Meisterschaft NLA: SEAT Volley Näfels lässt sich nicht bezwingen
Pallavolo Lugano trat überhaupt nicht wie ein Underdog auf, gewann den ersten Satz und stand auch im vierten dem Satzgewinn sehr nahe. Alles deutete auf eine Entscheidung im Tiebreak hin, doch dann kam alles noch einmal ganz anders.
Urteilte man nach dem bisherigen Saisonverlauf, schien die Geschichte dieses Spiels schon vor Matchbeginn geschrieben. Die Luganesi hatten in fünf Spielen gerade mal drei Sätze gewinnen können und standen mit null Punkten an letzter Stelle. Umso überraschter mag manch einer der Zuschauer gewesen sein, als die Südschweizer von Beginn weg frech aufspielten und den Satz eigentlich von A-Z dominierten. „Unser Gegner hat den Diagonalspieler mit einem der Annahmespieler vertauscht und darauf waren wir taktisch nicht vorbereitet“, erklärte Trainer Polak nach dem Spiel den doch sehr schlechten Start seiner Truppe. In der Tat sah man den Brasilianer Rafa Bertolini auf der Annahmeposition neben dem gerade mal 15 Jahre alten Dennis Lerch spielen. Der Polnische Neuzuzug, Jaroslaw Lech, er kam für den verletzten Fabio Alves, spielte dafür als Diagonalangreifer. Und wie er das tat. Sieben Angriffe schloss er mit dem Punkt ab und war so für grossen Druck auf die Näfelser Abwehr besorgt. Und natürlich nicht nur er, sondern eben auch Bertolini, welcher ebenfalls positiv in Erscheinung trat. Bei Satzmitte lagen die Glarner mit 9:16 zurück und das war auch schon die Vorentscheidung. Auf der Zielgeraden gelangen Meyer und Polak noch je zwei schöne Angriffe, aber das war nur noch Kosmetik zum Resultat von 20:25.
Der Trainer wurde laut
Und hoppla, es schien auch gleich so schlecht weiterzugehen. Kurz nach Beginn lag Näfels schon wieder mit 0:4 hinten. Das Time-out brachte aber Klärung. „Ich musste etwas laut werden“, wusste Trainer Polak zu berichten, was nachher auch sofort Punkte und den Anschluss an Lugano brachte. Nach acht Zählern für beide, folgte eine Serie von vier Näfelser-Punkten, wovon zweimal hintereinander Blocks von Büsser und Meyer. Dieses so erarbeitete Polster wurde nun, ohne dem grossen Druck des ersten Satzes, kontinuierlich ausgebaut. Es folgten regelmässig kleine Serien von 2-3 Punkten nicht zuletzt auch, weil die Tessiner Annahme jetzt schnitzerte. Es wurde ausnahmslos auf den jungen Lerch serviert und der fiel in dieser Phase regelrecht auseinander. Ausserdem zeichnete sich Rafa Zurgilgen im Näfelser-Spiel durch stabile Anahmen und schwungvolle Angriffe aus. Er ersetzte Fabian Brander kurz vor Ende des Startsatzes und weil Rafa stabil blieb, spielte er das ganze restliche Spiel durch. Der Chef persönlich (Dalibor Polak) verwertete den Satzball zum Satzausgleich.
Näfels geht mit 2:1 in Führung
Der klare Sieg verlieh den Einheimischen sichtlich Flügel. Sie hielten den Druck auf Gegner Lugano hoch und zogen schon wieder einige Punkte weg. Doch die Dragons hielten dank Punkten von Lech und Bertolini dagegen und stellten wieder auf 12 beide. Zu Satzmitte stand es 16:15 und der Ausgang schien weiter offen, bis sogleich eine Punkteserie von fünf Zählern für Näfels folgte. Damit zogen sie uneinholbar davon. Jetzt ging es schnell und ein Service-Ass von Gustavo Meyer lies SEAT Volley Näfels mit 2:1 nach Sätzen in Führung gehen.
Näfels’ Nachlassen bringt beinahe das Tiebreak
Viele Zuschauer sahen nun des Gegners Widerstand gebrochen. Es sollte nun schnell gehen mit dem Gewinn des fünften Spiels dieser Saison. Doch daraus wurde nichts, wenigstens vorläufig nicht. Luganos Spiel war auf einmal wieder kompakt, es gelang Bertolini und Verga auch ihren jungen Annahmespieler Lerch etwas zu entlasten. Passeur Kajtazi verteilte nun die Bälle wieder so gut, dass Näfels mit seinem Block, der noch im zweiten Satz so vorzüglich funktionierte, wieder des öfteren weit abseits stand. So kletterte der Vorsprung der Dragons von 5:10 auf 10:16 und der Satz schien gelaufen. „Jetzt wette ich auf einen fünften Satz“, hörte man die Pessimisten von der Tribüne rufen. Dieser Satz schien weg zu sein, zu gross der Rückstand. Doch dann erhöhte Polak mit seiner Truppe noch einmal die Kadenz. Es folgten vier Punkte in Serie, unterbrochen durch einen Angriff des Polen Lech und seinem direkt nachher folgenden Servicefehler. Jetzt war Näfels wieder dran. Nur damit begnügten sie sich nun nicht mehr. Auf Meyers nächsten Angriffspunkt folgte ein gegnerischer Fehlerpunkt, um alsdann einen weiteren Tessiner Angriff mit einem herrlichen Dreierblock durch Bedrac, Büsser und Meyer in einen weiteren Punkt zu verwandeln. Die vorhin scheinbar uneinholbaren sechs Punkte Rückstand waren wettgemacht, es stand 19:19. Es folgte ein offener Schlagabtausch. Beide Teams buchten ihre nächsten Sideout-Punkte bis zum 22:21. Sozusagen als Sahnehäubchen für das sehr spannende Spiel, folgte nun eine Rallye mit weit über zwanzig Ballberührungen, welche den Ball sieben Mal übers Netz trugen bis er schliesslich, durch einen Doppelblock von Hübner und Lerch, in einem Punkt für die Dragons resultierte. Spektakulär war es, was alle zwölf Spieler an Angriffen, Blocks und Verteidigungen zeigten und liess den Zuschauern den Aufschrei der Begeisterung in der Kehle stecken bleiben.
Wer jetzt dachte dass das Momentum noch einmal kippt, sah sich getäuscht. Trotz des spektakulär gewonnenen Punktes war die Konzentration bei Lugano weg, es folgten zwei Eigenfehler zum Schluss. Und damit war eine weitere Niederlage der Tessiner besiegelt. Spielt die Mannschaft aber so beherzt weiter, kommen auch die Punkte. „Heute haben wir die Basis gelegt, gegen einen guten Gegner zu unserem Spiel zurückzufinden“, meinte denn auch ein zwar enttäuschter Roberto Malpeli. Luganos Trainer sieht aber Silberstreifen am Horizont und nicht nur er.
linth arena sgu, Näfels – 150 Zuschauer – Spieldauer 98 Minuten.
SR1 Michael Wiederkehr
SR2 Erwin Bärtsch
08-Nov-2009 | SEAT Volley Näfels – Pallavolo Lugano 3:1 (20:25, 25:18, 25:17, 25:23) |
MVP Näfels: Thomy Büsser
MVP Lugano: Jaroslaw Lech
SEAT Volley Näfels: Meyer (Captain), Gygli (Passeur), Werner (Libero), Fabian Brander, Benetti, Büsser, Polak; Bedrac, Zurgilgen, Spielertrainer: Dalibor Polak, Coach: Gygli
Pallavolo Lugano: Kajtazi (Passeur), Hübner (Captain), Verga (Libero), Bertolini, Goubeaux, Lech, Dennis Lerch; Hofstede, Trainer: Roberto Malpeli



























































































