Samuel Ehrat – der Baselbieter Volleyballer mit politischem Flair
Samuel Ehrat spielt seit fünf Jahren bei Biogas Volley Näfels. Vom Junior wurde der 24-jährige Zwei-Meter-Mann zum Leistungsträger, nicht nur im Verein, sondern auch im Nationalteam. Doch wer ist dieser Samuel Ehrat?
Es dauerte seine Zeit, bis Samuel Ehrat zum Volleyballsport fand. Am Ende der Primarschulzeit nahm ihn eines Tages sein Nachbar mit ins Training zum VBC Bubendorf, dem Volleyballverein seiner Wohngemeinde. Er selbst hätte nie gedacht, dass dies der Startschuss zu einer sehr erfolgreichen Volleyballkarriere war. Von Bubendorf über Liestal, Gelterkinden und der Junioren-Nati kam er 2011 zu Jona und Näfels - als Junior durfte er gleichzeitig in zwei Vereinen spielen. Der Grund seines Umzugs in die Ostschweiz heisst Urs Winteler. Der damalige Trainer der Junioren Nationalmannschaft entdeckte und förderte den grossgewachsenen jungen Mann. Dafür ist Samuel Ehrat sehr dankbar: „Das war eine gute Zeit in Jona, Urs Winteler ist ein mega guter Trainer, der mir sehr geholfen hat.“
Auch mal richtig sauer
Seit 2011 gehört der Baselbieter also zum Kader der ersten Mannschaft von Biogas Volley Näfels. Es gefällt ihm im Glarner Unterland. „Es ist super hier. Ich glaube, dass es nur wenige Vereine wie Näfels gibt. Das Umfeld stimmt, ist sehr familiär und unkompliziert. Hier schaut und hält man zu den Spielern. Auch der Teammanager Ruedi Gygli macht das ausgezeichnet“, beschreibt er seinen Verein. Ein halber Glarner sei er in dieser Zeit noch nicht geworden. „Aber wenn ich daheim bin, werde ich manchmal schon etwas hochgenommen, da mein Dialekt einen Hauch Glarnerdeutsch angenommen hat“, verrät er schmunzelnd. Die Glarner beschreibt er als herzliches und offenes Volk, sobald man den ersten Kontakt geknüpft hat.
Der stets ruhige und besonnen wirkende Mittelblocker gesteht, dass er im Umfeld des Sports „schon mal richtig sauer werden kann, vor allem auf mich selber, im Training wie auch in den Spielen.“ Auch die Politik in der Schweiz kann ihn manchmal hässig machen. In dieser Hinsicht ist er jedoch auf bestem Weg Einfluss zu nehmen, absolviert er doch ein Politologie-Studium an der Uni Zürich in Kombination mit Geschichte der Neuzeit. Deshalb überrascht es nicht, dass es immer wieder zu spannenden Diskussionen zwischen ihm und dem Vereinspräsidenten und Nationalrat Martin Landolt kommt. Ebenso interessant seien die Vorlesungen mit bekannten Grössen wie Claude Longchamp, sagt er der angehende Politik-Wissenschaftler zu seinem Studium.
Beeindruckt von Dan Alexander
Schöne Momente im Sport, wie etwa der Sieg am letzten Sonntag im Cup-Halbfinal in Amriswil oder der Cup-Sieg 2014, den er als bisher schönsten Moment seines Volleyballer-Lebens einstuft, gehen Samuel Ehrat unter die Haut. „Als ich das Video dieses Finals nochmal schaute, bekam ich schon etwas Hühnerhaut“, schildert er. Auch Filme wie beispielsweise „Schindler‘s List“ fahren Samuel Ehrat ein. Beeindruckt zeigt er sich auch von Dan Alexander, seinem Teamkollegen der zwei vergangenen Jahre, ehe dieser aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden musste. Ehrat über Alexander: „Er war ein äusserst starker Mitte-Spieler, aber auch ein wunderbarer Typ, dazu zeigte er eine fast unerreichbare Trainingsmentalität, welche ich bisher in ähnlicher Weise nur noch bei Daniel Werner sah. Da Dan auf derselben Position wie ich spielte, konnte ich von ihm viel profitieren. Ja er ist in gewisser Weise schon ein Vorbild für mich.“
Sicher noch eine Saison
Im Gegensatz zu vielen Sportlern, welche sehr zielgerichtet ihre Karriere vorantreiben, beschreibt sich Samuel Ehrat als einer, der eher in den Tag hineinlebt. „Grosse Planungen sind nicht mein Ding. Das war auch im Volleyball so. Ich habe nie gesagt, dass ich einmal in der NLA spielen will. Mein Motto ist, ‘Nehmen wie es kommt‘ und sich ergebende Chancen nutzen.“
Ans Aufhören dachte er bisher nicht. Nächste Saison will er sicher noch weitermachen, doch was dann folgt, lässt er offen, getreu seines Mottos. In seinen Überlegungen spielt auch die Nati eine wichtige Rolle. „Ich spiele gerne dort, das Nationalteam ist wichtig für mich“, gesteht er, ergänzt dann aber, dass diese Termine wie auch der grosse Trainingsaufwand mit dem Verein manchmal kaum mit dem Studium unter einen Hut gebracht werden könnten. Wenn der Spagat einmal nicht möglich ist und er sich zwischen Volleyball und Studium entscheiden muss, so gibt er meistens dem Sport den Vorzug. Neben Studium und Sport nimmt sich Samuel Ehrat Zeit um sich mit Youtube Videos das Gitarrenspiel beizubringen, Serien und Filme zu schauen und Musik zu hören. „Langweilig wird es mir nie, ich habe immer etwas zu tun“, erläutert er.
Wilder Westen
Sehr gut gefällt es ihm in Basel. „Wenn ich nicht hier wohnhaft wäre, dann würde es mich in die wunderschöne Stadt Basel ziehen. Aber jeder Ort hat etwas Spezielles“, zeigt er sich offen und erwähnt dabei auch die schönen Seiten von Zürich und dem Glarnerland. Bisher hat er Südostasien schon mehrmals bereist, möchte gerne noch mehr davon sehen. Im Sommer ist eine Reise auf die Philippinen geplant. Auch ein Trip entlang der Westküste Nordamerikas von Canada bis nach San Diego will er unbedingt einmal machen und dabei seine ehemaligen Teamkollegen Dan Alexander und Dean Bittner in Los Angeles besuchen. Vielleicht ergibt sich dann die Möglichkeit, um dort gemeinsam mit den beiden ein richtig dickes und saftiges Steak zu essen, etwas, dass er genauso gerne hat wie seine alten Teamkollegen aus den USA.



























































































