Samstag, 12. September 2009; 10:53
Allgemein

NLA: Gustavo Meyer - Ein Interview

Von: Rolando K. Küng

Einfach war es nicht, den Aussenangreifer der Mexikanischen Volleyball Nationalmannschaft diesen Sommer zu treffen. Laufend jettete Meyer zwischen Mexiko und Europa hin- und her. Da ist einmal der Einsatz seiner zukünftigen Frau Sarah Schmocker als Beach-Profi auf der FIVB-World Tour und andererseits sein Einsatz mit der Nati um die Qualifikation zum WM-Endrunde in Italien vom Herbst 2010. So fand Gustavo Zeit zur Beantwortung der Fragen auf seinem Laptop irgendwo über dem Atlantik im Flugzeug zu einem weiteren Einsatz als Profi-Volleyballer. Meyer macht sich aber durchaus auch Gedanken über seine Zukunft und die sieht er hier in der Schweiz im Management-Bereich. Damit folgt er auch seinem Schwager und Nati-Kollegen Carlos Guerra, welcher ja ebenfalls diesen Weg gewählt hat. Und ganz am Anfang dieser beiden Schiksale stand einmal Manager Ruedi Gygli, welcher s.Zt. mit dem blutjungen Gustavo den ersten Vertrag zu Näfels aushandelte.

Wie fühlst du dich zum dritten Mal für Näfels Volleyball zu spielen?

 

G.M.- Nach Näfels zurück kommen ist für mich wie eine Heimkehr. Vom ersten Moment an als ich als junger Volleyballer hierher kam, waren die Leute absolut spitze zu mir. All die Erinnerungen die ich an Näfels habe und die Erfahrungen die ich hier machen durfte. Ich fühle mich ganz einfach gut.

 

 

Was hast du eigentlich genau gemacht, seit du vor drei Jahren Chênois verlassen hast?

 

G.M.- Letzte Saison spielte ich in der sehr starken Türkischen Liga bei SGK Ankara. Die Spieler sind da sehr gross und die besten sind richtige Volleyball-Stars. Zuvor war ich bei Constanza in Rumänien und da habe ich richtig viel Neues gelernt. Ausserdem gewannen wir das Double von Meisterschaft und Cup. Direkt nach Genf spielte ich in Puerto Rico und die Wintersaison in Soria in Spanien im selben Team mit Carlos Guerra und Passeur Cao Gilman.

 

 

Wie stehst du zur Nationalmannschaft?

 

G.M.- Sie ist sehr wichtig für mich und als Stammspieler bin ich wohl auch wichtig für sie. Soeben haben wir uns in Guadalajara (von hier kommt der Tequila) zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Es war super vor all meinen Freunden und der Familie spielen und siegen zu können. Natürlich ist es für mich eine grosse Ehre mein Land an einer WM repräsentieren zu dürfen, obwohl Volleyball in Mexiko viel zu wenig unterstützt wird. (die WM findet in Italien vom 24.09.-10.10.10 in verschiedenen Städten statt) Aber wenn ich jeweils das Trikot anziehe überkommt mich eine Welle von Stolz und Zufriedenheit.

 

 

Wie sind deine Erwartungen hier in Näfels?

 

G.M.- Ich hoffe auf Unterstützung aus dem Publikum durch Leute welchen ebenso grossen Spass an diesem tollen Sport haben wie ich selbst. Persönlich hoffe ich auf eine Gruppe welche als Team auftritt und auch neben dem Spielfeld die Freundschaft pflegen will und kann. Obwohl wir ja nicht die Favoriten sind, bin ich doch sicher, dass wir in der Lage sein werden den Leuten etwas zu bieten und auch einige Erfolge haben werden.

 

 

Weshalb spielt du für kleines Geld bei Näfels anstelle eines lukrativen Profivertrags im Ausland?

 

G.M.- Ich stehe wohl vor einem Wendepunkt in meinem Leben. Am Samstag 19. September heiraten Sarah (Schmocker) und ich in Mexiko City. Unsere Zukunft sehen wir hier in der Schweiz. So will ich nun in der Nähe bleiben um unser neues Leben hier in der Schweiz mitaufzubauen. Klar hätte ich erneut einen guten Profivertrag haben können, aber jetzt hat für mich meine Frau und meine neue Familie klar Priorität.

 

 

Fühlst du dich schon ein wenig als Schweizer?

 

G.M.- Eigentlich schon. Schon immer haben die Leute um mich herum hier in der Schweiz versucht, dass ich mich möglich wohl und heimisch fühle. Und jetzt da ich bald mit einer Schweizerin verheiratet sein werde, wird dieses Gefühl halt noch etwas stärker.

 

 

Erzähl doch deinen Fans und Lesern etwas mehr über eure Hochzeit

 

G.M.- Also die kirchliche Trauung wird in Mexiko City sein. Hochzeiten in Mexiko sind schon etwas anders als hier in der Schweiz! Klar gilt es einige Rituale der Kath. Kirche zu befolgen, aber nachher ist es eigentlich eine einzige grosse Party und zwar die ganze Nacht. Alle freuen sich über das Glück der Vermählten und teilen dieses mit ihnen am grossen Fest. Aber Details verrate ich sicher keine, sonst ist die Überraschung weg.

 

 

Wie sehen deine beruflichen Pläne ausserhalb des Volleyballs aus?

 

G.M.- Ich suche hier einen Job um meine an der Uni in den USA erworbenen Kenntnisse anwenden zu können. Mein Abschluss ist in Global Business Management und jetzt bin ich daran noch ein Nachdiplomstudium zu machen. Ich sehe mich durchaus mehr und mehr als Geschäftsmann und nicht mehr nur als Profi-Volleyballer.

 

 

Weshalb ist eigentlich der Entscheid zugunsten von Näfels gefallen?

 

G.M.- Natürlich dank des Umfelds. Schliesslich habe ich in Näfels ja meine zweite Familie gefunden. Aber auch weil ich weiss dass hier die Möglichkeit gegeben ist, als Spieler weiter viel zu lernen und auch selbst viel zum guten Team beizutragen. Ich will mit Freude bei der Sache sein, hart an unseren Zielen arbeiten und möglichst gut abschneiden in Meisterschaft und Cup.

Bild:-FIVB-Gustavo Meyer bei einem Quali-Spiel zur WM-Endrunde in Italien 2010