Näfels spielt gegen den Abstieg statt um den Meisterbecher
SEAT Volley Näfels verpasste zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für den Halbfinal. Die Carvalho-Truppe unterlag dem kämpferischen SWICA Volley Münsingen im entscheidenden Spiel 2:3 (24:26, 25:16, 17:25, 25:20, 9:15). Dieses Ausscheiden ist für die ambitionierten Näfelser eine bittere Enttäuschung.
Aus der Kabine der Münsinger ertönten laute Jubelgesänge auch noch lange Zeit nach dem Schlusspfiff. Sie freuten sich ausserordentlich darüber, dass sie als Aussenseiter eben die Überraschung schafften. Sie warfen das favorisierte Näfels aus dem Rennen und qualifizierten sich für den Halbfinal gegen den TV Amriswil. Ganz anders die Gemütslage bei den Spielern von Näfels. Einige waren kaum ansprechbar, andere einfach nur enorm enttäuscht. "In meinem Kopf ist eine grosse Leere. Wie kann man mit einer solchen Mannschaft den Halbfinal verpassen", fragte sich Libero Werner.
Don't sleep
Amriswils Coach Johan Verstappen, der sich in der Halle selber ein Bild seines nächsten Gegners machen wollte, sah vor allem ein Spiel mit grossen Schwankungen. "Es war nicht die Klasse der Teams, sondern die vielen Fehler, die diese Partie entschieden. Aber Kompliment an Münsingen, die haben gut gekämpft", urteilt und gratuliert er. In der Tat, Münsingen fand nach dem Satzausgleich der Einheimischen zum 1:1 und 2:2 seine Konzentration jeweils sofort wieder. Näfels dagegen zeigte immer wieder Schwächen. Die fehlende Konzentration führte zu vielen Fehlern und Punktverlusten. Am offensichtlichsten wurde dies bei Spielbeginn, aber auch nach den beiden gewonnen Sätzen, als die Glarner jeweils schon bei Satzbeginn in Rücklage gerieten. Das brachte auch die Verantwortlichen von Näfels in Rage und so tönte es nach dem Fehlstart im dritten Satz von de Seitenlinie: "Dont't sleep – schläft nicht!" Die vom Trainer geforderte Bereitschaft, jederzeit voll präsent zu sein, war zu oft nicht vorhanden. Ganz anders sah dies bei Münsingen aus, dessen Coach Bonaria nach dem Sieg sehr gerührt war: "Wir haben mit Herz Volleyball gespielt - deshalb haben wir verdient gewonnen. Es gab schwierige Momente, aber wir blieben als Team kompakt. Jeder glaubte an den Sieg. Ich bin stolz auf das Team".
Coaching wirft Fragen auf
Die Fehlerquote bei Näfels war einmal mehr zu hoch. Zu viele Angriffe und Services missrieten, landeten im Netz oder Out. Und da gab es auch am Samstag wieder Spieler, die nicht jene Leistung zeigten welche von einem Leistungsträger erwartet wird. Dass Bruno wegen seiner Verletzung keine Galavorstellung gelingen würde, war zu befürchten, dazu war seine Fehleranfälligkeit erneut augenfällig. Aber auch Gaft und Klassen durchlebten Schwächephasen. Immerhin bewiesen diese beiden Annahmespieler über weite Strecken des Spiels, wozu sie fähig sind – sie waren trotz allem die beiden besten Spieler in Näfels Reihen. Was aber Silvio in der Mitte zeigte, glich einmal mehr einem Trauerspiel. Trotzdem entschied sich der Trainer für ihn und gegen den unglücklich agierenden Roman Sutter, als er Tchello einwechselte. So war erneut der Ex-Näfelser Büschi der beste Mittelblocker auf dem Spielfeld. Nicht ganz ohne Genugtuung meinte er: "Ich bin glücklich wie ein kleines Kind. Ausgerechnet Näfels im Playoff auszuschalten, war das Beste, was passieren konnte."
Das Coaching von Trainer Carvalho gab aber auch noch zu weiteren Diskussionen und Fragen Anlass. Weshalb begann er mit dem angeschlagenen Bruno und setzte nicht auf Brander? Weshalb versuchte er im Tie-Break nicht mit Einwechslungen von Tchello, Klassen oder Bruno neue Impulse zu setzen, als sein Team bei Halbzeit mit 5:8 hinten lag? Der Ärger über die Passivität an der Seitenlinie war bei Fans und Verantwortlichen deutlich wahrnehmbar.
Präsidiale Sorgen
Damit sind die Ziele auch dieses Jahr trotz des breiten Kaders und guter Einzelspieler deutlich verfehlt worden. Das Schlusswort gehört dem Präsidenten Klaus Görauch. "Mich enttäuscht, dass einige Leute nicht begreifen, worum es hier geht. Über Jahre war der Spirit von Näfels bekannt und die Stärke. Dieser Spirit scheint sich davongemacht zu haben. Das können wir uns nicht leisten, denn damit wird es unglaublich schwer, die Leute und Sponsoren zu überzeugen."



























































































