Samstag, 10. Oktober 2009; 22:00
Allgemein

Meisterschaft NLA: SEAT Volley Näfels zeigt erstmals seine Zähne

Von: Rolando K. Küng

Mit dem Dreisatzsieg vom Samstag gegen Lausanne UC hat SEAT Volley Näfels Selbstvertrauen getankt. Trainer Polak und seine Spieler werden nicht dem Fehler verfallen und diesen Sieg überbewerten, aber er lässt doch viele Schlüsse zu. Der wichtigste von allen ist sicher der, dass dieses Team in der Lage ist jeden andern Gegner der NLA schlagen zu können.




Kam man in den letzten beiden Saisons mit zunehmender Fortdauer der Meisterschaft zur Erkenntnis, dass gegen die grossen Drei (Amriswil, Lausanne und Chênois) nichts zu holen war, dürfte das in dieser Saison erstmals wieder etwas anders sein. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einmal scheint Trainer Polak seine Truppe bestens im Griff zu haben. Jeder zieht am selben Strick, es gibt eine klare Rollenverteilung und vor allem ein Chef, welcher bisher jederzeit in der Lage war, seinen Mitspielern vorzumachen wie es geht. Auf jeden Fall war dies gegen Lausanne UC der Fall. Der Tscheche buchte mit einem wuchtigen Service-Winner den Satzball im ersten und zusammen mit Büsser beim Block den entscheidenden Punkt im zweiten Satz. „Wir haben Trainer Polak in diesem Spiel bewusst von seinen Aufgaben im Coaching entlastet“, erklärte Manager Gygli nach dem Spiel. „Er hat es uns gedankt mit einer tadellosen Leistung als Spieler“. Andererseits zeigt dies aber auch, dass der 35-jährige Tscheche trotz seiner riesigen Erfahrung sich in seiner neuen Doppelrolle erst noch finden muss.

 

 

Marco Gygli nun als Passeur Nr. 1

 

Gefunden hat der Trainer aber sicher die momentan beste Aufstellung und dabei fällt auf, dass er Marco Gygli jetzt klar als Passeur Nr. 1 designiert hat. Und dieser dankt es ihm mit bisher guten Leistungen, wobei der junge Spieler bestimmt noch ein gehöriges Steigerungspotenzial hat. Seine Kreativität ist jedoch schon in den letzten beiden Saisons aufgefallen und nun hat er die Gelegenheit vorläufig noch ohne Druck seine Position zu festigen. „Selbstverständlich halte ich mich bei der Aufstellung der Mannschaft zurück“, hält Vater und Manager Ruedi Gygli fest. „Das muss immer der Trainer selbst entscheiden“. Sein Sohn müsse sich mit Leistungen ins Team kämpfen und sich auch dort halten.

 

 

Näfels’ neue Stärke: der Block

 

Aufgefallen ist auch das starke Blockspiel von SEAT Volley Näfels. Dabei spielen die beiden Mittelblocker eine zentrale Rolle, aber nicht nur sie. Thomy Büsser mit Volley Amriswil Schweizermeister und Cupsieger stand letzte Saison nicht mehr in der Stammformation des Spitzenclubs. Trotzdem oder gerade deshalb ist er topmotiviert, nun mit Näfels wieder an seine regelmässig guten Leistungen der Saison 07/08 anzuknüpfen, als er mit dem TVA das Playoff-Finale hauchdünn gegen LUC verlor. Bruno Benetti, der Brasilianer mit italienischen Wurzeln hat sich ebenfalls hervorragend ins Team eingefügt. „Zieht er diese Leistung durch, haben wir mit ihm den besten Mittelblocker seit drei Jahren im Team“, freut sich Manager Gygli darüber, dass er endlich auch auf dieser Position wieder einmal ins Schwarze getroffen hat mit der Neuverpflichtung Benettis. Nun sieht man wieder des Öftern schnelle Angriffe über die Mitte, welche von Benetti und Büsser erfolgreich abgeschlossen werden.

 

 

Opota als Notnagel auf Diagonal

 

Näfels’ Mitte stand im Gegensatz zu derjenigen von LUC. Die Lausanner konnten die Abgänge von Günthör und Rafaelli durch Augsburger und Seifert nicht kompensieren, mindestens bisher nicht. Onya Opota spielt neu auf der Diagonalposition. „Obwohl ich praktisch über meine ganze Karriere auf der Annahmeposition gespielt habe, war ich gerne bereit, für den Klub meine Punkte auch als Diagonalspieler zu buchen“, meinte Opota. Man hört zwischen den Zeilen, dass er vielleicht doch auf seiner angestammten Position ganz gerne weiterspielen würde. Doch mit der Verpflichtung von Grün und Guerra, nebst Wiacek, stehen jetzt drei reinrassige Annahmespieler im Team von LUC plus eben Opota.

 

Opota als Doktor der Biologie arbeitet an der Uni Lausanne in der Forschung und betreibt Volleyball nur noch als intensives Hobby. So scheint er derjenige zu sein, welcher sich grossherzig in den Dienst der Mannschaft stellt und nun als Diagonalspieler auftritt. „Ich bin ja kein typischer Spieler auf dieser Position und kann durch meine technischen Fähigkeiten die Umsetzung etwas anders gestalten“, gibt der ehemalige Nationalspieler Frankreichs mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

 

Lausanne UC hatte mit den Passeuren Hominal und Chevallier zwei Spitzenakteure in ihren Reihen. „Der Amerikaner Ptachinski braucht noch etwas Zeit für die Abstimmung“, meint denn auch Trainer Frédéric Trouvé. Er gewinne auf jeden Fall aus einem solchen Spiel viel mehr Erkenntnisse als aus einem leichten Spiel wie gegen Münsingen. „Obwohl ich enttäuscht bin, ist so gesehen diese Niederlage kein Drama“, stellt der LUC-Trainer fest.

 

 

Bereits in zwei Wochen folgt die Doppelrunde im Buchholz Glarus mit den Spielen gegen den CS Chênois (Samstag) und Volley Amriswil (Sonntag). Nachher weiss man schon einiges mehr darüber, wie stark die Polak-Truppe ist. Der Sieg gegen Lausanne lässt aber sicher aufhorchen, hat man doch diesen Klub in den letzten zwei Jahren nicht mehr geschlagen.

Bild: Köbi Hefti - Benetti und Meyer, Teil des starken Näfelser Blocks