Sonntag, 24. Februar 2008; 02:32
Allgemein

PAX Volley Cupfinal: Kein Wunder in Bern

Von: Rolando K. Küng und Köbi Hefti

SEAT Volley Näfels verliert in Bern nach gutem erstem Satz trotzdem - aber nicht sehr überraschend - seinen 12. Cupfinal.   Trotz anfänglicher Nervosität gelingt es Lausanne UC in der Folge den Klassenunterschied klar aufzuzeigen und das Spiel sicher in drei Sätzen zu gewinnen.

"Eigentlich fühle ich mich ganz komisch", lieferte Lausanne-Captain Piotr Wiacek einen eher überraschenden Kommentar zu seiner Gefühlslage nach dem Spiel. Präzisierte dann aber doch: "Ja, wenn man so lange Spitzenvolleyball spielt wie ich und dann plötzlich und endlich den ersten Titel gewinnt, ist das schon sehr komisch." Manager und Macher bei Lausanne UC, George-André Carrel zollte aber der Leistung der Näfelser trotz klarem Sieg grossen Respekt indem er feststellte: "Hätte Näfels den knappen ersten Satz gewonnen, wäre wohl mit dem Schub an Selbstvertrauen das Spiel ganz anders herausgekommen."

 

Abgelegte Nervosiät führte zur Wende

Fact aber ist dass es LUC nach sehr ausglichenem Spielverlauf erst beim Stand von 20:21 wirklich begann davonzuziehen um den sehr hart umkämpften Satz für sich zu entscheiden. Näfels hatte aber durchaus auch seine sehr guten Momente in diesem Satz und lag sogar mit 15:12 vorn. Ab jetzt begann aber der Motor der Lausannois wirklich warm und rund zu laufen und in einem Zug holten sie die drei Punkte wieder auf. Nun war auch ihre zu Beginn deutlich sichtbare Nervosität weg. "Ist ja klar, dass die Spieler am Anfang nervös waren, schliesslich waren sie die klaren Favoriten ohne jedoch bisher je einen Titel gewonnen zu haben", erklärte Carl McGawn an der Pressekonferenz. Leider war es gerade der erfahrenste aller Näfelser Spieler welcher in diesem ersten Satz mit seinen Chancen allzu fahrlässig umging und Punkte nicht machte, welche er eigentlich klaren buchen müsste. Anders die jungen Spieler Vinicius und Captain Sutter, welche ihre Sache gut machten und bestimmt nicht für den doch ärgerlichen Verlust des Startsatzes verantwortlich gemacht werden können.

Gesamthaft liess aber die Leistung der Benne-Truppe doch darauf hoffen, nun halt den nächsten Satz zu gewinnen. Man hatte zu diesem Zeitpunkt noch ein sehr gutes Gefühl.

 

 

Lausannes' klare Akzente

Was aber folgte war schon schnell ein richtiges Schaulaufen der Waadtländer. Ein wahres Feuerwerk an schönen Angriffen, mal von Diagonalspieler Hakala (Fin), mal vom Annahmespieler Carere (Kan) und immer unter der souveränen Regie des Ersatzpasseurs (!) Sebastien Chevallier. Zählt man die Punkte der beiden Angreifer zusammen, deren elf an der Zahl und addiert diese mit den acht Eigenfehlern Näfels' ergibt sich daraus der klare Satzverlust und damit die 2:0 Führung von Lausanne. Ob da wohl bereits eine Vorentscheidung gefallen war?

 

 

Libero Werner spektakulär

Sah man sich die Mienen der Näfelser Spieler etwas genauer an, konnte man doch bereits einen Anflug von Resignation ausmachen. Auch Trainer Bennes' Körpersprache verriet Entsprechendes und sein Auswechselfrenesi zum Schluss dieses Satzes lies keine klare Linie mehr erkennen, ohne vielleicht diese, dass er diesen Satz bereits aufgegeben hatte. Dabei waren diesmal bestimmt nicht die Annahmen das Übel, sondern ganz klar die Block-Verteidigung. Löbliche Ausnahme war Libero Werner, welcher inspiriert auftrat und seinen Job einmal mehr vorzüglich und oft sehr spektakuläre Aktionen zeigte.

 

 

Les jeux sont faits

Bald schon sah man auch im nächsten Satz, dass es wohl heute kein "Wunder von Bern" geben würde. Zu stark spielten nun die Favoriten aus Lausanne auf und mit dem Sieg vor Augen liessen sie von Anfang an keine Zweifel mehr offen über den Ausgang dieses Satzes und damit des Spiels. Wohl waren sie heute auf zu vielen Positionen individuell besser besetzt als der Cupverteidiger. Coach McGawn benötigte erst bei 17:23 ein Timeout und auch nur deshalb, um nicht noch einen Stein ins Rollen zu bringen, nachdem Näfels bei klarem Rückstand zwei Punkte in Folge buchte. Vornehmlich in diesem dritten und leider letzten Satz kam Näfels' Mitte mit Roman Sutter und Miller sehr gut zur Geltung. Sie buchten fünf Punkte in meist sehr schönen Angriffen nach Masspässen von Passeur Bedrac.

 

Gesamthaft vermochte Näfels heute diesem starken Gegner aber nicht zu folgen und mit Lausannes' zweitem Cupsieg nach 1995 geht der verdiente Sieger vom Platz. Die Hoffnung der ganzen Näfelser Mannschaft war vor dem Spiel sehr gross und auch wenn es nun nicht zur Titelverteidigung gereicht hat, kann dem ganzen Team doch attestiert werden, dass es vollen Einsatz gezeigt und seine Haut so teuer es eben möglich war, verkauft hat.

 

Matchtelegramm Swiss Cup Final

 

Wankdorfhalle, Bern 23.1.2008, 18:00

Spieldauer:  71 Minuten

Zuschauer: 2100

 

SEAT Volley  - Lausanne UC - 0:3 (20:25, 16:25, 18:25)

 

SEAT Volley Näfels: Bedrac (Passeur), Andy Sutter (Captain), Werner (Libero), Vinicius, Lastres,  Büschi, Miller, Roman Sutter, Joelson, Suter, Brander, Gygli Trainer: Edwin Benne

 

Lausanne UC: Wiacek (Captain) Chevallier (Passeur), Wälchli (Libero), Raffaeli, Günthör, Carere, Hakala, Kusio, Trainer: Carl McGown

Trainer: Jalal Baghdady

 

 

1.SR: Flückiger, 2.SR: Bollier