SEAT Volley Näfels mit neuem Selbstvertrauen?
Der Holländer Edwin Benne (42) als neuer Trainer seit knapp einer Woche im Amt analysiert die Situation und wagt einen Ausblick. In Lausanne beim letzten Quali-Spiel der NLA sollen die Neuerungen getestet, am Tag darauf im Cupspiel vor eigenem Publikum gegen den TV Amriswil hoffentlich bereits stechen.
Bild: rkk-Trainer Benne bei der Vorbesprechung auf das Spiel gegen Lausanne UC
Noch vor rund 15 Jahren als Spieler im Team der Oranjes Weltklasse und als Annahmespieler mit seiner Nati auf der ganzen Welt unterwegs, steht Benne nun an der Seitenlinie von SEAT Volley Näfels. Es ist erstaunlich, dass einer wie er diesen Schritt macht und das trotzdem nicht als Abstieg ansieht. Im Vordergrund steht nicht zuletzt seine Familie mit welcher er seit 2003 im Fürstentum Liechtenstein wohnt. Selbstverständlich machte der Holländer nicht erst nach Abschluss seiner Profikarriere in Deutschland’s Bundesliga 1997 schon die verschiedensten Trainerkurse. Der studierte Bauingenieur interessierte sich schon früh für die Belange von Ausbildung und Management im Sportbereich und knüpfte seine Karriere nach dem Spitzensport nahtlos an seine jetzige Tätigkeit. Trotz seinem jugendlichen Alter gab und gibt es wohl nicht manchen in der Schweiz, welcher im Volleyball mehr erlebt hat als er. Zu seiner Zeit als Nationalspieler war Holland in den Top-three der Welt und Siege wurden von ihm und seinen Mitspielern nicht nur erwartet sondern gar vorausgesetzt. So ist er wohl in besonderem Masse befähigt, seinem neuen Team ganz viel über den Umgang mit Druck zu erzählen. Denn dieser lastete auf ihm wo auch immer er auftrat und genau dies ist ja das grosse Problem der heutigen Mannschaft aus Näfels wie man in jüngster Vergangenheit gesehen hat.
Näfels auf Kurs zu neuen Horizonten? Gespräch mit Edwin Benne.
Was für eine Mannschaft haben Sie am Montag in Näfels vorgefunden?
EB: Eine motivierte, ehrgeizige und flotte junge Truppe welche aber sehr verunsichert war. Die meisten hatten ein grosses Fragezeichen auf dem Gesicht.
Wie erklären Sie sich die Niederlagenserie?
EB: Man muss ja klar sehen, das jetzige Team ist nicht die Meistermannschaft. Alle Schlüsselpositionen wurden neu besetzt. Es fehlt an Erfahrung. Eine erfahrene Mannschaft verliert einmal und kommt dann zurück, hier aber erfolgte der Sturz ins Bodenlose. Es tut mir auch lied für Michel Bolle dass es ihm als Trainer nicht mehr gelang, diese Talfahrt aufzufangen. So etwas kann aber jedem Trainer passieren.
Und was ist denn nun mit den formulierten Zielen?
EB: Die Ziele waren hoch angesetzt. Jeder der bei Näfels aber einsteigt weiss auch was auf ihn zukommt. Zur Zeit haben wir aber keine Meistertruppe. Mit den 3:0-Siegen am Anfang wurde auch das Bild verfälscht. Nachher kam dann die Packung und schliesslich haben auch die andern Teams ihre Hausaufgaben gemacht. So müssen wir nun kleine Schritte tun und uns über die kleinen Erfolge freuen. Wenn wir nur hoch schauen zu den beiden Goldmedaillen, dann klappt das nie.
Gibt es Sofortmassnahmen?
EB: Ja die gibt es. Ich will die Jungs aus ihren Problemen holen, Selbstvertrauen geben und wieder vernünftig Volleyball spielen lassen.
Folgt gleichzeitig der Aufbau bereits für die nächste Saison?
EB: Es besteht eine Vereinbarung bis zum Ende dieser Saison. Bestimmt ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt über mehr nachzudenken. Meine ganze Konzentration ist jetzt gefordert um das „Hier-und-jetzt“ richtig zu managen. In die Zukunft schauen wir dann nach getaner Arbeit.
Sind Sie für einen Job in der Schweiz nicht überqualifiziert?
EB: Nein auf keinen Fall. Ich war es auch in Liechtenstein nicht, aber ich habe ganz einfach mit den vorhandenen Mitteln das Maximum herausgeholt und dies werde ich auch hier in Näfels wieder versuchen. Wenn ich Entwicklung, Begeisterung und Emotionen sehe, dann lohnt es sich für mich immer mein Bestes zu geben.
Am Sonntag steigt das Schicksalsspiel. Was passiert wenn Näfels gewinnt, was wenn das Team verliert?
EB: Gewinnen wir ist das für meine Jungs die Bestätigung dass sie noch immer Volleyball spielen können und enorm wichtig für das Selbstvertrauen. Sollten wir verlieren, ist aber auch noch nichts passiert, denn das wäre dann das Zeichen, dass die Zeit halt einfach nicht reichte um bereits grössere Änderungen zu bewirken. Wir haben aber eine sehr gute Chance dieses Spiel auch zu gewinnen.
Also keine Weltuntergangsstimmung auch bei einer Niederlage?
EB: Nein, absolut nicht. Denn dann werden wir uns umso stärker auf die Meisterschaft konzentrieren. Ich kann von meinen Spielern ja auch nicht mehr verlangen als sie im Moment zu leisten imstande sind. Aber auf eine Steigerung in allen Belagen arbeiten wir nun seit einigen Tagen mit letzter Konsequenz auch hin.
Sie übernehmen die Mannschaft ja für einen Trainer eigentlich zum besten Zeitpunkt – tiefer kann es ja nicht mehr gehen.
EB: Im Turnier und ohne Druck haben die Jungs ja echt gut gespielt und sich sehr bemüht. Dann kommt aber wieder der Schlag ins Gesicht mit der Kanterniederlage gegen Amriswil. Ob es aber so schön ist ein Team am Tiefpunkt zu übernehmen weiss ich nicht. Fact ist einfach, dass ich überhaupt keine Zeit hatte mich auf meine neue Aufgabe richtig vorzubereiten.
Was bedeutet es Ihnen in der Schweiz gleich beim Serienmeister einzusteigen?
EB: Näfels ist das Synonym für Volleyball in der Schweiz und für das Beste! Ich bin sehr ehrgeizig und ziehe es immer vor, gleich beim Besten anzufangen. Ich bin mir über die schwere des Näfelser Trickots voll bewusst und betrachte es abolut als eine Ehre in diesem Klub mein Wissen einbringen zu dürfen.
Wie ist Ihr Führungsstil?
EB: Hart aber fair. Ich habe keine Lieblinge aber auch keine Problemfälle. Die Messlatte lege ich auf eine realistische Höhe. Man muss sich anstrengen, aber man kann sie erreichen. Ich gebe die Leitplanken, habe aber immer ein offenes Ohr für Gespräche. Was daraus aber folgt, setze ich wiederum ganz konsequent durch. Mein Team ist ein Körper mit zwölf Händen – der Teamgeist steht ganz zuoberst, das Team ist heilig. Alles fürs Team.



























































































