Montag, 21. Dezember 2009; 11:36
Allgemein

SEAT Volley Näfels steht im Halbfinal – trotz allem

Von: Rolando K. Küng

Der gestrige Sieg von SEAT Volley Näfels bei Volley Amriswil und damit der Einzug in die Halbfinals, wurde nicht von allen Betrachtern gleich gerne gesehen. Die Sportinformation (Si) berichtet von diesem Spiel aus Optik der Thurgauer und das liest sich dann so:



Der Bericht
(Si) In den Cup-Viertelfinals der Volleyballer nutzten Näfels und Lausanne ihre nicht nur sportlichen Vorteile und setzten sich in den Derbys gegen Amriswil und Chênois durch. Ebenfalls für die Halbfinals qualifizert sind Lugano und Münchenbuchsee.

Die beiden NLA-Spitzenteams lieferten sich vor 450 Zuschauern in Amriswil den erwartet spannenden und hart umstrittenen Cupfight. Näfels nutzte den Vorteil, am Vortag spielfrei gewesen zu sein, während die Finalrunden-Qualifikation gegen Chênois die Thurgauer einiges an Substanz gekostet hatte. Vermutlich gab dies den Ausschlag, dass entscheidende Phasen -- nach beidseitigen Satzbällen zum 30:28 im ersten Durchgang oder nach ausgeglichenem Verlauf vier Punkten in Serie vom 17:17 zur vorentscheidenden 21:17-Führung im vierten -- zu Gunsten der Gäste ausgingen. Näfels hat den Sieg aber keineswegs gestohlen und bewies nach dem klar verlorenen dritten Satz Moral und Kampfgeist.

 

Die Analyse

Interessant ist die Bemerkung des Substanzverlusts vor allem vor dem Hintergrund, dass Chênois ohne vier seiner Stammspieler in den Thurgau gereist ist. Damit haben sie eigentlich schon vor dem Spiel klar signalisiert, dass sie diese zwei Meisterschaftspunkte nicht hier im Thurgau unter Einsatz aller ihrer besten Kräfte zu holen gedenken. Vielmehr spekulieren sie auf einen Heimsieg im letzten Spiel gegen LUC. Hätte der CS Chênois in voller Stärke gespielt, dann könnte man sicher von einem klaren Substanzverlust für beide Teams sprechen, denn dann hätte es wohl fast sicher ein langes und hartes Spiel gegeben. So aber haben die Genfer ihre Topspieler Warynski (Passeur), Tomasik, Husaj und Michalec geschont und ab Satz drei auch noch ihren Diagonalspieler Cuko. Dieser wurde durch Mittelblocker Steigmeier ersetzt, welcher seinerseits durch den 1.85m grossen Marokaner Ourahay ersetzt wurde. Es geht nicht darum die Leistung von keinem der Genfer-Spieler zu schmälern, aber in dieser Zusammensetzung mit dem 31-jährigen Ersatzpasseur Dronsart als Regisseur, wies der CS Chênois bestenfalls NLB-Niveau auf. Dass den Romands trotzdem noch ein Satzgewinn gelang, war erstaunlich genug, ihrem guten Blockspiel zu verdanken und natürlich einem klaren Nachlassen von Volley Amriswil. Diese Mannschaft steckt zur Zeit ganz einfach in einer schwächeren Phase. Vielleicht zollt sie halt doch, nach den guten Leistungen gegen Cuneo, dem hohen Einsatz ihren Tribut.

 

So kann es auch nicht sein, dass Volley Amriswil einen herbeigeschriebenen Substanzverlust bereits im ersten Satz gespürt hätte. So schlecht ist die Verstappen-Truppe konditionell dann auch nicht trainiert. Vielmehr wurde es in diesem ersten Satz noch einmal spannend, weil Volley Näfels weder den ersten, noch den zweiten Satzball verwerten konnte. Es waren zwei Angriffsfehler der Näfelser, welche Amriswil überhaupt noch einmal in den Satz zurück brachten. Dass die Einheimischen diesen dann doch noch verloren haben, hat mit Kondition und Substanz überhaupt nichts zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass Volley Näfels, nebst dem nötigen Quäntchen Glück, im Moment ganz einfach mental stärker ist.

 

 

Der Beweis

Gut auch, dass geschrieben steht, dass Näfels den Sieg nicht gestohlen hat. Man könnte auch sagen dass Volley Amriswil nach dem 0:2-Rückstand Moral und Kampfgeist gezeigt hat, um den dritten Satz klar zu gewinnen. Der Sieg von Näfels stand aber objektiv gesehen zu keinem Zeitpunkt der ganzen Partie in Frage. Vielmehr wollte Volley Näfels klar zeigen, dass der 3:0-Sieg eine Woche vorher, ganz und gar kein Zufall war. Und nach diesem erneuten Sieg bedarf es dazu auch keiner weiteren Beweise mehr.

 

Pech für den Titelverteidiger, dass diese Schwächephase ausgerechnet jetzt eingetreten ist. Glück aber auch, dass Volley Amriswil sich jetzt während eines Monats in Ruhe auf den Start der Playoff-Qualirunde vorbereiten kann. Zwischenzeitlich folgt noch der Einsatz im Challenge Cup gegen Baku in Aserbeidschan.

 

 

Pech oder Fehlspekulation?

Pech aber auch für den CS Chênois, welcher trotz seines taktischen Manövers im Thurgau mit der programmierten Niederlage, sich gegen den LUC nicht durchsetzen konnte. So kommen jetzt die Genfer im Heimspiel gegen Lausanne noch ganz gehörig unter Druck, zumal LUC beide bisherigen Spiele gegen die Rhonestädter mit 3:0 gewonnen hat. Zum überhaupt nicht programmierten Cup-Out kommt jetzt also noch das Risiko mit dem Gang in die Entscheidungsspiele. Und da hat der CS Chênois ja auch schon seine Negativerlebnisse in den Büchern der Vereinsgeschichte.

 

 

Ungeliebtes Näfels wieder Spitze

Die Ereignisse mit den Interpretationen dieses Wochenendes im Herren Volleyball zeigen klar, dass SEAT Volley Näfels einerseits zurück an der Spitze ist und sich andererseits gewisse Kreise damit schwertun, insbesondere weil es ja offenbar nicht sein kann, dass ein Team mit nur drei Ausländern besser sein soll als andere mit fünf oder mehr.

 

So hofft SEAT Volley Näfels nun auf etwas Losglück und vor allem darauf, dass die Glarner auch wieder einmal ein Cup-Spiel vor eigenen Rängen austragen dürfen. Gelegenheit dazu gibt es ohnehin nur noch eine.

 

-> Sehen Sie die Resultate der Auslosung hier ab ca. 18.00 Uhr.

Bild: rkk-Dem Gegner zum 2. Mal die eiskalte Schulter gezeigt