Donnerstag, 29. März 2007; 12:36
Allgemein

Nur der Kübel erlitt Schiffbruch

Von: Die Südostschweiz - Ruedi Gubser

Und der achte Streich folgte sogleich. Nach einem Jahr Unterbruch sicherte sich Näfels den achten Meistertitel. Damit zogen sie mit Rekordhalter Servette gleich. In Rekordzeit gewann Näfels gestern Abend das fünfte Spiel.

Das Publikum in der lintharena sgu erhob sich von seinen Sitzen. Das kündigt jeweils etwas Besonderes an, wenn die Gelben spielen. Es kam dann auch etwas Spezielles. Die gelben Näfelser Volleyballer holten sich Gold in der Schweizer Meisterschaft und ihren achtenTitel in zehn Jahren. Auch das ist etwas Besonderes. Die 1000 Zuschauer blieben gleich stehen. Niemand wollte mehr sitzen - auch die enttäuschten Amriswiler nicht. Diese hatten im Ostschweizer Derby nur zweimal die Nase vorn gehabt: Als sie in der best-of-7-Serie mit 1:0 Siegen in Führung gegangen waren und gestern nach dem Spiel, als sie zuerst zur Siegerehrung gerufen wurden.

 

Hochkonzentriert und agil

 

Am Schluss triumphierten die als Favoriten in den Playoff-Final gestarteten Näfelser, die ihrer Rolle erst gestern richtig gerecht wurden und dem Druck wie alte Routiniers standhielten, was keine Selbstverständlichkeit war, denn eigentlich hatten die Amriswiler relaxter antreten können, weil sie nichts mehr zu verlieren hatten. Doch Näfels pushte sich gestern zu Sieg und Titel. Hochkonzentriert agierend, blieben die Näfelser bis auf wenige Ausnahmen im zweiten Satz von Durchhängern verschont und machten diesmal den Sack zu. «Wir spielten schon am Sonntag ähnlich gut, verpassten es damals aber, die Partie schnell zu beenden. Zum Glück gelang uns das diesmal», meinte ein überglücklicher Captain Rafael de Souza.

 

Für Daniel Werner, Marco Bär und Samuel Büschi war der Triumph ebenfaIls etwas Spezielles. Sie feierten ihren ersten Meistertitel. «Es ist offensichtlich so, dass man zu Näfels gehen muss, will man einen Titel gewinnen», sagte der Ex-Amriswiler Marco Bär. «Ich kam zum richtigen Zeitpunkt nach Näfels. Nun hoffe ich, dass dies der Anfang einer Serie ist.» Den Faktor Näfels streicht auch Libero Daniel Werner hervor. «Für einen Titel muss man zu Näfels.» Werner hofft nun auf eine Vertragsverlängerung. «Ich würde gerne in Näfels bleiben.»

 

Motiviert bis über beide Ohren

 

Die Näfelser waren geladen gewesen. Es war spürbar, dass sie im fünften Spiel den vierten Sieg und damit die Meisterschaft holen wollten. Dementsprechend «heiss» starteten sie in die Partie. Captain Rafa nahm seine Führungsrolle in dieser Hinsicht sehr ernst. Mit viel Luft im Mund und aufgeblasenenWangen sowie Dampf hinter dem Aufschlag begann er mit einem Ass. Der Brasilianer war aber nicht nur als Motivator top, er verbuchte im Startsatz auch am meisten Gewinnpunkte und machte nach dem ersten auch den letzten Punkt zum 25:22. Der erste Schritt zum Meistertitel war gemacht.

Was sich ab Mitte des ersten Abschnittes angedeutet hatte, setzte sich im zweiten verstärkt fort. Amriswil konnte sich einerseits besser auf die Näfelser Wucht einstellen und andererseits Näfels den Druck nicht aufrecht erhalten. Die Folge war ein äusserst ausgeglichener zweiter Durchgang, in dem Näfels beim 11:12 erst zum zweiten Mal in der Partie in Rückstand geriet - genau zum Zeitpunkt als der Fanclub-Speaker mit seinem Mikrofon die Sprechchöre «Näfels, Näfels, Näfels», begleitet vom ohrenbetäubenden Trommelschlag, zu inszenieren begann. Als Amriswil mit 22:20 führte, schien der Satz für Näfels verloren. Aber jetzt offenbarte sich die Schwäche der Thurgauer, die den Näfelsern schon am Sonntag zum Sieg verholfen hatte. Amriswil brachte auch diesmal den Vorsprung nicht über die Runden und brachte die Gastgeber mit zwei Eigenfehlern wieder zurück. Eine Finte am Netz von Alvarez und ein Serviceass von Andy Sutter bedeuteten die Wende und den Gewinn des zweiten Durchgangs mit 25:22. Der zweite Schritt zum Meistertitel war gemacht.

 

Beinahe verfrühter Jubel

 

Der für sie ärgerlich verpasste Satzausgleich liess die Amriswiler jedoch nicht in ein Loch fallen. Sie erwischten im dritten Durchgang den besseren Start und führten mit 8:7. Danach fand Näfels zum Powerspiel des ersten Satzes zurück, drehte den Spiess und zog auf 21:17 davon. Bei dieser Führung jubelten die Spieler bereits ein erstes Mal. Sie wussten, es fehlte nicht mehr viel zum Sieg. Diese Vorfreude schlug sich aber etwas auf die Konzentration nieder, und Amriswil kam nochmals auf 20:21 heran. Das war aber nicht mehr als ein Strohfeuerchen. Das Schlussfeuerwerk zündeten die Näfelser, allen voran Andy Sutter, dem nach einer starken Leistung die Ehre zukam, den Matchball zum 25:21 zu verwerten.

 

Kein Bruch mit der Tradition

 

Die Zuschauer standen auch noch, als der neue Schweizer Meister mit dem Pokal seine Ehrenrunde drehte und applaudierten den «Helden“ heftig. So heftig, dass es dem Meisterpokal den Deckel «lupfte» und dieser beim Herunterfallen leichten Schaden nahm. Das hingegen ist für eine meisterliche Polonaise nichts Aussergewöhnliches.

 

Näfels - Amriswil 3:0 (25:22, 25:22)

 

lintharena sgu - 1000 Zuschauer – SR: Tschumi/Wolf. - Spieldauer: 65 (22, 21, 22) Minuten.

 

Näfels: Bär (Passeur), Obeid, Andy Sutter, Osias, Büschi, Rafa, Werner (Libero); Alvarez, Bedrac, R. Sutter, Gygli, Prawdzic.

 

Amriswil: Petzold (Passeur), Stojkovic, Zvolanek, Dalog, Willi, Karic, Kertai (Libero); Rutishauser, Hermann, Schläpfer, Büsser.

 

Captain Rafa präsentiert stolz den soeben gewonnenen Meisterpokal