Playoff-Final, Best-of-seven, 3. Spiel: Die Reifeprüfung abgelegt
Vor wiederum fast tausend Zuschauern gelang dem TV Amriswil eine Leistungssteigerung. SEAT Volley Näfels spielte nicht mehr ganz so stilsicher wie im zweiten Spiel und deshalb musste ein Tie Break darüber entscheiden wer in dieser heissumkämpften Serie mit einem Sieg mehr in Führung gehen konnte. Die Thurgauer zeigten grossen Kampfgeist, mussten sich schlussendlich aber einem um eine Spur besseren SEAT Volley Näfels beugen.
Zeigte sich das Heimteam noch vor einer Woche etwas überrascht durch die lautstarke Fankulisse und liess sich dadurch auch unter Druck setzen, so sah man gleich zu Beginn, dass dieses Thema während der Woche sehr gut aufgearbeitet wurde. “Trainer Baghdady hat vor allem auch unsere Stärken genauestens unter die Lupe genommen mit dem Resultat, dass die Abgrenzung der Bandenwerbung näher zum Spielfeld gerückt wurde,” stellte Manager Ruedi Gygli vor dem Spiel die Veränderung gegenüber dem zweiten Spiel fest. Damit verkürze man den Platz zum Anlauf beim Service, was vor allem Auswirkungen auf den sehr wirkungsvollen langen Float von Marcus Osias haben werde. Dieser setzte den Gegner von Anfang an unter grossen Druck damit im zweiten Spiel. Und in der Tat, servierte der Brasilianer bei weitem nicht mehr so effizient und zeigte auch im Angriff nicht mehr die sehr starke Leistung des letzten Spiels. So ging also mindestens diese Massnahme voll auf und war teilweise mitverantwortlich dafür, dass Näfels seinen Gegner nicht mehr so klar dominieren konnte.
Es war eine wahre Freude
Ausserdem war es unschwer festzustellen mit wieviel Freude die Amriswiler dieses Volleyballfest zelebrierten. Trainer Baghadady dazu vor dem Spiel:”Die ganze Woche über war die Freude am Spiel ein zentrales Thema bei uns. Natürlich bin ich im Training immer noch unerbittlich hart, aber das Spiel ist der Lohn für unsere harte Arbeit und soll als Fest gelebt werden.” Aus den Aussagen des Iraners in Thurgauer Diensten tönt, was beim Argentinier Serramalera schon seit Jahren im Vordergrund steht. Und nicht selten waren Näfelser Teams in der Vergangenheit in der Lage über die Freude zurück ins Spiel und zum Sieg zu finden. Wenn man die langen Gesichter der Glarner nach der 14:25 Klatsche im zweiten Satz sah, war bestimmt auch hier das Rezept zurück ins Spiel, Freude zu haben und Freude zu verbreiten. Und tatsächlich lieferten die Spieler unter Captain Rafa’s Führung einen überzeugenden dritten Satz ab, nicht eben sehr zur Freude des Heimpublikums vielleicht, aber ganz bestimmt zur grossen Befriedigung der paar Dutzend Glarner Fans, für welche nach diesem Satz eigentlich die Welt schon wieder ganz schön in Ordnung war.
Alles im Griff bei Libero Werner
Augenfällig war die stark verbesserte Leistung des Liberos. Er wirkte sicher und nicht mehr überlastet. So machte es ihm auch überhaupt nichts aus, dass zeitweise ganze Serien auf ihn serviert wurden, ganz im Gegensatz zum zweiten Spiel. Da war er öfters unsicher und der eigentliche Schwachpunkt. “Ich denke ich habe ein gutes Spiel abgeliefert und bin sehr glücklich darüber,” meinte er strahlend nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge. Erstaunlicherweise konnte Amriswil auch in diesem Spiel keinen genug hohen Druck beim Service entwickeln und damit die Annahme der Näfelser vor grössere Probleme stellen. Andy Sutter und Rafa bildeten mit Libero Werner eine sehr solide Annahme welche es Passeur Bär eigentlich hätte erlauben sollen, auch seine Mittelangreifer öfters einzusetzen. Dazu Andwil-Trainer Fink als neutraler Beobachter:”Der Passeur ist nicht sehr risikofreudig, er spielt zu oft hoch auf die Aussenpositionen, was das Spiel einfach lesbar macht.” Und er gibt auch gleich noch einen Tip ab indem er sagt:”Näfels Mitte ist derart stark, setzt er diese öfters ein, hat Amriswil keine Chance.” Ausserdem hätten die Näfelser halt doch die besseren Einzelspieler, stellte er abschliessend noch fest.
Amriswil gibt sich nie geschlagen
Betrachtet man den Spielverlauf als Ganzes stellt man fest, dass mit Ausnahme des zweiten Satzes welcher ganz einfach vergessen werden darf, immer SEAT Volley Näfels mit einigen Punkten in Führung gehen konnte, ehe dann die äusserst kampfstarke Truppe unter dem Zepter von Captian Christian Willi wieder den Ausgleich schaffte. Als sehr auffälliger Spieler darf der junge Adrian Schläpfer (20) bezeichnet werden. “Er ist ein riesen Talent und hat die seltene Fähigkeit den Ball immer am idealen Punkt zu treffen,” kam sein Trainer über ihn ins Schwärmen. Und tatsächlich lässt sich seine Angriffsstatistik sehen. Er erzielte ausgezeichnete 16 Punkte aus 20 Angriffen. Trotz seinem guten Spiel mit der Niederlage zeigte er sich nach dem Match kämpferisch und optimistisch:”Natürlich fühle ich mich im Moment nicht optimal, aber das nächste Spiel gewinnen wir und wir sind auch in der Lage die Serie noch zu drehen und Meister zu werden.” Druck habe er eigentlich keinen gespürt, denn der Trainer riet ihm ganz einfach sein Spiel zu machen. Und wie gut ihm dies gelungen ist, davon können auch die Näfelser Blockspieler etwas erzählen, welchen es wenigstens bei ihm nie wirklich gelungen ist, ihn in den Griff zu bekommen.
Diagonalangreifer unter den Erwartungen
Nicht den besten Tag hatten hingegen gleich beide Diagonalangreifer auf dem Feld, der Tscheche Zvolanek bei Amriswil und der Argentinier Obeid bei Näfels. Keinem der beiden gelang es, aus den erhaltenen Chancen unwiderstehlich den Punkt zu machen, was man eigentlich vom Spieler auf dieser Position erwarten kann und in der Regel auch sieht. In beiden Teams standen auf der Diagonalposition schon sehr gute Volleyballspieler und man darf auf eine deutliche Leistungssteigerung gespannt sein. Zu hoffen, dass es Obeid gelingt, das nächste Spiel mit der Leistung durchzuziehen welche er zum Schluss dieser Partie zeigte. So könnte auch er es sein, welcher im nächsten Spiel die entscheidenden Punkte macht und dem Spiel mit seinem druckvollen Spiel den Stempel aufdrückt.
Dass SEAT Volley Näfels im Stande ist die Serie mit einem weiteren Sieg nun endgültig in die richtige Richtung zu lenken, daran zweifelt eigentlich auf Glarner Seite niemand. Aber zuerst muss nun ein erster Heimsieg her, denn bisher schwang immer die Gastmannschaft obenaus. Bliebe dies so, hiesse am Schluss der Meister TV Amriswil.



























































































