Sonntag, 30. November 2008; 11:10
Allgemein

Meisterschaft NLA: Wo war die Mannschaft?

Von: Rolando K. Küng

Bei SEAT Volley Näfels stellen sich nach der klaren Niederlage gegen Genf schon einige Fragen. Und dabei war es noch nicht einmal der CS Chênois, welcher dermassen gut gespielt hätte. Bei der zusammenhaltlosen Vorstellung welche die Glarner zeigten, war dies auch gar nicht nötig. Die Genfer waren jederzeit Herr der Lage denn im Näfelser Team fehlte, einmal mehr, ein Leader welcher seine Mitspieler hätte mitreissen können.

 

Im Kopf nicht zum Sieg bereit

Die drei Siege in Folge gegen die beiden Lanternen der Rangliste, Sursee und Andwil-Arnegg und das erfolgreiche Auswärtsspiel gegen Lugano waren offensichtlich den meisten Spielern von SEAT Volley Näfels bereits genug. Da musste es ja nicht unbedingt sein, dass man auch im ach so schweren Auswärtsspiel in Genf erneut alles geben sollte. Der Gegner war ja schliesslich übermächtig. Gegen die starken Genfer hatte man ja ohnehin keine Chance und noch weniger, als diese nach ihrer Niederlage gegen Münsingen (!) nun wohl doppelt so agressiv auftreten würden. Was wollte man sich da also verausgaben, leichtere Spiele würden kommen und diese zu gewinnen, genügt doch vollauf. Wohl genau so, oder zumindest sehr ähnlich muss es wohl in den Köpfen der Spieler ausgesehen haben, als sie vor 250 Zuschauern in der Halle Sous-Moulin, nahe der Französischen Grenze, aufs Spielfeld traten.

 

 

Trainer Carvalho ist stinkesauer

Léo Carvalho sagt es jetzt deutlich. „Wer im Training schon nicht leiden will oder kann, dem soll auch im Spiel das Lächeln nicht vergönnt sein“. Und damit spricht er eine Misere an, welche nun schon seit einiger Zeit andauert. Das grosse Unbehagen welches er fühlt spricht deutlich aus seiner Sprache und noch mehr aus seiner Mimik. „Leider habe ich einige Spieler bei mir, welcher immer auf der Suche nach der passenden Ausrede sind, nicht aber zuerst ganz einfach bei sich selbst die Fehler suchen“. So sehr Trainer Carvalho sich um Verstädnis bemüht, gibt er doch zu bedenken, dass er von Spielern einer Mannschaft in der NLA ganz einfach ein minimales Leistungslevel erwarten kann. Und dies nicht nur, wenn der Spieler bereit ist, dieses zu geben, sondern immer. Er innernt daran, dass es sich bei SEAT Volley Näfels um einen Traditionsverein handelt und die erste Mannschaft immer um einen Spitzenplatz kämpft. Mittelmass lässt er nicht zu und schliesslich sei ihm von der Klubleitung auch nie etwas anderes kommuniziert worden. Er betont weiter, dass mit den vorhandenen Einzelspieler durchaus eine Spitzenmannschaft zu formen wäre, dies aber nur unter der Bedingung dass alle wirklich ihr absolut Bestes zu geben bereit sind. „Bisher konnte mir noch keiner erklären, warum er nach drei sehr guten Trainings, plötzlich eines abliefert, welches noch nicht mal 1.-Liga-Niveau hat“.

 

 

Manager Gygli macht sich Luft

„Spiel? Welches Spiel? Ich war zwar in Genf, aber ein Spiel habe ich keines gesehen“, dies die Antwort von Manager Gygli auf die Frage nach seinem Urteil über das zehnte Spiel der Saison für sein SEAT Volley Näfels. „Bei einem Blick zur Anzeigetafel kann ich fast nicht glauben, dass wir doch noch soviele Punkte gemacht haben“. Es habe ja schliesslich eineinhalb Sätze gedauert, bis die erste Annahme perfekt auf den Passeur kam. Damit spricht er auch ganz direkt die absolut ungenügende Leistung seines ersten Annahmespielers, Jacky Gaft an. Er wurde geholt, weil er das Zeug dazu hat und auch die Erfahrung, in der Annahme die erste Geige zu spielen und so diesem Element endlich wieder einen wohlklingenden Ton zu geben. Dazu war er aber nicht nur in Genf nicht im erwarteten Mass in der Lage, sondern auch in einigen Spielen zuvor. „Libero Werner hat aber auch grottenschlecht gespielt“, macht sich der Manager Luft. Und Fabian Brander wurde, zurück auf seiner Stammposition in der Annahme, von Beginn weg völlig demontiert. „Blockspieler Silvio zeigte erneut eine für mich ungenügende Leistung, aber was mich vor allem nervt, dass sich nun auch noch Roman Sutter, nach anfänglich sehr guten Leistungen, nach unten ziehen lässt“.

 

 

Ein Fall für den Psychologen?

„Ach einen Psychologen brauchen wir doch alle“, meint Chênois Manager Georgiou lächelnd auf die Frage, ob Erzrivale Näfels nun reif für eine Therapie sei. Aber auch er zeigt sich sehr erstaunt darüber, dass nach gutem Beginn beim Supercup nun erneut wieder nur noch Einzelspieler auf dem Feld stehen. „Klar sind wir immer äusserst motiviert vor einem Spiel gegen Näfels. Schliesslich haben wir mit unseren Duellen Volleyball Geschichte geschrieben“. Aus dieser speziellen Motivation, aber nicht nur, resultierte am Samstag auch der vierte Sieg von Chênois über Näfels in den letzten zwei Jahren. Vielleicht sagt auch das Satzverhältnis von 2:12 noch etwas mehr aus über die besondere Motivation von Georgiou’s Truppe, wenn es gegen Näfels geht.

 

 

Jeder Spieler entscheided selbst

Das Fazit nach der ersten 0:3 Niederlage der Saison ist ernüchternd. Entweder gelingt es Trainer Carvalho in den Köpfen seiner Spieler bis dorthin vorzudringen, wo die Entscheidung nach kompromisslosem Einsatz gefällt wird, oder aber dieses Team bleibt verdammt zum Mittelmass und wird seine gesteckten Ziele auch diese Saison nicht erreichen. Im Moment scheint nur noch ein einziger Weg möglich. Nur wenn sämtliche Spieler sich einen Ruck geben und aus dem bereits jetzt wieder sehr gefährlichen Fahrwasser herauskommen, können die Fans noch davon träumen, dieses Team auf der Siegerstrasse zu sehen. Verbleiben aber die meisten Spieler in ihrer endlosen Genügsamkeit und entwickeln nicht schnellstens das Streben ganz nach oben zu kommen, dann muss der Näfelser Klub am Ende froh sein, den sechsten Platz von letzter Saison zu wiederholen und dies trotz besserem Kader. Einmal mehr liegt der Entscheid also im Kopf.