Schleier gelüftet – Vorstellung gelungen
Am Mittwoch Abend präsentierte SEAT Volley Näfels im sgu stolz das Gesicht seiner neuen Mannschaft. Gastierten Spieler wie Bedrac, Bär, Büschi oder Werner in der linth arena noch vor kurzem in den Farben des Gegners, sind aus ihnen innert kürzester Zeit und nun in leuchtendem Gelb gekleidet, bereits waschechte Näfelser geworden. Im Interview bei der Vorstellung und dem anschliessendem Spiel gegen Saint-Louis VB, einem Team aus dem Elsass, zeigten die Spieler dann, warum sie ins Glarnerland gekommen sind.
Glaubt man eine Eigenheit der neuformierten Mannschaft bereits jetzt erkennen zu können, dann vielleicht die dass bisher noch in keinem Trainingsspiel der erste Satz gewonnen werden konnte. „Wir sind in der Tat noch zu unkonstant und haben Startschwierigkeiten“, meint Daniel Werner der neue Libero, welcher auf Empfehlung von Stefan Kobel von Voléro Zürich nach Näfels geholt wurde. „Ich hoffe schwer dass wir da noch werden zulegen können, vor allem am Anfang ist es doch wichtig Präsenz zu zeigen“, ist Libero Werner überzeugt. „Alle unsere Spieler haben noch grosses Steigerungspotenzial“ doppelt Trainer Juan Manuel Serramalera nach. „Rafa Lins kehrt von einer Operation zurück und auch Gaston Alvarez konnte in den letzten Monaten nie voll belasten“, stellt sich der Argentinier vor seine beiden Schützlinge mit Leistungsträger-Erwartungen. Er muss es ja wissen, konnte er doch während seiner Zeit als Spieler genügend Erfahrungen sammeln. Wenn man zurückblendet ins Jahr 2002 erinnert man sich, dass auch er selbst über längere Zeit mit seinen Leistungen nicht über das Mittelmass hinausragte, sich aber während der Saison erheblich steigerte und schliesslich Meister wurde als Spieler und Trainer.
SEAT Volley Näfels – Saint-Louis VB 3:1 (20:25, 25:22, 25:23, 25:21)
Nach dem schwachen Spiel im Startsatz welcher klar an die Elsässer ging konnte es eigentlich nur noch besser werden. In der Grundaufstellung mit Passeur Bär, Mittelblocker Osias und Büschi, den Annahmespielern Andy Sutter und Alvarez (Tonga) sowie Diagonalangreifer Obeid und Werner auf dem Liberoposten fand Näfels ab dem 2. Satz um einiges besser ins Spiel. War Andy Sutter in der Annahme noch verletzlich, so spielte er im Angriff umso sicherer. Mit Captain Rafa und Libero Werner ist die Annahme aber sehr stabil und der Angriff über die Mitte dürfte dank Marcus Osias so stark sein, wie dies die letzten Jahre nie mehr der Fall war. Die Sätze zwei und drei gingen so knapp aber verdient an die Gastgeber. Es war logisch, dass damit im vierten Satz Varianten getestet werden konnten. So brachte Trainer Serramalera den von Voléro nach Näfels zurückgekehrten Passeur Ivan Bedrac sowie Junior Roman Sutter anstelle von Samuel Büschi in der Mitte. Dabei zeigte sich, dass mit diesen beiden Spielern eigentlich schon jetzt diese Positionen praktisch gleichwertig besetzt sind und sich hier ein gesunder Kampf um den Stammplatz entwickeln dürfte, was letztlich dem Niveau für die ganze Mannschaft einiges bringen kann. So ging denn auch in dieser Besetzung Näfels als Gewinner vom Platz. Bestimmt war es noch kein Spiel, welches die anwesenden Zuschauer von den Sitzen riss, aber es ging ja auch um nichts ausser eben darum sich vorzustellen und dabei hat man eine sehr sympathische Truppe am Werk gesehen die sichtlich mit Freude Volleyball spielt. „Spanisch hat Englisch als Teamsprache verdrängt, dadurch sind alle Spieler gezwungen, sich für die Kommunikation etwas mehr Zeit zu nehmen mit dem Resultat, dass am Schluss alle mehr miteinander reden“, konstatiert ein sichtlich zufriedener Manager Gygli.
Nun folgt der Supercup in Lausanne
Nach der ersten grossen Ernüchterung gleich zu Beginn der letzten Saison mit der Startniederlage gegen PV Lugano, sieht das Programm diesmal auf dem Papier etwas einfacher aus. Mit Sursee und Aufsteiger Andwil-Arnegg stehen Gegner bereit, welche sowohl von der Vereinstruktur als auch von den Ambitionen her nicht mit den Näfelsern vergleichbar sind. Als Stolperstein könnte sich höchstens erweisen, dass die beiden Startspiele innerhalb von 5/4-Stunden gespielt werden müssen. Im Idealfall ergibt dies bei Spielen auf zwei Gewinnsätze also vier gespielte Sätze. Man kann darauf vertrauen dass das Team unter Captain Rafa Lins über genug Erfahrung verfügt, diesem Umstand die nötige Wichtigkeit beizumessen und sicher hat Trainer Serramalera dies in der vergangenen Woche auch geübt. Entscheidend über den Einzug ins Halbfinale wird aber so oder so das Spiel gegen Erzrivale TV Amriswil. Hier wird sich sicher erstmals zeigen wie stressresistent die neue Mannschaft ist. Spielerisch braucht sie sich hinter den Thurgauern bestimmt nicht zu verstecken aber in einem Spiel über lediglich zwei Gewinnsätze kommt dem Coaching eine entsprechend höhere Bedeutung zu. Hier ist die Konzentration und das Feeling des Trainers gefragt und da ja der selbe Trainer coacht wie letztes Jahr, dürfte auch für ihn die völlig überraschende Niederlage gegen die Tessiner aus dem letzten Jahr immer noch eine nachhaltige und heilende Wirkung haben. Ist die Hürde der Gruppenspiele einmal genommen, kommt es im Halbfinale zum ersten grossen Aufeinandertreffen gegen ein Team aus der lateinischen Schweiz. Diese Gruppe scheint mit Meister CS Chênois, Lausanne UC und PV Lugano sowie dem ersten Aufsteiger Münsingen eher stärker besetzt als die Deutschweizer-Gruppe. Eine Prognose über den Ausgang der Sonntags-Spiele zu wagen wäre vermessen. Zuwenig kann man die effektive Stärke und den Vorbereitungsstand der möglichen Gegner abschätzen. Wohl noch wie selten zuvor, seit der Supercup in dieser Form in Lausanne ausgetragen wird, war der Ausgang des Turniers derart offen wie dieses Jahr, da auch Meister CS Chênois als Überflieger der letzten Saison mit dem Abgang seiner beiden türkischen Ausnahmekönner und Sunnyboy Gustavo Meyer einen empfindlichen Aderlass hinnehmen muss.



























































































