Montag, 4. Dezember 2006; 07:00
Allgemein

Seat Volley Näfels musste in Lugano eine harte Nuss knacken

Von: Köbi Hefti

Seat Volley Näfels besiegt Pallovolo Lugano auswärts mit 3:2. Das Spiel war sehr ausgeglichen und hart umkämpft. Am Ende setzte sich die Routine von Seat Volley Näfels aber durch. Bei Näfels waren sich in einem Punkt alle einige: "Hauptsache, wir haben gewonnen".

 

Rein von der Papierform und von der Klassierung in der aktuellen Rangliste her betrachtet war Seat Volley Näfels der klare Favorit für dieses Spiel. Doch schon vor dem Match mahnte Trainer Serramalera: "Das ist eine nicht so einfache Aufgabe. Das könnte ein langes Spiel geben. Wichtig für uns ist aber, dass wir am Ende gewinnen." Wieder einmal hatte Serramalera damit richtig getippt. Einerseits erreichte sein Team nicht jene Form, mit welcher es in den letzten Runden auftrat, anderseits spielte der Aussenseiter Lugano, in dessen Reihen wie bei Näfels fünf ausländische Profis stehen, phasenweise äusserst kraftvoll und effizient. Vor allem im ersten Satz überzeugten die Dragons. Teammanager Gygli: "Im ersten Satz spielten wir schwach. Damit haben wir den Gegner aufgebaut und Lugano hat gezeigt, welches Potenzial diese Mannschaft hat. Im ersten Satz schöpften sie dieses voll aus. So haben sie uns phasenweise wirklich an die Wand gespielt. Die Angriffe der Luganesi waren wirklich sehr schön."

 

Luganos unheimlich starke Mitte

 

In den Umgängen zwei und drei baute Lugano etwas ab, während Seat Volley Näfels etwas besser spielte. Entscheidend in diesen Sätzen war, dass Näfels die Fehlerquote sehr tief halten konnte, während Lugano in beiden Sätzen jeweils mehr als zehn Fehler beging. Dazu kam, dass einige kritische Schiedsrichterentscheide den Glarnern geholfen haben, um gut über diese Runden zu kommen.

 

Der am Fuss verletzte Samuel Büschi, letztes Jahr noch Spieler bei Lugano, musste das ganze Spiel als Zuschauer miterleben. "Es war ein sehr aufregendes Spiel für mich. Wir spielten heute nicht so gut wie auch schon. Es fehlte die Konstanz. Lugano hat teilweise aber auch ausgezeichnet angegriffen. Vor allem der 204 grosse Brasilianer Baiano war sackstark und schlug fast immer über unseren Block." Roman Sutter, der anstelle von Büschi durchspielte, sah das Hauptproblem vor allem beim ersten Ball: " Wir konnten mit unseren Services nicht ausreichend Druck auf Lugano ausüben. Ihre Annahmen waren deshalb meist sehr gut. Das führte dazu, dass Lugano oft über die Mitte angreifen konnte. Doch diese Mittelangriffe bekamen wir nie in den Griff. Wir waren oft zu spät am Block. Aber auch wenn wir da waren, die beiden Tessiner Mittelangreifer fanden fast immer einen Weg, um an uns vorbei zu kommen."  Libero Werner ergänzt: "Über die Mitte konnten sie einige Bälle gewaltig und ungehindert in unser Feld knallen."

 

Stark im richtigen Moment

 

Bei Näfels klappte aber auch im Angriff nicht alles wie gewünscht. Zu oft waren die Angriffe zu wenig gut, blieben so in der Verteidigung der Tessiner hängen. Vor allem Obeid sündigte zeitweise und vergab zu viele Chancen. Erst im alles entscheidenden  Tie Break fand er den Tritt. Sein Kommentar fällt entsprechend zurückhaltend aus: "Es war ein schwieriges Spiel. Lugano spielte stark. In den wichtigen und entscheidenden Phasen aber waren wir stark im Kopf und haben deshalb diesen Match am Ende auch gewonnen." Und zu seiner eigenen Leistung sagt er: "Lange Zeit lief es mir nicht gut. Doch das gute Spiel des Teams half mir und gab mir das nötige Vertrauen, so dass ich am Ende doch glücklich bin."

 

Luganos Trainer Betello war gleichzeitig zufrieden und etwas traurig: "Wir haben dieses Spiel verloren, weil wir weniger Möglichkeiten haben um Spieler auszuwechseln und so weniger gut auf das Spielgeschehen reagieren können. Trotzdem bin ich mit der heutigen Leistung zufrieden. Wir waren jederzeit ein ebenbürtiger Gegner. Dass wir am Ende verloren haben lag daran, dass wir nicht die Ruhe hatten um unser Spiel durchzuziehen"

 

Starke Bank von Seat Volley Näfels

 

Obwohl Lugano über die ganze Dauer des Spiels gesehen besser und attraktiver agierte als Näfels, fällt das Fazit aus Sicht der Glarner positiv aus. Erneut hat Näfels ein Spiel gewonnen, obwohl einiges nicht wunschgemäss klappte. Aber im entscheidenden Tie Break setzte sich die Routine der Glarner durch. Ruedi Gygli: "Die ausländischen Spieler haben gezeigt, wofür sie da sind. Sie haben bewiesen, dass sie den wichtigsten, das heisst den letzten und entscheidenden Satz, gewinnen können".  Aber auch der Kader von Seat Volley Näfels ist dieses Jahr breiter und ausgeglichen. Näfels wäre wohl am Samstag als Verlierer vom Platz gegangen, hätte der Trainer nicht mit Bedrac und Andy Sutter zum genau richtigen Zeitpunkt seinem Team neue Impulse verleihen können. Dazu haben die Spieler sehr konzentriert und hart gearbeitet. Nur dank der tiefen Fehlerquote gelang es, diese harte Nuss in Lugano zu knacken und mit zwei weitern Punkten als alleiniger Tabelleführer die Heimreise anzutreten.