Samstag, 10. November 2007; 19:59
Allgemein

Schweizermeisterschaft NLA: Ein Punkt vor dem Ziel der Aussetzer

Von: Rolando K. Küng

SEAT Volley Näfels vs Lausanne UC: 2:3 (23:25, 23:25, 25:22, 25:22, 15:17)   Die Geschichte dieses packenden Spiels schien geschrieben. Näfels kam nach einem 0:2 Satzrückstand im Tie-Break bei 14:11 zum ersten Matchball. Aber jetzt hiess der Gegner plötzlich nicht mehr Lausanne UC sondern die Angst. Es war die Angst vor dem eigenen Mut, den ungeschlagenen Leader an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben. Und nun waren es dumme Eigenfehler, welche es SEAT Volley Näfels verwehrten den einen und letzten Punkt zum Sieg noch ins Trockene zu bringen.

Bild: rkk-Cédric Hominal wird vom Publikum zum besten Spieler seines Teams gewählt und nimmt dafür ein Präsent aus den Händen von Präsident Klaus Görauch entgegen.


Niemand der das Spiel vor Wochenfrist gegen den TV Amriswil gesehen hatte, konnte glauben, dass es sich bei den Glarnern um die selbe Mannschaft handelte. Klar gingen die ersten beiden Sätze noch knapp verloren, aber auf dem Feld gegenüber stand immerhin der ungeschlagene Leader Lausanne UC. In den Sätzen ein und zwei fehlte bei den Big points noch etwas die Kaltblütigkeit, der viel zitierte Killerinstinkt. Aber gesamthaft gesehen präsentierten sich die Näfelser als kompaktes Team, welches fest entschlossen war, den Studenten aus Lausanne Paroli zu bieten. Und dies setzten sie ab Satz drei auch punktemässig in die Tat um. Unter der Führung eines wieder sichere Annahmen spielenden Captains Andy Sutter erkämpfte sich sein Team eine klare Führung. Diese betrug bis zu sieben Punkte. LUC sah in dieser Phase gar nicht mehr souverän aus. Unter dem Druck der guten Services namentlich von Sutter und Joelson wankte die Waadtländer Festung gewaltig. Das Näfelser Spiel lief wie am Schnürchen und obwohl der Gegner noch einmal bis auf einen Punkt herankam, gewannen die Einheimischen sicher.

 

 

Näfels stellt zum 2:2 nach Sätzen

 

Ein ähnliches Bild bekamen die Zuschauer auch im vierten Satz zu sehen. Näfels gelang es, von Anfang an einige Punkte Vorsprung zu erspielen. So sehr die Romands auch versuchten wieder aufzuschliessen, es gelang ihnen nicht. Eindrucksvollster Spieler bei LUC war der Finne Lauri Hakala welcher ebenfalls als Beach Volleyballer tätig ist. Seine fehlende Grösse macht er mit seiner Sprungkraft locker wett und er verfügt über einen sensationell schnellen Armzug. “Gegen ihn haben wir bis zum Schluss nicht das geeignete Mittel gefunden, ihn zu blocken,” konstatierte Trainer Bolle nach dem Spiel. Glänzen konnte der Finne aber nicht zuletzt auch wegen Passeur Hominal, welcher vom Publikum zum besten Spieler gekürt wurde. “Hominal ist heute der beste Schweizer Passeur,” anerkennt Bolle auch in seiner Funktion als Nationaltrainer. So konnte auch der Kanadier Matt Carere mit seinen unwiederstehlichen Rückraumangriffen noch und noch punkten und auch Mittelblocker Urs Günthör versteht sich bereits blind mit seinem Passeur. Trotzdem ging auch dieser Satz unter grossem Jubel des Publikums an die Näfelser, welche damit den Satzausgleich herstellten.

 

 

Vom Näfelser Spiel angenehm überrascht

 

“Ich bin wirklich ohne grosse Erwartungen an dieses Spiel gekommen,” meinte ein treuer Zuschauer nach dem Satzausgleich. “Aber was ich bisher gesehen habe, hat mein Kommen bereits belohnt.” Und es ging ja auch gleich im selben Stil weiter. Näfels drückte auch dem Tie-Break den Stempel auf. Rasch lag die Bolle-Truppe mit 10:5 in Front. Näfels punktete, Lausanne beging Fehler. Zu sicher fühlte sich nun das Team von SEAT Volley Näfels. Ein entspanntes Lächeln von Joelson zu seinem Passeur war vielleicht ein Zeichen. Unter der besonders lautstarken Führung von Mittelblocker Günthör begann aber LUC mit seiner Aufholjagd.

 

 

Näfels verwertet keinen seiner drei Matchbälle

 

Plötzlich stand es 13:11 und die Lausannois glaubten wieder an ihre Chance. Das nächste Side-out konnte SEAT Volley Näfels aber für sich verbuchen und nun schien das ganze Glück so nah. Die ganze Halle tobte und die Zuschauer standen auf zum letzten Punkt. Aber nicht doch, wie aus dem Nichts passierten nun die dümmsten Fehler im allerunglücklichsten Moment. “Das darf doch nicht wahr sein,” entfuhr es einem der entsetzten Zuschauer. Innerhalb eines kleinen Augenblicks war der Vorsprung weg und bei 14 Punkten Gleichstand. Vinicius wurde nun schlicht zum Pechvogel des Spiels. Nach seinem Punkt zum neuerlichen Ausgleich bei 15 passierte ihm gleich im Anschluss daran ein Servicefehler. Nun standen die Näfelser mit dem Rücken zur Wand und die Nerven hielten dem Druck nicht mehr stand. Joelson besiegelte mit einem weiteren dummen Fehler zum grossen Jubel der Westschweizer seines Teams Schicksal. Konsternation hüben und der Ausdruck des puren Glücksgefühls drüben. So ist Sport und wenn es in diesem Spiel Gerechtigkeit gegeben hätte, die Punkte wären jetzt gleichmässig auf beide Seiten verteilt.

 

 

 

 

linth-arena sgu – 300 Zuschauer – Spieldauer 112 Minuten.

10-Nov-2007

SEAT Volley Näfels – Lausanne UC 2:3 (23:25, 23:25, 25:22, 25:22, 15:17)

 

 

SEAT Volley Näfels: Bedrac (Passeur), Andy Sutter (Captain), Werner (Libero), Roman Sutter, Gygli, Büschi, Brander, Miller, Joelson, Vinicius Trainer: Michel Bolle

 

Lausanne UC: Hominal (Passeur), Wiacek, (Captain), Wälchli (Libero), Heyer J., Froesch, Kusio, Günthör, Chevallier, Carere, Hakala, Trainer: Carl McGown