreibe.»

Damit Beruf und NLA-Volleyball gut vereinbar seien, brauche es Flexibilität, sowohl die eigene wie auch jene der Arbeitgeber, erklärt Beeler. Dass Abstriche bei einer Doppelbelastung durch Beruf und Sport nötig sind, trifft auch auf Beeler zu. Im Training ist es beispielsweise üblich, dass er die eine und andere Einheit auslassen kann. Er ist sehr froh, dass sein Trainer Matjaž Hafner ihn dabei unterstützt. Beeler ist überzeugt, dass bei ihm das Sprichwort «weniger ist mehr» zutrifft, da er nach körperlicher und mentaler Erholung umso besser performe, im Training wie in den Spielen.

Das Buhlen der Herzensvereine
Obwohl der Annahme/Aussenspezialist sportlich kürzer tritt, ist er noch immer einer der besten und komplettesten Schweizer auf dieser Position. Davon zeugen auch die jüngsten Erfolge. 2021 wurde er mit Jona Cupsieger und 2022 stand er mit Schönenwerd im Cupfinal und gewann Meisterschaftsbronze. Nachdem bekannt wurde, dass Beeler an den Obersee zurückkehren würde, buhlten seine beiden Herzensvereine Jona und Näfels um ihn und unterbreiteten ihm vergleichbare Angebote für die Saison 2022/23. Beeler sagte nach seinem Entscheid im Sommer: «Es fiel mir extrem schwer mich für Jona oder Näfels zu entschieden. Mit beiden Vereinen verbinden mich Emotionen.»

Beeler verbrachte seine Kindheit in Jona und lernte dort Volleyball spielen. In der Hallen-Comeback Saison 2020/21 spielte er bereits beim TSV Jona und trug Wesentliches zum Cupsieg bei. Er kennt viele Leute im Verein sehr gut und mag die ganzen Strukturen und das Gefüge. «Entsprechend fühle ich mich bei Jona sehr daheim», verrät er. Zu Näfels verbinden ihn ebenfalls viele persönliche Beziehungen und die Erinnerung, dass ihm die Glarner den 
Schritt zum Leistungssport ermöglichten und er dort seine ersten grossen Erfolge feiern konnte. Am Ende entschied er sich für Näfels, unter anderem auch wegen der Erfolgsaussichten, die er bei Näfels leicht besser einstufte. Der Ex-Profi ist noch immer ehrgeizig und erfolgshungrig und sagt: «Meine Ziele sind hoch. Solange ich spiele, möchte ich auch gewinnen. In dieser Saison möchte ich zwei Medaillen, am liebsten zwei Titel holen.»

Zurück zu den Wurzeln
Seine Erwartungen an Näfels wurden bisher erfüllt. Das Team habe Qualitäten und sei eine gute Gruppe, die gerne zusammen trainiere und spiele, umschreibt er. Mit seinen eigenen Leistungen in den ersten Ernstkämpfen war er nicht sonderlich zufrieden, nachdem es ihm während der Vorbereitungen noch ausgezeichnet lief. Er deutet es aber als gutes Zeichen, dass Näfels trotz seiner persönlichen Baisse aus den ersten zwei Spielen vier Punkte holte. In den Europacupspielen gegen Thessaloniki zeigte er jedoch, dass er wieder auf dem aufsteigenden Ast ist. Noch so gerne würde er bei Näfels wieder jene Rolle übernehmen, die er 2014 spielte – als Leistungsträger mit einem herausragenden Höhepunkt. Im Cupfinal gab es einen sensationell anmutenden Sieg gegen das damals übermächtige Lugano mit Coach Mario Motta. Beeler zeigte im Final in der Wankdorfhalle eine grandiose Leistung und wurde als wertvollster Spieler des Finals ausgezeichnet.

Zu viele Entbehrungen
Danach setzte Beeler ganz auf Beachvolleyball, mit dem Ziel bei Olympia mitzumachen und gar eine Medaille zu gewinnen. 2020 entschied er aber, die Karriere als Beachvolleyballer zu beenden. Ihm gefiel das Leben als Profi mit all den Entbehrungen im Beruf, Freundes- und Familienkreis nicht mehr. Seine persönlichen Bedürfnisse rückten in den Vordergrund. Auf die Frage, was ihm von den sechs Jahren als Beachprofi geblieben sei, antwortet er: «Unheimlich viele und schöne Erinnerungen und Lebenserfahrungen. Ich konnte mich voll meiner Leidenschaft widmen und sie intensiv ausreizen. Ich sah auf der ganzen Welt viele Orte und lernte mich besser kennen. Ich bin extrem froh und dankbar, dass ich dies erleben durfte.»