Mittwoch, 28. Januar 2009; 10:53
Allgemein

Meisterschaft NLA: Scherbenhaufen wegwischen und neue Motivation finden

Von: Rolando K. Küng

Nach der riesen Enttäuschung über das Ausscheiden um den Titelkampf gegen den VBC Münsingen geht es nun darum, gegen Andwil-Arnegg die Freude am Volleyballspiel wieder zu finden. Die Fürstenländer, ganz ohne Ausländer spielend, machten meistens eine gute Figur gegen SEAT Volley Näfels in dieser Saison und es wäre völlig daneben, diesen Gegner zu unterschätzen.

 

Mannschaft bleibt Beweis über eigene Stärke schuldig

Den Beweis dass die aktuelle Mannschaft von SEAT Volley Näfels stärker ist als jene von letzter Saison, wird sie leider niemals antreten können. Denn immerhin stand SEAT Volley Näfels letztes Jahr im Cupfinal in Bern. In diesem hatten die Glarner gegen Lausanne UC zwar nicht den Hauch einer Chance, aber wenigstens wurde im Halbfinal mit dem 3:0-Sieg gegen den TV Amriswil einmal ein Spiel gegen eine Spitzenmannschaft gewonnen.

Diesmal gelang zwar wieder gegen den selben Gegner das beste Spiel der Saison, aber ein Sieg wurde es trotzdem nicht. Die knappe 2:3-Niederlage brachte die Thurgauer in den Cupfinal, liess aber die Glarner wenigstens darauf hoffen, die Playoff Viertelfinalserie gegen Münsingen siegreich zu überstehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Aaretaler vorher in allen drei Spielen besiegt werden konnten und nach dem guten Spiel in Amriswil das Selbstvertrauen endlich da war.

Doch es kam ja schlussendlich ganz anders. Und es zieht sich wie ein roter Faden durch die Auftritte dieser Saison. Eigentlich wollte man ja selbst eine Spitzenmannschaft sein, doch gegen die drei in der Tabelle besten Teams gab es nur Pleiten. Dabei waren mehrere Niederlagen absolut vermeidbar, vor allem die beiden gegen Lausanne UC sowie die beiden Heimspiele gegen den CS Chênois und den TV Amriswil, ganz zu schweigen von der fatalsten zuletzt gegen Münsingen.

 

Wo ist die Mannschaft?

Dabei kann auch nicht nur das Verletzungspech als Argument herbeigezogen werden. Solches hatten andere Teams von SEAT Volley Näfels auch schon und trotzdem haben sie sich immer wieder übertroffen und letztlich gesiegt. Sucht man tiefer nach Gründen für das jüngste Ausscheiden im Titelrennen des noch vor kurzem so erfolgreichen Glarner Klubs, kommt man immer wieder zur Frage nach dem Selbstvertrauen jedes einzelnen Spielers und damit auch zum Vertrauen eines jeden zum anderen. Da scheint der Kernpunkt zu sein. Man muss nüchtern konstatieren, dass es auch Trainer Carvalho, ebensowenig wie Michel Bolle letztes Jahr, gelungen ist, die Einzelspieler zu einer echten Mannschaft zu formen. Und echte Mannschaften hat man in den letzten zehn Jahren wahrlich viele spielen gesehen im sgu. Weder die Ausländer als Schlüsselspieler in ihren Positionen noch die Schweizer als bestimmt für hiesiges Niveau sehr gute Spieler, konnten die notwendigen Impulse bringen um Spiele zu entscheiden. Gewiss wurden die Spiele gewonnen welche man ganz einfach nicht verlieren durfte. Aber keines der andern und vor allem nicht das absolut wichtigste gegen Münsingen um den Einzug ins Halbfinale wurde gewonnen.

 

Kollektive Selbstunterschätzung?

Eine kollektive Selbstunterschätzung in das eigene Können und noch mehr, zur Einbringung in die Kampfkraft der Mannschaft, hat man immer und immer wieder gesehen mit dem Resultat, dass im wichtigsten Moment keiner wirklich resolut genug das Zepter in die Hand nahm um Siege zu bringen. Lag es an der Einstellung? Am Trainingsfleiss? Was ist verantwortlich für den von Präsident Klaus Görauch zu Recht angeprangerten Verlust des "Spirit of Näfels"? Irgend etwas ist in den letzten zwei Jahren passiert. Etwas was scheinbar vorher im Stillen und automatisch lief und den Klub zum Branchenleader und Seriensieger machte. Das war nicht nur in den Köpfen der Spieler, nein, es war vor allem im Herzen jedes einzelnen.

 

Geteilte Näfels-Family

Bestimmt hat die Vereinsleitung nicht weniger gearbeitet als vorher. Jeder einzelne leistet immer noch viele hundert Stunden an Arbeit um Gottes Lohn. Vielen Spielern, so scheint es, ist dies aber gar nicht mehr so richtig bewusst. Vieles ist zu selbstverständlich geworden und wird gar nicht mehr wahrgenommen, ja geschätzt. Vielleicht liegt da der Schlüssel über den abhanden gekommenen "Spirit of Näfels". Die grosse Familie von SEAT Volley Näfels ist geteilt in die erste Mannschaft und den Rest. Und das war früher bestimmt nicht so.

 

Beispiel nehmen an Andwil-Arnegg

Eine Rückbesinnung könnte gerade am Beispiel des ersten Gegners in den Playout-Spielen vorgenommen werden. Beim VBC Andwil-Arnegg spielen die Spieler nicht nur, nein, sie erledigen auch noch den gesamten Rest und bezahlen Kleider und Reisespesen an die Spiele aus der eigenen Tasche. So entsteht der wirkliche Zusammenhalt und bleibt auch die Freude und Motivation, trotz der vielen Niederlagen, weiterhin intakt. Jeder weiss worum es geht und dass die Fürstenländer um den Ligaerhalt wie die Löwen kämpfen werden, davon kann ganz sicher ausgegangen werden.