Freitag, 9. März 2012; 12:50
Allgemein

Nachhaltigkeit versus Globalität (Vergleich Näfels mit Volero Zürich)

Von: Andreas Eisenring

Am morgigen Cupfinal der Volleyballer strebt Näfels zum 8. Mal den Cupsieg an, Frauendominator Volero Zürich zum 7. Mal. Ein Vergleich der Erfolgsmodelle der zwei erfolgreichsten Exponenten der letzten 10 Jahre bringt grosse Unterschiede hervor.

 

Der morgige Samstag ist ein besonder Tag für Martin Landolt. Zwar gibt es im Leben eines Nationalrats immer wieder besondere Tage, aber da erlebt der 44-Jährige, der  als Nachfolger von Klaus Görauch seit einem halben Jahr Präsident von Volley Näfels  ist, eine sportliche Premiere. „ Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich morgen zum ersten Mal live an einem Cupfinal dabei bin“, schmunzelt der Näfelser, „ das ist natürlich etwas Spezielles.“ Zwar ist er seit jeher mit dem Volleyball verbunden, sei es als früherer Lizenzspieler, als Zuschauer bei Heimspielen der 1. Mannschaft oder seit 2007 als Mitglied des Näfelser Oldies-Teams.

Landolt kann sich auf ein (traditionellerweise) völlig offenes Duell zwischen Näfels und Amriswil freuen.  Über den Ausgang des Frauenfinals zwischen dem Champions League erprobten Volero Zürich und Franches Montagnes besteht hingegen kaum Zweifel.

 

Voleros Budget dreimal höher

Ein Vergleich zwischen Näfels und Volero (siehe Kasten) zeigt, wie unterschiedlich die beiden Vereine den Erfolg suchen. „ Natürlich nehme ich  auch wahr , was da bei Volero so vor sich geht“, meint Landolt, „  die sind extrem unternehmerisch ausgerichtet. Das ist sicher faszinierend, aber ich frage mich auch, ob das wirklich nachhaltig sein wird und ob man das mit eigenen Leuten auf die Länge machen kann. Das birgt auch grosse Risiken.“  Im Budgetvergleich hat Volero mit 1.5mio Franken dreimal mehr zur Verfügung als Näfels. Ein solches Klubmodell, das extrem stark auf die eine Person

( auf  den Verwaltungsratspräsidenten  der Volero AG, Stav Jacobi)  ausgerichtet ist, käme für Landolt nie in Frage: „ Natürlich würden wir einen grossen Einzelsponsor nicht ablehnen, aber umgekehrt könnten wir es auch verkraften, wenn unser Hauptsponsor aussteigen würde. Das habe ich nach meinem Amtsantritt schnell bemerkt, wie breit abgestützt Näfels ist und wie wichtig das auch in Zukunft sein wird.“  Landolt sagt denn auch, er würde eher in einen Nachwuchstrainer investieren als in einen weitere Ausländer, wenn er mehr Geld zur Verfügung hätte.

 

Vison: Näfels als Spitzenmannschaft mit Schweizern

Nach einem intensiven Workshop der Klubführung haben sich für die Zukunft strategisch zwei Hauptpunkte herausgeschält:  „ In den letzten Jahren ist der Draht zur Basis  etwas verloren gegangen. Wir haben auch festgestellt, dass an den Spielen nicht mehr wie früher die eigenen Volleyballer aus den uneren Ligen den Kern bilden. Diese interne Vernetzung wollen wir wieder fördern. Man muss den Vereinsmitgliedern auch wieder eine Plattform in sozialer Hinsicht bieten, man kann sie nicht nur immer anschreiben, wenn es etwas zu helfen gibt...“

Das zweite langfristige Ziel bezeichnet Landolt als Vision: „ Uns schwebt in Zukunft ein Team vor, das mit  Schweizer Spielern an der Spitze  mitmischt. Wir müssen dem Nachwuchs wieder diese Perspektive geben.“

Da gibt es durchaus eine Parallele zu Volero ( und vielen anderen Schweizer Klubs): Die häufig wechselnden Ausländer geben sich förmlich die Klinke in die Hand, was die Identifikation mit dem Publikum und die Zuschauerzahlen nicht fördert.

Immerhin kommen bei Näfels doch immer wieder Schweizer Spieler regelmässig zum Einsatz – wie etwa Libero Daniel Werner und  die beiden Schweizer Passeure Ivan Bedrac und Marco Gygli - während bei Volero  in der Champions League die Schweizerinnen oft nicht einmal mehr auf dem Matchblatt Platz finden.

Erfolgsmodell Näfels: Bei den Glarnern kommen regelmässig Schweizer Spieler zum Einsatz wie hier Passeur Marco Gygli.