Donnerstag, 15. Oktober 2009; 18:16
Allgemein

Meisterschaft NLA: Spiel gegen Beach-Volleyballer in der Halle

Von: Rolando K. Küng

Am Samstag fährt SEAT Volley Näfels nach Münsingen. Gegen wen die Mannschaft dort genau spielt, ist nicht so klar. Die Aufgabe der Polak-Truppe aber umso klarer. Mit einem Sieg kann Näfels sein Polster vergrössern, denn schon am nächsten Wochenende kommt die Doppelrunde gegen Chênois und Amriswil.




Mitte Januar 09 schied Marc Gerson noch vor den Playoffs als Trainer von Münsingen aus. „Nie mehr Trainer im Hallenvolleyball“, wetterte ein erboster Gerson damals. Er liess sein Team mitten in der Saison im Stich und Mittelblocker Marco Bonaria und Annahmespieler Carlos Guerra übernahmen kurzfristig seinen Posten als Trainer und Coach. Schlecht machten der Berner und der Mexikaner ihre Sache nicht. Gelang es ihnen doch zusammen mit einem beherzt aufspielenden Team, SEAT Volley Näfels am Einzug in die Playoff-Halbfinals zu hindern. Die Niederlage im dritten Playoff-Spiel in fünf Sätzen schmerzte und hinterliess ihre Spuren. Ebenso bei Münsingen. Den Bernern gelangen im Halbfinale gegen den späteren Meister zwei unerwartete 3:0-Siege und damit unterstrichen Bonaria/Guerra ihre gute Arbeit und die tolle Moral im Team. Zum Schluss errangen sie die erste Bronzemedaille für den Klub gegen den CS Chênois.

 

 

Gerson rettet Münsingen

 

Im Sommer verdüsterte sich aber der Himmel über dem Verein und es schien als müsse Münsingen seine Mannschaft aus der NLA zurückziehen. Die Spieler verabschiedeten sich reihenweise, das Geld fehlte an allen Ecken und Enden. Da trat ausgerechnet U23-Nationaltrainer im Beach Volleyball Marc Gerson auf den Plan um mit viel Überzeugungsarbeit seine Beach Volleyballer dazu zu bringen mit Münsingen in die NLA-Saison einzusteigen. „Ich habe den Spielern einen Wechsel in die Halle schmackhaft gemacht, damit sie auch im Winter auf einem hohen Niveau Wettkämpfe bestreiten können“, gibt der in den Diensten des NLZ Bern stehende Profitrainer zu Protokoll. Interessant dabei ist aber, dass gerade die besten Beachprofis wie Päde Heuscher, Martin Laciga, Jan Schnider und Jefferson Bellaguarda in den letzten Jahren der Halle fernblieben, um ihren Terminkalender frei zu haben für ein erstes Trainingslager bereits im Februar. Und jetzt plötzlich soll das also ein Vorteil sein für die Beachvolleyballer? Gerson überzeugte also die ohnehin in Bern wohnhaften Spieler Jan Schnider, Philip Gabathuler, Sébastien Chevallier, Jonas Weingart und die U21 Schweizer Meister Kovatsch und Kissling fortan bei Münsingen zu spielen. Wobei spielen natürlich relativ ist, denn bevor nicht Ende Oktober das letzte FIVB World Tour Open in China gespielt ist, steht auch die Rückkehr von Schnider und Gabathuler in die Halle nicht zur Debatte. Und vor dem endgültigen Einsatz im Hallenteam kommt dann erst noch ein Monat Feien dazu, was zeigt, wie sehr es die Beach-Profis wirklich in die Halle drängt. Und so kann man sich deshalb auch fragen was es bringt, diese Mannschaft künstlich am Leben zu erhalten. (Das Budget beträgt noch 70'000 Franken!) „Ich wollte den zahlreichen Junioren im Nationalkader weiterhin eine Perspektive bei Münsingen bieten“, meint Gerson dazu.

 

 

Auftritt am Supercup eine Schande

 

Auf jeden Fall war der Auftritt Münsingens am Supercup in Lausanne ein Trauerspiel und eines NLA-Klubs nicht würdig. Mit Ausnahme von Samuel Büschi stand kein NLA-Spieler im Team, es reisten gerade mal sieben Spieler an und von Trainer Gerson war nichts zu sehen. Entsprechend waren dann auch die Resultate.

 

Sportlich muss man auf jeden Fall hinter diese Massnahmen ein grosses Fragezeichen setzen und sich auch fragen, ob das die Meisterschaft nicht verfälscht. Je nach Aufstellung hat Münsingen die Qualität einer 1.-Liga-Mannschaft oder eben eines NLA-Teams. Es kann ja auch nicht sein, dass der Einsatz in der Mannschaft ein Wunschkonzert ist. Aber genau so scheint es geplant wie Jonas Weingart selber sagt: „Ich wechsle mit Schnider und Gabathuler auf der Diagonalposition ab, denn ich will nicht jedes Wochenende spielen“. So bekommt man den Eindruck einer Lotterie und die Glaubwürdigkeit der Meisterschaft steht auf dem Spiel. Dass dies auch noch alles möglich ist mit dem Segen des Schweizerischen Volleyballverbandes ist bedenklich. Klar auch dass nicht nur die Verantwortlichen von SEAT Volley Näfels dieses Manöver überhaupt nicht goutieren. So muss und kann es nur Näfels’ Ziel sein die Antwort auf dem Spielfeld zu geben.

Bild: FIVB-Jonas Kissling und Mats Kovatsch, diese beiden sind mit ein Grund für die mirakulöse Aktion zur Rettung des VBC Münsingen unter der Federführung von Trainer Gerson