Montag, 29. Oktober 2007; 20:42
Allgemein

Schweizermeisterschaft NLA: Gipfeltreffen mit unbestimmter Höhe

Von: Rolando K. Küng

Je länger eine Serie dauert, desto wahrscheinlicher ist ihr Ende.   Nach sechs aufeinanderfolgenden Drei-zu-Null-Siegen macht das Team von SEAT Volley Näfels eine Kurzvisite in Genf mit dem Ziel auch den Spitzenkampf gegen Erzrivale CS Chênois zu gewinnen. Dieses Spiel ist das erste von drei gegen die härtesten Widersacher im Kampf um den Meistertitel in der noch jungen Saison.

Bild: rkk-Trainer Bolle nimmt sich seine beiden Annahmenspieler zur Brust. "Glaubt mir, gegen Chênois müssen saubere Annahmen gespielt werden, sonst sehen wir schlecht aus gegen sie."


Eines steht fest, weder Münsingen und schon gar nicht Lugano, konnten die an sich selbst gestellten, hohen Erwartungen bisher erfüllen. Der Blick auf die Tabelle zeigt das selbe Bild wie schon vor einem Jahr. Die Teams von Näfels, Lausanne UC und Chênois stehen ohne Verlustpunkte an der Spitze mit dem Verfolger Amriswil dicht dahinter. Etwas ist allerdings doch anders. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Näfelser Volleyballer vor einem Jahr bereits gegen alle Favoriten gespielt. Einer Niederlage (gegen Chênois) standen die beiden Siege gegen LUC und Amriswil gegenüber. Wie sich also das eher einfache Startprogramm des Meisters in den nächsten zehn Tagen auf die Tabelle auswirkt, wird man sehen. „Für mich sind wir aber weit davon entfernt vor der Stunde der Wahrheit zu stehen,“ spielt Trainer Bolle die Serie der nächsten drei Spiele herunter. „Keines der Spitzenteams müssen wir jetzt und unbedingt schlagen,“ fährt er fort, „erst im Januar geht es doch wirklich um die Wurst in Meisterschaft und Cup.“ Sie müssten sich bis dann in vielen Bereichen verbessern aber dazu blieben ja nun auch noch mehr als zwei Monate Zeit. Es gehe jetzt auch darum, bloss nicht unnötigen Druck aufzubauen damit sich einzelne Spieler womöglich noch verkrampften.

 

 

Chênois nur noch national am Werk

 

Nach nur einem Heimspiel und zwei Auswärtsspielen stehen auch die Genevois des CS Chênois ebenfalls noch mit reiner Weste da. Das Heimspiel gegen Sursee gewannen die Romands sicher, die beiden Auswärtsspiele waren schon mehr umkämpft. Dies zeigt auch, dass sie dort jeweils einen Satz abgaben und hätte Münsingen seinen vierten Satz nicht knapp mit 23:25 verloren, wer weiss wie dann dieses Spiel geendet hätte? Aber zuhause gegen SEAT Volley Näfels ist das wieder eine andere Geschichte. Für zusätzliche Motivation braucht da Trainer Mehmet Yilmaz bestimmt nicht zu sorgen. Trotz dem klaren Ausscheiden bereits in der ersten Runde im Challenge-Cup gegen die Finnen aus Tampere, brauchen sich die Romands nicht zu verstecken und es könnte gut sein, dass sie mit einem Sieg gegen Näfels ein klares Zeichen dafür setzen, dass sie als ernsthafter Meisterschaftskandidat gewertet werden wollen.

 

 

Ruhig weiterspielen, von Spiel zu Spiel

 

Gelingt es aber den Spielern um Captain Andy Sutter druckfrei aufzuspielen, dann wird es ein enges Spiel mit unbestimmtem Ausgang. Auch Chênois hat bisher auf nationalem Parkett noch keinen wirklich ernsthaften Gegner besiegt, so gibt es also noch fast keine Anhaltspunkte über das Stärkeverhältnis zwischen den beiden Teams. Ein Gipfeltreffen sozusagen von dem man noch nicht weiss, wie hoch dieser Gipfel tatsächlich ist. Gewiss, es gab bereits ein Spiel zwischen diesen beiden Kontrahenten beim Vorbereitungsturnier in Lugano. Aber das ist schon lange vorbei. Seither hat die Bolle-Truppe enorm an Leistungsvermögen zugelegt, sechs Spiele hintereinander mit der Bestnote gewonnen und damit auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen mitgenommen. Und nun steht das Team auch in einem Spielrhythmus mit zwei Ernstkämpfen pro Woche. Da hat der CS Chênois nichts Gleichwertiges zu bieten, das letzte Meisterschaftspiel liegt bereits 10 Tage zurück und das ist auf diesem Niveau eine halbe Ewigkeit. Vom Schwung und vom Selbstvertrauen her gesehen kann es in Genf eigentlich nur einen Sieger geben, aber genau das hat es ja vor einem Jahr auch schon geheissen und herausgekommen ist damals genau das Gegenteil. "Wir sitzen alle im selben Boot, und wenn wir einmal verlieren sollten, dann haben wir alle zusammen verloren". Wer dieses Leitmotiv verstehe und umsetze müsste auch fähig sein, ohne Druck aufzuspielen, so Trainer Bolle in seiner Theoriestunde. Er befindet sich immer noch intensiv in der Phase des kittens und wenn die elf Einzelspieler mal wirklich zu einer homogenen Mannschaft zusammengeschweisst sind, dann wehe!