Freitag, 27. November 2009; 12:12
Allgemein

Meisterschaft NLA: SEAT Volley Näfels übertrifft sich selbst und gewinnt nach dramatischer Wende im Tiebreak

Von: Rolando K. Küng

SEAT Volley Näfels gewinnt erst im Tiebreak nach einem 6:12 Rückstand ein Spiel, welches mehr als einmal auf Messers Schneide gestanden hatte. Miserabel begonnen, versöhnte sich das Team mit dem Publikum, dank einer fulminanten Aufholjagd kurz vor Ende des Spiels. Zwei hart erkämpfte Punkte garantieren Näfels weiterhin seinen Platz an der Sonne.




Um es vorweg zu nehmen, Näfels spielte über weite Strecken schwach, spürte ganz offensichtlich die Last der Verantwortung. Ganz anders Münsingen, welches frei und unbeschwert aufspielen konnte und den Gastgeber öfters sehr schlecht aussehen liess. Natürlich war dies nun die beste Version des NLA-Teams von Münsingen, welche diese Saison an den Start gehen kann. Braungebrannt und frisch aus den Ferien trat Ex-Näfels-Diagonalspieler Jan Schnider auf. Er und Philip Gabathuler, die beiden Beach-Volleyballpartner, verleihen Münsingen nun durchaus die Stärke eines mittleren NLA-Teams. Vor allem in den ersten drei Sätzen traten sie, wie auch der Rest des Teams, unbekümmert auf, spielten frisch von der Leber weg und kamen im dritten Satz beim 23:22 einem 0:3-Sieg bedrohlich nahe. Doch Polak und Meyer buchten die letzen beiden Punkte und erlaubten es SEAT Volley Näfels auf 1:2 nach Sätzen heranzukommen.

 

 

Neun Killerblocks und doch kein Satzgewinn

 

Im ersten Satz hatte Näfels schon gar nichts zu melden, dieser ging mit 17:25 klar an die Gäste aus dem Aaretal. Ganze neun Killerblocks verpassten die Glarner ihrem Gegner im zweiten Satz. Sie kühlten damit allen gegnerischen Angreifern etwas ihren ungestümen Angriffsmut. Selbst aber noch zu fehlerhaft und unsicher, liessen sie es zu, dass ihr Gegner trotz den vielen Blockpunkten weiterhin hartnäckig dran blieb. Bei Gleichstand 27 Punkte pfiff der Schiedsrichter gegen Näfels einen geführten Ball. Hier und nicht nur hier, lag aber wohl der Schiedrichter falsch und trug dazu bei, dass die Näfelser beim nächsten und entscheidenden Ball prompt einen der ganz wenigen Blockpunkte der Berner zum erneuten Satzverlust kassierten.

 

 

Näfels befreit sich aus der Umklammerung

 

Nun musste Näfels, bös in Rücklage, aber reagieren und zwar sofort. Satz drei verlief zuerst sehr ausgeglichen bis sich Näfels zu Satzmitte mit drei Punkten absetzen konnte. Captain Meyer buchte in der Folge noch einmal drei Punkte und nun stand es 20:15. Dieser Satz schien im Trockenen. Aber weit gefehlt! Philip Gabathuler zeigte, dass er seit seinem Weggang bei Näfels, ganz sicher beim Service, einiges dazu gelernt hatte. Er führte Münsingen wieder näher heran und durch zwei weitere Eigenfehler durch Bedrac - er spielte seit Beginn des dritten Satzes - und Brander, schlossen die Berner wieder vollständig auf. Nicht auszudenken was passiert wäre, hätten die beiden Leaderfiguren (Trainer und Captain) bei SEAT Volley Näfels nicht die letzten noch nötigen Punkte ins Trockene gebracht.

 

So aber war der Sieg wenigstens immer noch möglich, wenn auch nicht mehr, wie vor Beginn gefordert, ohne Satzverlust.

 

 

Courant normal in Satz vier

 

In Satz vier baute der Gegner nun endlich so ab, wie man das eigentlich schon viel früher erwartet hatte. Näfels seinerseits nutzte des Gegners Schwächen resolut und zog sofort uneinholbar davon. Passeur Bedrac war inzwischen sehr gut im Spiel angekommen und inszenierte viele schöne Spielzüge für seine Angreifer. Dazu kamen die vielen Eigenfehler auf Seite von Münsingen welche es ihnen nicht erlaubte, noch einmal ins Spiel zu kommen. Bezeichnend dafür der letzte Servicefehler von Gabathuler welcher den Gleichstand nach Sätzen brachte.

 

 

Meyer’s Floatservices brachen Münsingens Widerstand

 

Das Momentum nach dem Ausgleich schien nun eindeutig auf Seite von SEAT Volley Näfels, doch das Tiebreak begann schlecht. Passeur Bedrac begann mit einem Servicefehler. Münsingen war nach dem klaren Verlust des vierten Satzes nicht mehr wiederzuerkennen. Anders als erwartet, spielten sie jetzt wieder mit viel Druck und auf der andern Seite Näfels fehlerhaft. So stand es schon bald 5:10, als Coach Müller endlich das Timeout nahm. Zwei Fehler später, also bei 6:12, buchte Tommy Büsser einen weiteren Punkt über die Mitte. Jetzt kam Captain Gustavo Meyer zum Service. Die Taktik war auf Annahmespieler Mats Kovatch zu floaten. Und sie ging auf. Einmal, zweimal, brachten die Aaretaler ihr Side-out nicht durch, Näfels aber den Gegenangriff. Nun sah es schon etwas besser aus, aber immer noch nicht rosig mit einem 9:12! Trainer Gerson nahm sein erstes Timeout. Und Meyer floatete weiter. Jan Schnider schmetterte den nächsten Angriff ins Out. Gleich darauf buchten Büsser und Polak einen weiteren Killerblock, sie ahnen es, Gerson nahm schon wieder ein Timeout. Jetzt das letzte des Spiels. Und der Mexikaner mit eher deutschem oder schweizerischem Namen floatete weiter. Mittlerweile brannte die Annahme bei Münsingen lichterloh. Die Verunsicherung total und ein weiterer Killerblock durch Brander und Büsser zum vielbejubelten Ausgleich der Näfelser Volleyballer. Aber Meyer tat, was er nun schon fünf Bälle hintereinander erfolgreich gemacht hatte. Richtig! Er floatete.  Diesmal auf Libero Gerson, welcher nun ebenfalls Nerven zeigte. Der Ball klatsche zu Boden. Und gleich noch einmal, diesmal der Service Winner wieder auf Kovatch. Die Zuschauer in der linth arena drehten bald durch. Sie glaubten ihren Augen nicht zu trauen, was sie da von der jetzt entfesselten Polak-Truppe vorgeführt bekam. Es war Matchball. Und Meyer floatete noch ein letztes Mal. Passeur Chevallier auf der andern Seite nach einer weiteren schlechten Annahme setze Jan Schnider ein, welcher mit dem Mut der Verzweiflung angriff, aber in Tommy Büsser mit einem 1-er-Block seinen Bezwinger fand. Eine unglaubliche Serie von sage und schreibe neun Punkten in Folge brachte SEAT Volley Näfels den Sieg und die zwei Punkte zum weiteren Verbleib an der Tabellenspitze.

 

 

Wo bleiben Münsingen’s Junioren?

 

Niemand hatte damit gerechnet, dass es so viel brauchte um dieses Münsingen zu bezwingen, aber nach diesem Resultat dürften alle andern NLA-Teams gewarnt sein. Seit Saisonbeginn hat sich dieser Klub dank seinen Beach-Boys vom 1. Ligateam über ein NLB zu einer richtigen NLA-Mannschaft gemausert. „Man darf nicht vergessen, dass jetzt alles gestandene NLA-Spieler für diesen Verein kämpfen“, stellte Manager Gygli nach dem Sieg in extremis für sein Team die Situation klar. Wo aber die Junioren geblieben sind, für welche Trainer Gerson sich eingesetzt hat, diesen Klub in der NLA zu halten, darf man sich bei der aktuellen Aufstellung schon fragen.

 

 

linth arena sgu, Näfels – 250 Zuschauer – Spieldauer 113 Minuten.

SR1 Sieber Marcel

SR2 Flückiger Adrian

28-Nov-2009, 15.00 Uhr

SEAT Volley Näfels vs VBC Münsingen – 3:2 (17:25, 27:29, 25:22, 25:18, 15:12)

 

MVP Näfels: Gustavo Meyer

MVP Münsingen: Sebastien Chevallier

 

SEAT Volley Näfels: Meyer (Captain), Gygli (Passeur), Werner (Libero), Fabian Brander, Benetti, Büsser, Polak; Bedrac, Zurgilgen, Michael Brander, Walzer. Spielertrainer: Dalibor Polak

 

VBC Münsingen: Chevallier (Passeur und Captain), Mirco Gerson (Libero), Kertai, Kovatsch, Büschi, Gabathuler, Schnider; Weingart, April. Kissling verletzt. Trainer: Marc Gerson

Bild: Köbi Hefti - Einmal mehr konnten die Spieler um Trainer Polak jubeln. Nach einem noch nicht gesehenen Tiebreak und nach einem 6:12 Rückstand gewannen die Näfelser Volleyballer doch noch in extremis