Dienstag, 15. Januar 2008; 17:09
Allgemein

Schweizermeisterschaft NLA: Déjà-vu - Ostschweizer-Derby gegen TV Amriswil

Von: Rolando K. Küng

Am Samstag startet in Amriswil die Playoff-Serie mit der Affiche des letztjährigen Finals, diesmal aber bereits im Viertelfinale. Einer der beiden Dominatoren wird also schon früh über die Klinge springen müssen und damit sein Saisonziel ganz sicher verfehlen.


Wie gut auch der TV Amriswil während fast der ganzen Quali-Runde aufgetreten ist, so existiert jetzt die Gefahr, dass die ganze Arbeit innerhalb von einigen wenigen Tagen zunichte gemacht werden kann. Mit der unerklärlichen Niederlage im letzten Quali-Spiel zuhause gegen Sursee wurden die Thurgauer in einem Fotofinish, auf der Ziellinie sozusagen, noch auf den dritten Rang verbannt. Und dies bedeutet, dass es ein weiteres Mal zum grossen Duell kommt mit den Glarner Volleyballern von SEAT Volley Näfels und dies ist nicht unbedingt ein Vorteil für Amriswil.


Trainer Benne schafft ein kleines Wunder

Nach dem klaren Sieg in Glarus noch vor gut einer Woche hätte dies wohl keinen einzigen Spieler des TV Amriswil sonderlich beunruhigt und schon gar nicht die leidenschaftlichen Fans. Zu inferior war Näfels da noch aufgetreten und kassierte eine Kanterniederlage, ja eine schallende Ohrfeige gar. Der Serienmeister war am Boden zerstört. Jetzt musste gehandelt werden und wie schon oft in der Vergangenheit, zauberten die Verantwortlichen auch jetzt wieder eine Patentlösung aus dem Hut. Innerhalb von 24 Stunden wurde Nationaltrainer Bolle durch den holländischen Alt-Internationalen Edwin Benne abgelöst. Fragende Blicke auf den Gesichtern der Spieler hätten ihn empfangen, gab er zu Protokoll und er selbst habe ja auch überhaupt keine Zeit gehabt, sich auf diese schwierige Aufgabe vorzubereiten. In nur sechs Trainingstagen und einem Spiel mit einer klaren Niederlage gelang es ihm aber, aus dem Haufen an geprügelten Knaben wieder stolze Volleyballspieler zu machen. Wenig Zeit genug um dann am Sonntag vor einem lautstarken Publikum ein Spiel abzuliefern wie man es von dieser Mannschaft wohl noch nicht gesehen hat. So fest auch Trainer und Spieler daran geglaubt haben müssen einen Sieg zu landen, so hat wohl doch niemand ihnen zugetraut, dass er gleich auf so klare Weise zustande kommen könnte.


Einer ist des anderen Schicksal

So hat also ein einziges Spiel im Verlauf einer ganzen Saison einerseits dafür gesorgt, dass das Stärkeverhältnis zwischen den beiden Teams wieder ins rechte Licht gerückt wurde und andererseits und dies wiegt viel schwerer, dass die Baghdady-Truppe mindestens eines ihrer Ziele nun ebenfalls verfehlt hat und darob ganz schön ins Grübeln gekommen ist. Mit dem Gewinn des Supercups zu Saisonbeginn haben ja die Thurgauer dafür gesorgt, wenn auch knapp, dass auch SEAT Volley Näfels bereits nicht mehr wie im Vorjahr gleich sämtliche drei Titel holen konnte. So findet also die Serie gegenseitig des anderen Schicksal zu sein mit den nun beginnenden Viertelfinals ihre Fortsetzung.


Riesiger Erfolgsdruck für Amriswil

Seit Jahren treffen die beiden Teams in den grossen Entscheidungen aufeinander. Den Oberthurgauern gelang aber bisher nur ein einziges Mal der grosse Coup den erfolgsgewohnten Glarner Klub zurückzubinden. Dies war im Halbfinale der Meisterschaft 2006 in welcher die Näfelser lediglich die erste und bisher einzige Bronzemedaille gewannen. Bestimmt war und ist aber die Chance in diesem Jahr noch grösser, den Erzrivalen Näfels in die hinteren Ränge der Tabelle zu verbannen. Und bestimmt gibt es nichts was sich Spieler und Trainer mehr wünschen, als endlich mal die hartnäckigen und erfolgreichen Glarner zurückzubinden, was auch mehr als verständlich ist. Nun aber, nach dem klaren Näfelser Sieg vom Sonntag im Cup und der gleichzeitigen Elimination der Amriswiler aus diesem Wettbewerb, scheint dies wieder in etwas grössere Entfernung gerückt zu sein. Wer die Geschichte kennt ist geneigt zu sagen, dass das Momentum nun plötzlich wieder auf Glarner Seite steht. Natürlich hat die wiederauferstandene Truppe unter Trainer Benne noch nicht beweisen können, dass die Leistung im Cup nicht lediglich eine Eintagesfliege war. Fact aber ist, dass durch die vom TV Amriswil in der Bevölkerung selbst geschürten Erwartungen nun tonnenschwer auf den Schultern der Amriswiler Spieler lasten müssen. In einer Serie mit nur drei Spielen muss jede Mannschaft vom ersten Punkt an Vollgas geben. Was passiert wenn man dies nicht tut, hat der CS Chênois letztes Jahr gegen Sursee sehr schmerzhaft erfahren. Das siebtplatzierte Sursee eliminierte mit 2:0 Siegen völlig überraschend den haushohen Favoriten aus Genf. Und genauso steht also im Moment noch nirgends geschrieben, dass sich der TV Amriswil gegen SEAT Volley Näfels in dieser Serie durchsetzt und dies trotz schlechter Leistung der Glarner während des ganzen Spätherbstes. Sport kennt keine Gerechtigkeit, nur Sieger und Verlierer.