Freitag, 2. November 2007; 11:44
Allgemein

Näfelser Kulturpreis geht an den Vorstand von SEAT Volley Näfels

Von: Rolando K. Küng

Für die Kultur der Gemeinde Näfels leisten etliche Vereinigungen und Persönlichkeiten seit Jahren Besonderes. Dadurch ist das Rautidorf in der Schweiz und über dessen Grenzen hinaus sportlich und kulturell bekannt geworden. Um diese Anstrengungen zu würdigen, will die Gemeinde Näfels Vereinigungen und Persönlichkeiten ehren, die sich für den Ort Näfels besonders eingesetzt haben. Der Gemeinderat bestimmt dieses Jahr den Vorstand der Näfelser Volleyballer zum Träger dieses Preises als diejenigen, welche der Mannschaft im sportlichen Bereich erst ermöglichen das zu leisten, was sie in den letzten Jahren erreicht hat. Spieler kommen und Spieler gehen, aber die Zusammensetzung des Vorstandes ist in seinem Kern während vielen Jahren nahezu gleich geblieben. Wohl ist es diese Konstanz, gepaart mit dem gegenseitigen Vertrauen der einzelnen Schaffer, jeder in seiner Aufgabe Grosses zu leisten und dieses wiederum als Ganzes zusammengefügt, hat diesen Näfelser Verein wachsen lassen zu dem was er heute ist: Zur Nr. 1 im Schweizer Herrenvolleyball.

Bild: rkk-Bruno Müller, Ernst Fischli und Klaus Görauch freuen sich gemeinsam über den gewonnenen Kulturpreis der Gemeinde Näfels und werden diesen am 03. November im Freulerpalast feierlich in Empfang nehmen.

Näfelser Kulturpreis geht an den Vorstand von SEAT Volley Näfels

Hier steht was Gründungsmitglied Ernst Fischli, der Vater des Volleyballs im Glarnerland schlechthin, Bruno Müller, ebenfalls Gründungsmitglied und in seinem 27. Jahr in der Vereinsleitung als Chef Sponsoring und Marketing und last but not least, Klaus Görauch auch schon im 17. Jahr als Präsident zur Preisverleihung zu sagen haben.

 

Wie war Ihre Reaktion auf die Nachricht betreffend der Verleihung?

EF: "Das ist schwer in Ordnung. Die haben das verdient."

BM: "Der Kulturpreis ist eine wirklich sehr schöne Anerkennung für die immense Arbeit, die unser Vorstand in den vergangenen 25 Jahren geleistet hat. Aber es gibt bestimmt Leute, welchen er viel mehr bedeutet als mir selbst. Warum? Der Kulturpreis würdigt die Arbeit der aktuellen Vorstandsmitglieder. Somit gehen leider einige andere, ebenfalls verdienstvolle Leute wie Ernst Fischli und auch Hugo Zurfluh zu Lasten anderer vergessen."

KG: "Ich war echt überrascht und zwar sehr angenehm."

 

 

Warum fiel die Wahl wohl dieses Jahr auf den Vorstand von SEAT Volley Näfels?

EF: "Es ist die Zeit dazu."

BM: "Das hat wohl zwei Gründe. Einerseits sind wir nun seit bald 15 Jahren in der Volleyballszene ganz vorne mit dabei und tragen den Namen unserer Gemeinde nicht nur in die Schweiz, sondern auch nach Europa oder sogar in die ganze Welt hinaus. Andererseits hatten wir letztes Jahr das 25-Jahr-Jubiläum. Deshalb erachte ich den Zeitpunkt, den der Gemeinderat für die Preisverleihung gewählt hat, als perfekt getimet und logisch. Die Verleihung des Kulturpreises der Gemeinde Näfels stufe ich als Anerkennung für die grosse Konstanz unserer wirklich immensen Arbeit ein. Und das freut mich ausserordentlich.".

KG: "Wohl hat jeder im Gemeinderat realisiert, was dieser Klub in den letzten 25 Jahren geleistet hat und wie viel davon eben dem Vorstand und nicht den Spielern zugeschrieben werden kann. Für das Standortmarketing der Gemeinde Näfels ist unser Klub sehr wichtig."

 

Hätten Sie gedacht dass Volleyball einmal derart bekannt würde im Glarnerland?

EF: "Nein überhaupt nicht. 1960 spielten wir noch Faustball, aber darin waren wir nicht so gut. So war Volleyball ein willkommener Ausweg um trotzdem in einer Ballsportart gut mitmischen zu können. Sechs Jahre nach dem wir anfingen Volleyball zu spielen, starteten wir in die Meisterschaft, dies nachdem ich die Schiedsrichterlizenz erworben hatte. Andere Turnvereine zogen später nach. 1967 belegten wir beim Eidgenössischen Turnfest bereits den ersten Platz."

 

 

Wie fühlen Sie sich ob der Anerkennung die Sie in Volleyballerkreisen geniessen?

EF: "Nach dem letzten Spiel gegen Münsingen wurde ich zu meinem 86. Geburtstag beschenkt und solche Aufmerksamkeiten sind sehr schön und freuen mich."

 

 

Was wünschen Sie dem Vorstand?

EF: "Viel Glück und immer das richtige Händchen um die besten Spieler auswählen zu können."

 

 

Warum tun Sie, was Sie tun für diesen Klub?

BM: "Eingestiegen in den Vorstand bei der Vereinsgründung 1981 bin ich als aktiver Volleyballer und junger Presseverantwortlicher. Mitte der Achtziger Jahre habe ich dann das Sponsoring übernommen. Seither sorge ich praktisch im Alleingang dafür, dass die finanzielle Basis - für mich das absolut unabdingbare A und O eines längerfristig ambitionierten Spitzensportvereins - vorhanden ist. Das Sponsoring macht in unserem Verein seit bald 20 Jahren im Minimum zwei Drittel des Budgets aus. Dies lässt sicherlich erahnen, wie (über-)lebenswichtig dieser Job für einen ambitionierten Verein ist. Eingestiegen in diesen Job bin ich übirgens dadurch, dass ich 1986 die Verantwortung für die Finanzierung der Länderturniere übernommen habe. Das dauerte dann 8 Jahre. Mit diesen Länderturnieren haben wir gutes Geld verdient und eine solide Basis dafür gelegt, um in den frühen 90-er-Jahren in der NLA richtig Gas geben zu können. Der Job Sponsoring ist danach auch in allen Belangen des Vereins an mir hängen geblieben."

 

 

Wie sehen Sie die Entwicklung im Hallenvolleyball?

BM: "Für uns und alle Klubs in der Schweiz steht und fällt die Entwicklung mit den Finanzen. Jeder Verein ist ganz direkt von den Sponsorengeldern abhängig. Das Niveau in der Schweiz ist in den letzten Jahren leicht gestiegen aber an die Spitze Europas werden wir es wohl niemals schaffen. Wir sind schon froh, wenn wir im Mittelfeld mitmischen können wie jetzt."

 

 

Warum sind die Zuschauerzahlen heute so tief?

BM: "Erstens: Welcher andre Schweizer Volleyballlub kann bessere Zuschauerzahlen vorweisen als wir? Zweitens: Heute vor zehn Jahren waren wir noch nie Meister. Seither haben wir acht Meistertitel und 7 Cups geholt. Für unsere Region ist also ein Volleyballtitel nichts mehr Besonderes, die Leute haben sich an den Erfolg gewöhnt. Die Massen wollen unser Team erst spielen sehen, wenn es um die Wurst, d.h. um den Titel geht. In den Playoffs kommen sie dann schon wieder. Kämen wir in die Champions League und hätten auch dort Erfolg, würde sich das sofort auf die Zuschauerzahlen niederschlagen. Ausserdem ist das Angebot an anderen Freizeitaktivitäten, Freizeitmöglichkeiten und Freizeitinteressen in den letzten Jahen deutlich gestiegen."

 

 

Kann man in diesem Vorstand noch etwas verbessern?

BM: "Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es immer und überall. So könnte z.B. die Nachwuchsarbeit wieder verbessert werden. Wir waren da schon um einiges erfolgreicher als in den letzten Jahren, wir feierten im Nachwuchsbereich serienweise Schweizermeistertitel und hatten auch eine zweite Mannschaft in der NLB."

 

 

 

Welches war das Highlight?

BM: "Von sportlicher und Vereinssicht her war dies ganz klar der erste Meistertitel 1998. Wir waren unheimlich stolz, endlich da zu stehen, wo Klubs wie Leysin oder Lausanne früher gestanden sind - vor allem auch, weil wir bis dahin in Meisterschaft und Cup etwa sechs- oder siebenmal Zweiter waren und in der Volleyballszene bereits den Übernamen Silberboys gefasst hatten. Aus persönlicher Sicht in meiner Funktion als Verantwortlicher für Sponsoring war das Highlight eindeutig die Aushandlung des Vertrages mit unserem ersten Namenssponsor Konkordia. Dieser Vertrag dauerte insgesamt 7 Jahre und brachte dem Verein insgesamt mehrere Hunderttausend Franken ein."

 

 

Was ist das Erfolgsgeheimnis?

KG: "Viele von uns sind seit sehr langer Zeit dabei und wir kennen uns alle sehr gut. Jeder macht in seiner Aufgabe einen erstklassigen Job und vertraut dem andern, weil der ja ebenfalls mitzieht."

 

 

Lohnt sich ein solcher Einsatz überhaupt?

KG: "Das lohnt sich auf jeden Fall. Man hat den Erfolg, das Gemeinschaftserlebnis und sieht und erlebt Dinge, die man mit keinem Geld der Welt kaufen kann."

 

 

Was bringt Ihnen diese Arbeit als Mensch?

KG: "Immer wieder lerne ich neue Leute kennen und unser Freundeskreis wurde um viele Volleyballer aus aller Welt erweitert."

 

 

Was sind die Eigenschaften welche man als Präsident mitbringen muss?

KG: "Es gibt ja keinen Kurs um diese Funktion zu erlernen. Man macht was zu tun ist und wächst in die Aufgabe hinein. Wir sind Amateure welchen einen Profiklub führen und ich denke wir sind gute Amateure! Aber sicher kann man einen solchen Vorstand nicht autoritär führen. Es geht nur mit Geduld und im Gespräch."

 

 

Wie lautet die präsidiale Mitteilung anlässlich der Verleihung des Kulturpreises?

KG: "Das ist etwas Einmaliges und eine grosse Ehre für uns und es ist mir wichtig, auch unsere Frauen in den Gewinn dieses Preises mit einzuschliessen, denn sie tragen unseren Einsatz vorbildlich mit. Ich möchte alle dazu einladen der Verleihung beizuwohnen im Freulerpalast. Es wäre sehr schön für uns, auch einmal als Vorstand Beifall zu erhalten, welcher sonst verdientermassen immer die Trainer und Spieler erhalten."