Samstag, 6. März 2010; 22:07
Allgemein

Meisterschaft NLA: Volley Näfels is a Rollercoaster

Von: Rolando K. Küng

Der klare Heimsieg gegen den CS Chênois hat bestimmt viele Volleyballfans überrascht. Damit gleichen die Näfelser auch gegen die Genfer die Serie der Saisonspiele wieder aus. Gegen keinen der Spitzenklubs weist SEAT Volley Näfels eine Negativserie auf. Als Konsequenz daraus, können die Glarner weiterhin auf den Einzug in die Playoff-Finalserie hoffen.




Man muss es aber zugeben, nur dank Seriensieger Volley Amriswil hat Volley Näfels, zusammen mit Lausanne UC und bedingt auch noch dem CS Chênois eine Chance auf den zweiten Platz. Den Thurgauern gelang, wenn manchmal auch knapp, in allen bisherigen sechs Partien ein Sieg. Daraus ergibt sich, dass die restlichen vier Teams sich die übrigen Punkte untereinander streitig machten.

 

 

Näfels’ Achterbahnfahrt

 

Dass es für das Team um Leader und Spieler-Trainer Dalibor Polak aber jetzt noch derart eng geworden ist, haben sich die Spieler ganz allein selbst zuzuschreiben. Von Verletzungen fast gänzlich verschont, der Ausfall von Brander wurde durch Teppert mindestens gleichwertig ersetzt und Bedrac, anstelle von Gygli, scheint jetzt ebenfalls in Hochform. Das Team zeigte aber über die ganze Saison gesehen, ein wildes Auf und Ab, fast wie auf einer Achterbahn.

 

Blättern wir zurück. Ein klarer Heimsieg gegen Lausanne UC war der erhofft gute Einstieg in die Saison. Heimniederlage Nr.1 gegen Volley Amriswil war sicher der erste grosse Dämpfer. Nach zwei Siegen ohne zu überzeugen gegen die Kellerkinder Laufenburg und Lugano folgte aber erneut und endlich wieder ein gutes Spiel. LUC wurde auch in Lausanne mit 3:0 besiegt und das war wieder ein klares Zeichen für Näfels’ Stärke. Es folgte ein schlechtes Spiel zuhause gegen Münsingen mit knappem Sieg und die erste Auswärtsniederlage in Genf. Das Team war zum zweiten Mal unten angelangt! Aber immer wenn man am wenigsten etwas von den Jungs um Captain Meyer erwartete, spielten sie plötzlich wieder gross auf. So geschehen zweimal in Folge auswärts in Amriswil mit den Siegen im Cup und in der Meisterschaft gegen den zweifachen Titelverteidiger. Bestimmt schmerzte das Cup-Out die Thurgauer sehr, mindestens ebenso wie Anfang Jahr die Näfelser Volleyballer ihrerseits den Einzug in den Cupfinal gegen das bisher gegen sie erfolglose Lausanne UC verpassten. Das war Tiefpunkt Nr. 3 nach einem Spiel in dem SEAT Volley Näfels ganz klar als Favorit angetreten war.

 

Gegen den selben Gegner rappelte sich Näfels zu Beginn der Playoff-Quali aber wieder auf und landete Sieg Nr. 3 gegen die Vaudois. Und schon folgte eine neue Enttäuschung mit der zweiten Heimniederlage gegen Volley Amriswil. Ein erwartet schweres Spiel nach diesem Dämpfer gegen die Ostschweizer, wurde eine Woche später in Lugano aber mit Bravour gewonnen. Dann folgte erneut der immer schwere Gang in die Sous-Moulin Halle in Thônex, direkt an der Schweizer Grenze. Und prompt folgte auch die fünfte Saisonniederlage. Erneut war die Stimmung mindestens ebenso abgekühlt nach der sehr dummen Pleite, wie die Aussentemperatur tief war. Und jetzt, der Druck nahm stetig zu, kam auch noch die unglaubliche Heimniederlage gegen…. – Pallavolo Lugano! In zwei Sätzen spielte Volley Näfels die Dragons an die Wand. Aber im entscheidenden Moment versagte das ganze Team und verschenkte zwei unheimlich wichtige Punkte an den Gegner.

 

 

Tiefer geht’s nimmer

 

Gäbe es eine Rangliste der Tiefpunkte in dieser Saison, dann wäre dieser Moment, an welchem wohl fast alle die Felle davonschwimmen sahen, unbestritten die Nr. 1 gewesen. Es war auch das erste Mal dass das Team gleich zweimal hintereinander verlor. Schlechter konnte es nicht mehr werden, sagten sich wohl alle und fanden so den Weg zurück zum Sieg und vor allem zum oft gesehenen guten Spiel, ausgerechnet gegen den unbequemsten Gegner der Saison, den CS Chênois.

 

 

Schlangenlinien-Dynamik jetzt brechen

 

Schaut man die Schlangenlinie also noch einmal genau an, müssten jetzt also wieder ein bis zwei schwächere Spiele folgen. Nicht unbedingt mit einer Niederlage, aber spielerisch nicht mehr so stark, wie dasjenige gegen die Genfer. Betrachtet man aber den Ernst der Lage, wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, diese Dynamik zu brechen. Denn jede Serie hat schliesslich einmal ein Ende. Und dass die Spieler als Mannschaft die Stärke und das Können besitzen, haben sie oft genug bewiesen. „Man darf aber eines nicht vergessen“, meint Captain Gustavo Meyer und das scheint sehr wichtig: „Zu Beginn konnten wir alle überraschen mit unseren Siegen, keiner erwartete wirklich ernsthaft, dass wir vorne mitmischen könnten“. Dann aber seien sie plötzlich unter Druck geraten, verriet Meyer das Geheimnis der drei Niederlagen in dieser Quali-Runde. „Doch ich bin sehr zuversichtlich, dass wir uns jetzt auf die neuen Verhältnisse eingestellt haben“.

 

 

Verstappen sagt jetzt wo’s lang geht

 

Ein Sieg bei Seriensieger Volley Amriswil wäre bereits mehr als die halbe Miete. Dann könnte die Polak-Truppe mit der selben prickelnden Erwartung nach Lausanne zum letzten und alles entscheidenden Spiel reisen, wie sie sie vor dem Heimspiel gegen Chênois verspürten. Und wie gut Volley Näfels spielt wenn die Spieler sehr fokussiert und auch etwas nervös sind vor dem Spiel, haben die Zuschauer live erlebt im ausgezeichneten Spiel gegen Chênois. Und vielleicht erleben die Spieler von Volley Amriswil im ersten Spiel nach der bereits geschafften Finalquali so etwas wie die Ruhe nach dem grossen Sturm, treten nicht mehr so konsequent auf und spielen so den Glarnern den Trumpf in die Hand die zwei Punkte ins Glarnerland mitzunehmen. Entscheidend wird die Einstellung auf dieses Spiel durch Trainer Johan Verstappen sein. Denn rechnet er sich gegen Lausanne UC die grösseren Titelchancen aus, wird er die Order zu einem Spiel aus vollen Rohren geben am nächsten Samstag gegen Volley Näfels. Und dann treten auch eventuelle Überlegungen betreffend einem Ostschweizer Derby im Final in den Hintergrund. Für einen Schweizer Meistertitel lohnen sich die paar Stunden mehr Weg auf Schweizer Autobahnen vom Thurgau ins Welschland noch längst und sind das kleinere Übel als das eventuelle Risiko gegen Erzfeind Volley Näfels erneut ein Titelrennen zu verlieren. So gesehen pfeifft also den Näfelser Volleyballern in Amriswil ein rauher Wind entgegen. Ein Sieg trotz dieser Vorzeichen wäre dann allerdings beste Medizin, auch das letzte Spiel in Lausanne zu gewinnen, ganz abgesehen vom psychologischen Vorteil für die Finalserie, welche damit Näfels erreichen würde.

Bild: Köbi Hefti - Meyer und Benetti auf der einen und Passeur Warynski auf der andern Seite möchten nur zu gerne wissen wie es gleich weiter geht