Montag, 20. November 2006; 08:00
Allgemein

Seat Volley Näfels’ Sieg mit Licht und Schatten

Von: Die Südostschweiz - Köbi Hefti

Seat Volley Näfels kam am Genfersee mit einem blauen Auge davon. Dank einer kämpferischen Leistung, starken Mittelblockern und Libero Werner besiegten sie Lausanne UC mit 3:2. Das Spiel war spannend, aber nicht immer hoch stehend.

Der Druck, der am Samstag auf dem Team von SEAT Volley Näfels lastete war spürbar grösser als in den letzten Partien. Näfels war nicht in der Lage sein Spiel wie in den letzten Wochen konsequent durchzuziehen. Dass es am Schluss für die Glarner doch zum Sieg im Tie-Break mit 15:12 reichte, war aber der Beweis, dass dieses Team auch mit Druck umgehen kann. Dass Näfels nicht so souverän aufspielte, hatte aber auch damit zu tun, dass der Gegner zeitweise stark spielte, und im Angriff von SEAT Volley Näfels nicht alles wie gewünscht passte. Vor allem über die Aussenpositionen kam anfänglich nur Schwung auf, wenn Andy Sutter mit Hammer-Smashes punktete. Danach übernahm Rafa die Rolle Sutters, auch er war über weite Strecken ein sehr zuverlässiger Wert im Angriff.

 

Offensiv-Spektakel der Mittelblocker

 

Daneben gab es aber bei den Aussen- und Rückraumangriffen mehr Schatten als Licht. Für einmal klappte das Zusammenspiel zwischen Passeur Bär und den beiden Argentiniern Tonga und Obeid nicht wunschgemäss. „Irgendwie stimmte das Timing heute einfach nicht“, äusserte sich Marco Bär kritisch. „Wenn es von Beginn an nicht so klappt wie es sein müsste, versucht man zu pröbeln indem ich den Ball etwas anders spiele als sonst, bis am Ende gar nichts mehr stimmt. In solchen Situationen müsste man einfach einen Strich unter alles machen, wieder bei Null beginnen und sagen: So jetzt kommen wir noch einmal“.

 

Dafür klappte vor allem das Offensivspiel über die Mitte. Büschi und Osias sorgten für unzählige, zum Teil sehr spektakuläre Punkte. Was die Mittelblocker zeigten, war ausgezeichnet. So häufig wie gestern punktete Näfels in der Mitte schon lange nicht mehr.

 

Harte Kritik Serramaleras

 

Trainer Serramalera, der sich während des Spiels oft ärgerte und Emotionen zeigte, war zufrieden, dass sein Team am Ende als Sieger vom Platz ging. Auch ihm hat aber nicht alles gefallen. „Es ist uns nicht gelungen die Konzentration des ersten Satzes aufrecht zu erhalten, so haben wir den 2. Satz so klar verloren. Im 4. Satz, als wir kurz vor Satzende mit 3 Punkten Vorsprung und 21:18 führten, liessen wir uns vom Schiedsrichter aus der Fassung bringen und verloren diesen Satz prompt.“  

 

Die Schiedsrichter waren wieder einmal bei beiden Teams ein Thema. Die Unparteiischen überzeugten nicht, in jedem Satz gab es Diskussionen, Fehlentscheide und Dinge, die sie nicht oder falsch sahen. Allerdings benachteiligten sie beide Teams gleichermassen. Dazu waren in Lausanne wieder einmal keine Linienrichter anwesend – der lokale Verband hatte vergessen, die Linesmen zu nominieren. So war es für beide Teams schwierig, sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. „So kannst Du nicht ruhig bleiben, wenn der Schiri pro Satz drei, vier oder gar fünf Fehler macht. Wir arbeiten als Team jeden Tag hart um guten Sport bieten zu können. Wenn dann so etwas wie heute passiert, ist das einfach eine Schande, das darf nicht sein“, ereiferte sich Serramalera auch einige Zeit nach dem Spiel nochmals.

 

Das Kompliment des Nationaltrainers

 

Lausannes Trainer Michel Bolle beurteilte das Spiel für die Zuschauer als sehr attraktiv, weniger aber aus der Trainer-Optik: „Das war qualitativ kein hochklassiges Spiel, dafür passierten beiden Teams zu viele Fehler.“ Trotz der knappen Niederlage fand er für sein Team lobende Worte: „Es hat mir sehr gut gefallen, dass meine Mannschaft trotz Satzrückständen nie aufgegeben hat. Mit einer enormen Teamleistung haben wir den praktisch schon verlorenen 4. Satz (18:21 Rückstand) noch gekehrt und gewonnen.“

 

Eine besondere Leistung vollbrachte Näfels Libero Daniel Werner. Erst kurz vor dem Matchbeginn stand fest, dass er spielen konnte, nachdem er von Übelkeit geplagt war. Nach den anfänglichen Startschwierigkeiten fand er aber immer besser zu seinem Spiel und war nach der Partie entsprechend glücklich, auch wenn er sich kaputt fühlte.  National- und Lausanne-Trainer Bolle machte ihm grosse Komplimente: „Daniel Werner hat mir heute am besten gefallen. Seine Annahmen waren sicher, er war ein sicherer Wert und hat viel zum Sieg von Näfels beigetragen.“ 

 

Endlich wieder einmal daheim

 

Zu gewinnen, wenn es einem Spitzenteam gut läuft, ist normal. Ein Spiel aber zu gewinnen, wenn ein Team nicht überzeugt, das ist eine Qualität, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Diese Fähigkeit hat Näfels am Samstag gezeigt. Am nächsten Samstagnachmittag um 16:00 in der Linth-Arena gegen Chênois folgt die nächste Meisterschaftspartie. Nach zahlreichen Auswärtsspielen kann Näfels endlich wieder einmal wirklich daheim im SGU antreten.

 

 

Matchtelegramm

 

SOS II, Lausanne Dorigny, Samstag 18.11.2006, 17:30, Spieldauer 2 Stunden

Zuschauer: 350

Lausanne UC – Seat Volley Näfels 2:3 (18:25, 25:15, 17:25, 25:23, 12:15)

 

Lausanne UC: Heyer, Kusio, Froesch, Wiacek, (Captain), Lardi, Bruschweiler, Hominal (Passeur), Loeffel, Jaton (Libero), Trainer: Michel Bolle

 

Seat Volley Näfels: Bär (Passeur), Rafa (Captain), Werner (Libero), Andy Sutter, Roman Sutter, Obeid, Tonga, Osias, Büschi; Bedrac, Trainer: Juan-Manuel Serramalera (ARG)

Schiedsrichter: 1.SR: Matter Peter, 2.SR: El Assad Tarek