SEAT Volley Näfels schafft den achten Cupsieg nicht
Seat Volley Näfels verliert einen zu Beginn hart umkämpften Cupfinal vor 2800 Zuschauern letzlich im vierten Satz klar mit 17:25 und 1:3 Sätzen. Gekämpft haben die Näfelser Volleyballer wie die Löwen, jedoch sehr oft eher unglücklich. Gegner Amriswil glänzte mit ausgezeichneter Blockarbeit und einem überragenden Passeur Herrera.
Mit diesem Sieg holt Volley Amriswil die dritte Cuptrophäe in seiner Klubgeschichte und kann seinen Erzrivalen Volley Näfels zum ersten Mal in einem Cupfinal schlagen. Bisher ging zwischen diesen beiden Klubs dreimal Volley Näfels als Sieger vom Platz und die Frage stand im Raum, ob es Amriswil diesmal gelingen würde, die unsichtbare Mauer zu durchbrechen und endlich auch gegen die Glarner einen ersten Cupsieg zu holen.
Näfels fragil – Amriswil sattelfest
Über das ganze Spiel gesehen hinterliess die Polak-Truppe immer einen etwas fragileren Eindruck, auch wenn sie wie im dritten Satz zeitweise schon mal mit bis zu fünf Punkten im Vorsprung lag. Jederzeit, so schien es, waren die Oberthurgauer in der Lage wieder zu kontern. Dies nicht zuletzt weil Trainer Dario Bettello eine vollwertige Ersatzbank zur Verfügung stand und jeder Spieler bei seiner Einwechslung zeigte, dass er in der Lage war, der Mannschaft in diesem Moment etwas zu bringen. „Natürlich ist es ungewohnt für mich als 2. Passeur zu spielen“, meinte dazu auch Captain Marco Bär, „aber wenn ich ins Spiel komme, gebe ich alles um der Mannschaft zu helfen und den ersten Passeur zu entlasten“. Und das hat auch sehr gut funktioniert, obwohl der Kubaner Cao Gilman Herrera eine überragende Partie gespielt hat und wesentlich zum Sieg beigetragen hat.
Ungenügende Angriffseffizienz
Die Näfelser Beeler und Ehrat durften ja beim Cupfinal nicht mittun, das sie vorher schon mit dem TSV Jona im Cup im Einsatz standen. So hatte Coach Matus Kalny am Pass mit Marco Gygli und in der Annahme mit Fabian Brander nur zwei Spieler zur Verfügung, welche sich auf dem selben Level ins Team einfügen konnten. Es fehlte aber ein Ersatz für Diagonalspieler Dalibor Polak, welcher leider auch in diesem Spiel wieder nicht vollends überzeugen konnte. Aber gerade von ihm hätte es eine Spitzenleistung gebraucht, um sein Team im Spiel zu halten und weniger fragil agieren zu lassen. Die Angriffseffizienz beim Side-out war infolge des sehr guten Blockspiels der Bettello-Jungs auf Näfelser Seite über fast das ganze Spiel ungenügend. So kam Marek Tomas in etwa auf die Marke von 50% und Dalibor Polak lag sogar noch unter der Marke seines Landsmanns aus Tschechien. Die Näfelser Annahme erlaubte es den beiden Passeuren Bedrac und Gygli auch viel zu selten die normalerweise recht effizienten Mittelangreifer Klapal und Illic erfolgreich einzusetzen. So sah sich Seat Volley Näfels durch einen gut eingestellten Gegner und auch durch eigenes Unvermögen seiner besten Waffen beraubt, welche noch vor kurzem derart effektiv gestochen hatten. „Es kann auch sein, dass durch die letzten Resultate das Selbstvertrauen etwas gelitten hat“, räumte Coach Kalny an der Pressekonferenz nach dem Spiel auch ein. Er glaube aber nicht, dass sein Team schlechter spiele als vorher. So muss es also sein, dass die Gegner stärker geworden sind und so sicher auch Volley Amriswil nach dem Trainerwechsel von Schwanke zu Bettello.
Näfels‘ Endspurt kam zu spät
Satz eins sah Volley Amriswil über weite Strecken im Vorsprung. Gegner Näfels steckte aber nie auf und kam über den Kampf kurz vor Satzende noch einmal auf 23:23 heran. Dirceu, welcher zum besten Spieler des Cupsiegers gewählt wurde, buchte aber mit Block auf Bedrac den Satzball und Polak erreichte den letzten Angriffsball des Brasilianers knapp nicht mehr. Er flog ins Aus und das war der erste Satzgewinn für die Thurgauer. Im folgenden Satz hielt Volley Näfels besser mit und lag sogar mit 20:18 in Führung. Nach dem 2. Time-out zogen aber die immer ein bisschen entschlossener spielenden Amriswiler wieder an den Glarnern vorbei. Auch in diesem Satz kam Näfels bei 23 Punkten noch einmal zum Einstand, aber wieder reichte es nicht mehr zu mehr. Pulko blieb am Doppelblock von Cao und Ivkovic hängen und der just auf den letzten Ball noch eingewechselte Fabian Brander setzte den Angriff neben die Linie. Damit lagen die Näfelser schon bedrohlich mit 0:2 Sätzen hinten, aber nun folgte ja die grosse Pause und das gab etwas Zeit, sich zu sammeln und neu auszurichten.
Brander setzt neue Impulse
Und in der Tat kamen die Näfelser Volleyballer entschlossener und verbessert zurück aufs Spielfeld. Es gelang ihnen, nicht zuletzt dank Fabian Brander anstelle von Zlatko Pulko, einen Fünf-Punkte-Vorsprung herauszuholen. Doch auch jetzt sollte sich wieder zeigen, dass heute auch ein so grosser Vorsprung erst über die Bühne gebracht werden musste. Rasch kam Volley Amriswil noch einmal heran und schon begann wieder das grosse Zittern. Tomas im Angriff und Brander mit Illic am Block auf Gavrilovic buchten aber die Punkte bis zum Satzball. Den letzten Service setzte Dirceu ins Netz was den Näfelser Fans Hoffnung und den vielen andern Zuschauern einen weiteren Satz bescherte.
Dieser Satzgewinn sollte aber nur noch ein Strohfeuer gewesen sein. Zielstrebig marschierte ab jetzt Volley Amriswil dem Cupsieg entgegen. Noch einmal zeigte Coach Bettello welch grosse Möglichkeiten er mit seinen Auswechselspielern hatte. Seine Mannschaft wirkte immer noch frisch. Näfels‘ Kalny versuchte es noch einmal mit einem Wechsel des Passeurs von Gygli zurück zu Bedrac. Doch das nützte alles nichts mehr und Volley Amriswil spielte nun seinen Gegner an die Wand. Das Satzresultat von 17:25 spricht eine mehr als deutliche Sprache und lässt auch nicht mehr darüber hadern, dass das Spiel aus den Händen gegeben werden musste. Volley Amriswil ist ein verdienter Cupsieger 2012. Die Zuschauer haben aber ein über weite Strecken gutes und vor allem spannendes Spiel zu sehen bekommen. Noch gibt es Hoffnung, dass Seat Volley Näfels in der Meisterschaft bis ins Final vorstossen kann und solange die Chance besteht, lohnt es sich auch daran zu glauben und dafür zu kämpfen.



























































































