Sonntag, 9. November 2008; 23:04
Allgemein

Meisterschaft NLA: SEAT Volley Näfels auf dem Weg nach oben?

Von: Rolando K. Küng

Nach dem Pflichtsieg gegen den VBC Andwil-Arnegg und dem Abschluss der Vorrunde herrscht beim einstigen Serienmeister SEAT Volley Näfels noch keine Goldgräberstimmung. Die drei Niederlagen in den wichtigsten Spielen stimmen nachdenklich und zeigen klar, dass der Weg nach oben noch sehr weit ist.

 

Habe grossen Fehler gemacht

Die ersten sieben Spiele jeder Mannschaft der NLA haben gezeigt, dass kein Team unschlagbar ist, obwohl dies Erzrivale Amriswil in extremis doch jedesmal gelungen ist. Sowohl gegen Näfels wie auch gegen Lausanne UC wankten die Thurgauer, fielen aber beide Male nicht. Trotzdem kann zur Zeit unter den sechs besten Teams jeder jeden schlagen. So gesehen beim Sieg Lugano’s gegen Lausanne UC und auch wieder letztes Wochenende bei der klaren 0:3 Niederlage der Ticinesi gegen Münsingen, wo ein gewisser Honduraner den Gegner praktisch alleine vom Platz gebombt hat. „Wenn der neue Spieler Münsingens tatsächlich so gut ist, habe ich einen grossen Fehler gemacht, diesen nicht zu verpflichten“, seufzt Manager Gygli. Er sei letzten Winter extra wegen des Honduraners Luiz Alberto Salgado Lopez nach Spanien geflogen um diesen dort vor Ort spielen zu sehen. Es sei nur nicht zu einer Verpflichtung gekommen, weil Trainer Carvalho lieber auf Spieler setzt die er schon kennt. Nach Márcio Sinotti, welcher 2007 Probetrainings in Näfels absolvierte und jetzt beim TV Amriswil wie eine Bombe eingeschlagen hat, wäre das also bereits der zweite Spieler, welcher den Weg irgendwie nicht ganz nach Näfels gefunden hat. So glücklich das Händchen von Gygli und Co. in den letzten Jahren oft war, so schwierig zeigt es sich im Moment und mit den heutigen Mitteln, welche ja auch nicht grösser geworden sind, eine schlagkräftige Truppe zu finden.

 

Klagen auf hohem Niveau

Doch wenn man auf diesem Niveau klagen kann, geht es einem immer noch sehr gut. Andwil-Trainer Richi Stolz hat da ganz andere Probleme. Oder vielleicht sind es auch gar keine, denn die Leistung jeder Mannschaft wird zuallererst an ihren eigenen Zielen gemessen. Das Ziel von Aufsteiger Andwil-Arnegg lautet klar: Verblieb in der höchsten Spielklasse und dies mit Schweizer Spielern aus dem eigenen Dorf oder zumindest der näheren Region. Dazu Trainer Richi Stolz: „Nach zwei Absagen von Volleyball Trainern welche die Nachfolge von Cäsi Fink hätten antreten sollen, blieb mir eigentlich nichts anderes übrig, als selbst wieder diesen Job zu machen“. Es sei bei ihnen ausserdem auch absolut selbstverständlich, dass sich die Spieler an den Fahrspesen zu den Auswärtsspielen beteiligten. „Jeder weiss was ihn erwartet, wenn er bei uns spielt und trotzdem sind alle mit Herzblut dabei“, freut sich Stolz nicht ohne Stolz. Gebtrieben von der Freude am Sport und von sehr viel Idealismus beteiligt sich seine Mannschaft nach dem Wiederaufstieg als NLB-Seriensieger, nun also wieder am harten Kampf der NLA. „Ich hoffe es gelingt mir meinen positiven Realismus auf die Mannschaft übertragen zu können“, - die Spieler schöpften ihre Kraft auch von Innen heraus, jeder für sich selbst - dies Stolz’ Versuch zu analysieren, warum seine Jungs trotz den vielen Niederlagen den Mumm nicht verlieren. Jeder von ihnen sei voll berufstätig und trainiert werde, wenn auch hart, aber halt nur abends nach getaner Arbeit. Eben dieser Arbeit, welche es den Spielern erlaube, ihr Hobby zu betreiben in der NLA Volleyball zu spielen und dafür auch noch bezahlen zu müssen.

 

Des Trainers Geduld

Wohl nicht mancher der Schweizer Spieler bei SEAT Volley Näfels könnte sich vorstellen unter diesen Bedingungen seine tägliche Motivation zu finden. Keiner investiert Geld für die Trickots, Hallenmiete, Benzin oder gar Übernachtungen an Auswärtsspielen. So gesehen ist also der Auftritt der Fürstenländer umso mehr zu bewundern und verdient Respekt. Von den Näfelser Volleyballern darf dagegen schon einiges mehr erwartet werden. Schon bald sollte aus den zehn Trainingseinheiten welche wöchentlich absolviert werden, eine homogen auftretende und schlagkräftige Mannschaft werden. Eine die auch mental genug stark ist, dass sie die dritten Sätze gewinnen kann, welche in den schweren Spielen bisher der Stolperstein gewesen waren. „Alles braucht seine Zeit“, betont Trainer Carvalho immer wieder. Und trotzdem will man sich eine bessere Rückrunde wünschen. Der eine oder andere Sieg gegen die Spitzenreiter muss schon Tatsache werden, will sich die Mannschaft, gerade im mentalen Bereich, auf die Playoff Spiele vorbereiten. Eine gute Gelegenheit über sich hinauszuwachsen haben die Sutter-Boys bereits diesen Samstag in Lugano. Da wird ein Team auf der andern Netzseite stehen, welches nach seiner schmerzlichen Heimniederlage gegen Münsingen und auch nach der 0:3 Niederlage gegen die Näfelser im Hinspiel im Stolz verletzt ist und sehr viel gut zu machen hat. Und sei es nur für sich selbst.