Sonntag, 10. September 2006; 10:00
Allgemein

SEAT Volley Näfels musste sich ein neues Team bauen

Von: Roland K. Küng

Auf die neue Saison hin hat SEAT Volley Näfels bis auf ganz wenige Ausnahmen das ganze Team ausgewechselt. Guiga, Rodrigo, Roman Landolt, Stephan Talmon-Gros, Carlos Guerra, Jamelao, Jan Schnider und Philipp Gabathuler mussten ersetzt werden.

In drei Wochen beginnt mit dem Supercup in Lausanne bereits wieder die Hallensaison in der Schweizer Volleyballmeisterschaft. Zeit also, darüber zu sprechen, wie sich die neue Mannschaft der Näfelser Volleyballer präsentieren wird. Um es vorweg zu nehmen: Nebst den Sutter-Brüdern, Junior Marco Gygli und dem schon fast zur Familie gehörenden Rafael de Souza Lins aus Rio ist vom Bronze-Team des vergangenen Frühjahrs niemand mehr dabei.

 

Täglicher E-Mail-Verkehr

 

Auch wenn es nach aussen ruhiger war als auch schon, das Vorstands-Team um Präsident Klaus Görauch hat die kurze Zeit von fünf Monaten dazu genutzt, in der Schweiz und in Südamerika nach den zu Näfels passenden Spielern Ausschau zu halten. Trainer Juan-Manuel Serramalera hat sich einen sehr guten Namen geschaffen und geniesst beim Näfelser Verein das volle Vertrauen. Deshalb wurde er diesmal weit intensiver in den Suchprozess involviert als in früheren Jahren. So führten die beinahe täglichen E-Mail-Kontakte zwischen Manager Ruedi Gygli und seinem Trainer im fernen Buenos Aires zur Verpflichtung von zwei Argentiniern, welche beide in der höchsten argentinischen Liga spielten. Auch der neue brasilianische Mittelblocker aus Belo Horizonte kam auf Empfehlung von Robert Ferreira (Meister mit Näfels 2003) zustande, der nun als Spielervermittler tätig ist.

 

Vom Umfeld profitieren

 

Die neuen Schweizer Spieler, allen voran der Passeur der Nationalmannschaft Marco Bär (ex TV Amriswil), stossen zum Glarner Team, weil sie vom ausgezeichneten Umfeld, den guten Trainingsbedingungen und dem erstklassigen Trainer profitieren wollen. Allesamt hegen sie hohe Ambitionen und sind gewillt, einen überdurchschnittlichen Trainingseinsatz zu leisten, um mit den Profi-Spielern aus Südamerika ein homogenes Team zu bilden und diese Saison wieder „l’équipe à battre“ zu sein.

 

Schon wird fleissig trainiert

 

Seit einer Woche stehen nun die Volleyballer im Training. Marcus Osias (32), der Mittelblocker, spielte mit Ausnahme eines Israel-Gastspiels von zwei Jahren die meiste Zeit in Argentinien und war dort immer einer der allerbesten auf seiner Position. Aber auch im Angriff ist der 1.95m grosse Brasilianer sehr effizient, dank grosser Erfahrung und enormer Sprungkraft. An seiner Seite steht Nationalspieler Samuel Büschi (24), welcher nach einer Saison in Lugano zu Näfels stösst. Der ausgebildete Kaufmann, mit seinen 2.05m der Grösste im Team, freut sich riesig, nun endlich für seinen Wunschklub spielen zu können. Er ist ebenfalls gewillt, leistungsmässig einen drauf zu geben, um sich im Kampf mit Junior Roman Sutter (18) einen Stammplatz zu sichern. Was der 1,97m grosse KV-Lehrling bereits kann, hat er während der letzten Saison angedeutet. Von ihm darf man sicher eine Steigerung erwarten. Auch er ist gewillt, sich mit guten Leistungen für das Fanionteam aufzudrängen.

 

Kampf um die Libero-Position

 

Der neue Libero heisst Daniel Werner (23) und wurde durch den soeben zurückgetretenen Beach-Profi Stefan Kobel sowie durch Nationaltrainer Michel Bolle wärmstens empfohlen. Werner stösst von Voléro Zürich ins Glarnerland und wohnt auch bereits hier. Auch er ist sehr glücklich über diese Verpflichtung und hat überdies noch den Vorteil, mit Rafa Lins seinen Vorgänger als Libero im selben Team zu wissen. Der reflexstarke Zürcher hofft, trotz weniger Erfahrung schnell auf ein hohes Niveau zu kommen, und auch er ist bereit, sehr viel Zeit fürs Training zu investieren. Dazu Manager Gygli: „Durch das erneute Scheitern des Transfers von Micha Wälchli erachten wir es als grossen Glücksfall, den besten Nachwuchs-Libero der Schweiz für uns gewonnen zu haben.“


Rafa an der Schulter operiert

 

Nach der deutlichen Leistungssteigerung im Verlauf der letzten Saison spielt Andy Sutter (21) erneut auf der Position Annahme und Aussenangriff. Auch er setzt, wie Büschi und Werner, voll auf die Karte Volleyball und macht sämtliche Trainings mit, genauso wie die vier Latino-Profis. Ist Rafa Lins (23) im Vollbesitz seiner Kräfte, bringt auch er eine regelmässige Leistung im Aussenangriff. Sein starkes Annahmespiel ist in der ganzen Schweiz ohnehin bestens bekannt. Nach seiner problemlos verlaufenen Schulteroperation im April wird er sich wieder an seine guten Leistungen der Vorjahre herantasten und diese auf die Playoffs erreichen - so ist es wenigstens geplant.

 

Vom Argentinier Gaston Alvarez (28) hingegen dürfen von Beginn an Höchstleistungen erwartet werden. Als Universalspieler kann er auf allen Angriffspositionen wie auch als Annahmespieler eingesetzt werden. Trainer Serramalera hat er früher gegen ihn in Argentinien gespielt, kennt ihn deshalb sehr gut und weiss genau, was Näfels an ihm haben wird.

 

Diagonalspieler Guillermo Obeid (30) tritt an die Stelle von Jamelão, welcher seine Karriere in der Superliga in Brasilien fortsetzen möchte. Die Besetzung dieser Position hat sich solange als sehr schwierig erwiesen, bis sich der Trainer Guillermo’s errinnerte. In seinem letzten Aktivjahr in Argentinien standen die beiden im selben Team, und so ist auch garantiert, dass der Schlüsselspieler im Angriff gut ins Team und auch nach Näfels passt.

 

Marco Bär von blau zu gelb

 

Die Verpflichtung von Marco Bär zeichnete sich noch während den Play-off-Halbfinalspielen ab und darf ebenfalls als Glücksfall bezeichnet werden. Seit langen Jahren spielt damit als Passeur wieder einmal ein Schweizer. Und der erhält sogleich starke Konkurrenz von Ivan Bedrac, dem Näfelser Legionär in Diensten Voléro’s. Bedrac bestritt mit den Zürchern als erster Passeur die gesamte letztjährige Meisterschaft und hat sowohl spielerisch wie auch persönlich an Reife gewonnen. „Den Kampf um den Platz als Stammpasseur nehme ich mit Marco gerne auf. Ich bin voll motiviert, meine Haut so teuer als möglich zu verkaufen“, meint Bedrac kämpferisch. Mit Nachwuchstalent Marco Gygli steht ausserdem auch der Ersatz-Passeur der letzten Saison weiterhin zur Verfügung, was vor allem für die Trainings sehr wichtig ist und ihm auch weiter erlauben wird, in der zweiten Mannschaft sein grosses Können zu zeigen.

 

Guter Mix aus Erfahrung und Jugend

 

Manager Gygli zeigt sich selbstsicher wenn er sagt: „Im Jahr eins nach der Ära Roman Landolt ist es uns gelungen, mit einem sehr guten Mix aus Schweizern und Südamerikanern, aus Erfahrung und jugendlichem Ehrgeiz mit hoher Motivation eine Mannschaft zu verpflichten, welche alle Chancen hat, ihren Weg zum Erfolg zu finden.“ Nach der grossen Arbeit in der Vorbereitungsphase durch den Manager, welcher das Geld eher ausgibt und durch Bruno Müller als derjenige, welcher durch die vielen kleinen und grossen Sponsoren das Geld hereinholt, darf festgestellt werden, dass es bereits jetzt, vor Beginn, einen Sieger gibt: Das Glarner Publikum, welches ab dem 07. Oktober wieder für eine ganze Saison lang in den Genuss von Spitzenvolleyball in nächster Nähe kommt. (Das 1. Spiel im sgu am 07.10.06 gegen Lausanne UC um 18.00 Uhr) Weitere Info’s auch immer aktuell auf: www.seatvolleynaefels.ch

Das neue Ausländer-Trio von links: Gaston Alvarez, Marcus Osias, Guilermo Obeid