Näfels bringt Favorit Amriswil an den Rand einer Niederlage
Im ersten Playoff-Halbfinalspiel in Amriswil wäre Volley Näfels beinahe eine grosse Überraschung gelungen. Die unbeschwert und clever aufspielenden Glarner mussten sich erst im Tie-Break beugen.
So manch einer der 420 Zuschauer in der Halle Tellenfeld rieb sich die Augen: Der klare Favorit wurde vom Aussenseiter, der im erfolgreich überstandenen Viertelfinal gegen Lausanne in den Playoff-Rhythmus hineingefunden hatte, vom ersten Ball an hart gefordert.
Den Thurgauern hingegen – als Qualifikationssieger für den Halbfinal gesetzt - schien die zweiwöchige Wettkampfpause, trotz Trainingsspielen gegen die deutschen Bundesligisten Herrsching und Friedrichshafen, nicht gut getan zu haben.
Näfels frech und unbekümmert - Amriswil unter Druck
Näfels agierte ohne falschen Respekt, erspielte sich eine schnelle 4:1-Führung und baute diese auf 13:8 aus. Die Thurgauer fahrig, fehlerhaft, auf der Suche nach ihrem gewohnten Niveau. Es machte den Anschein, als hätte ihnen nach harten Trainingseinheiten ihres Head-Coaches Juan Serramalera etwas an Frische gefehlt. Die Glarner hingegen traten frech und unbekümmert auf, genau so also, wie sich das Näfels-Präsident Martin Landolt erhofft hatte: “ Sie müssen, wir aber dürfen und haben absolut nichts zu verlieren. Wir können völlig unbelastet aufspielen.” Vor allem der clevere Diagonalangreifer und Topskorer Mathias Corzo (191cm) setzte immer wieder Nadelstiche: Der Argentinier glänzte bereits im ersten Satz mit sechs Punkten aus acht Versuchen. Und am Ende schenkten die verunsicherten Gastgeber den ersten Abschnitt mit einem Servicefehler zum 23:25 her.
Einbruch im Tie-Break
Im zweiten Satz blockten sich die verunsicherten Amriswiler dann zwar den Frust von der Seele und glichen aus, aber das war nur der Auftakt zu einem (unerwartet) engen Showdown in fünf Sätzen. Angesichts der beidseits hoher Anzahl an Eigenfehlern (39 resp. 32) war es zwar keine hochklassige, aber eine umso spannendere Auseinandersetzung. Auffällig: Trotz markantem Übergewicht am Block (18 Punkte für Amriswil - nur drei für Näfels) bekamen die Gastgeber die Näfels-Argentinier Corzo (total 23 Punkte) und Giustiniano (18 Punkte) nie wirklich in den Griff. Herauszuheben ist auch die feine Federführung durch den kanadischen Passeur Gabriel Chancy.
Aber im Tiebreak beim Stand von 7:7 folgte dann der einzige kleine Einbruch von Näfels, den Amriswil zum 12:7 und damit zur Vorentscheidung nutzte. Dazu meinte der Glarner Trainer Ignacio Verdi: “ Schade, im Tie-Break gerieten wir stark unter Druck und haben ihnen plötzlich Chancen offeriert, was der Favorit gnadenlos ausgenutzt hat, auch dank gutem Service.”
“Argentinische Revanche”
Für sein Gegenüber, den argentinischen Landsmann Juan Serramalera war klar, warum sein Team so nervös und unkonstant aufgetreten ist: “ Als Favorit waren wir maximal unter Druck, während Näfels völlig unbeschwert aufspielen konnte.”
Nach diesem ersten, stark argentinisch geprägten Halbfinalduell, verrät er noch, dass er in Buenos Aires einst Trainer des heutigen Näfels -Coach Verdi gewesen sei und auch gegen ihn gespielt habe. Gelegenheit zur “argentinischen Revanche” hat Verdi am nächsten Samstag um 17.00 Uhr, wenn das zweite Spiel der Best-of-Five- Serie in Näfels über das Parkett geht.
Die Glarner werden bedauern, dass sie am Sonntag die grosse Chance nicht ganz zu nutzen vermochten, aber die knappe Niederlage dürfte dennoch eine grosse Moral-und Motivationsspritze sein: Volley Näfels hat sich in Amriswil gehörig Respekt verschafft.
Matchtelegramm
Volley Amriswil - Volley Näfels 3:2 (23:25, 25:19, 25:21, 21:25, 15:8)
Tellenfeld, Amriswil, 420 Zuschauer, Spieldauer: 105 Minuten.
Schiedsrichter: Yves Kälin, Dominik Zindel
Volley Amriswil:
Startformation: Jovanovic (Passeur,1), Weisigk (28), Goldrin (24), Höhne(11), Hauck (9), Urueña (8), Diem (Libero)
Einwechslungen: Schalch (3), Sorgue, Jukic
Headcoach: Juan Serramalera
Assistant Coach: Paolo Falabella
Volley Näfels:
Startformation: Chancy (Passeur, 2 Punkte), Corzo (23), Giustiniano (18), Broch (13) , Nikolov (Captain, 2), Campbell (4), Peter (Libero)
Einwechslungen: Schmid (1)
Headcoach: Ignacio Verdi
Assistant Coach: Álvaro Jurado



























































































