Meisterschaft NLA: Samichlaus hätte nur Geschenke verteilt
SEAT Volley Näfels landet gegen Münsingen einen klaren 3:0 Heimsieg und reagiert somit eindrücklich auf die Pleite in Genf. Das Team war völlig verwandelt und zeigte eine über weite Strecken konzentrierte und starke Leistung. Wäre der Samichlaus doch noch gekommen, hätte er sicher nur Geschenke und Komplimente verteilt.
Nach den Leistungen in den letzten Spielen der beiden Opponenten erwartete wohl kaum jemand einen glatten 3:0 Sieg der Einheimischen. Ja es gab sogar Experten, die sagten eine klare Niederlage der Näfelser voraus. Doch das Spiel sollte zeigen, dass SEAT Volley Näfels gesamthaft überhaupt nie Gefahr lief, heute zu verlieren. Zu konzentriert, zu siegeshungrig präsentierte sich das Gastgeberteam und mit Ausnahme des dritten Satzes dominierte Näfels die Partie recht klar. Damit war auch die Antwort gegeben auf die Frage, wie wohl die Spieler reagierten auf die harsche Kritik nach dem letzten Spiel. Schon beim Einspielen spürte man gut die Entschlossenheit, mit welcher sämtliche Athleten zur Sache gingen. Dank den zwei Punkten liegt Näfels weiterhin punktgleich mit Lausanne UC auf Rang drei.
Viel Druck mit Näfelser Services
Mit viel Selbstvertrauen startete SEAT Volley Näfels und lag rasch ein paar Punkte voraus. Die ach so schwachen Services der letzten Spiele kamen wie verwandelt daher. Eben gerade mit dieser Waffe setzten die Einheimischen die Berner unter Dauerdruck. Auffälligster Spieler war in diesem Satz Jacky Gaft. Er brachte gute Annahmen, werwandelte seine Angriffsbälle in Punkte und zeigte zu Satzmitte eine Service-Serie, welche zwei direkte und vier erspielte Punkte hintereinander einbrachte. Damit war der Vorsprung auf zehn Zähler angewachsen und Trainer Gerson nahm verzweifelt bereits sein zweites Timeout. Richtig genützt hat es nichts, der Rückstand seines Teams blieb bis zum Satzende bei diesen zehn Punkten hängen. Diagonalangreifer Bruno zeigte übrigens auch noch seine Qualitäten als Blockspieler. Bei allen vier Blockpunkten des ersten Satzes war er beteiligt.
Münsingen wird zu vielen Fehlern gezwungen
Satz zwei zeigte vorerst ein ausgeglichenes Spiel. Es stand 10:9 ehe Brander sein Sideout und gleich darauf Silvio einen Blockpunkt machte. Im übernächsten Umgang war es erneut Brander und nachher Bruno mit einem Service-Ass, welche dafür sorgten dass nun der Vorsprung bereits vier Punkte betrug. Nach Satzmitte folgte eine weitere erfolgreiche Serie von sechs Services. Diesmal war es Mittelblocker Silvio, welcher mit seinen ekligen Floatservices die gegnerische Annahme vor schier unlösbare Probleme stellte. So stand es danach bereits wieder vorentscheidend 20:13. Und weil die meisten Annahmen während des ganzen Satzes sehr gut auf Passeur Bedrac kamen (er spielte durch) hatte dieser für den Angriff die Qual der Wahl. Mit Punkt 22, so schien es, weckte er auch Roman Sutter für die Angriffe über die Mitte, denn dieser sollte im letzten Satz nicht weniger als sieben Punkte zum Sieg beisteuern. Satz zwei wurde übrigens mit dem fünften Serivce-Fehler Münsingens (alleine in diesem Satz) sozusagen kampflos abgeschlossen. Er war Luis Salgado, die Rakete aus Honduras, welche aber heute eine nasse Zündschnur hatte und nicht zündete.
Super Aufholjagt reisst Zuschauer von den Sitzen
„Nicht immer ist die 10-Minutenpause gut für uns“, meinte Manager Gygli nach dem Spiel. In der Tat kamen die Spieler zurück aufs Feld und schienen in den Köpfen zu haben, diesen Satz nicht unbedingt gewinnen zu müssen. Jetzt war plötzlich das Näfelser Spiel sehr fehlerhaft. Service- und Angriffsfehler wechselten sich ab, es waren acht an der Zahl bis zum Stand von 8:12. Zwei Angriffsgranaten von Diagonalspieler Bruno brachten die Glarner wieder näher heran. Doch schon kamen weitere Fehler dazu und es hiess schnell 14:20. Das zweite Timeout von Trainer Léo Carvalho war die Notbremse. Wieder einmal wurde er etwas lauter und meistens wenn er das tut, zeigt es seine Wirkung. Sein Landsmann Silvio kam zum Service und floatete während den nächsten sieben Services was das Zeug hielt. Die sechs Punkte in Folge wurden zwar unterbrochen von zwei Timeouts von Trainer Gerson, genützt haben sie aber nichts. Was unmöglich schien, wurde bei 21 Punkten Tatsache. SEAT Volley Näfels glich das Spiel aus sehr zum Verdruss von Coach Gerson. Fluchend und wild gestikulierend, mit den Schiedrichterentscheiden hadernd, lief er nervös der Seitenlinie auf und ab. Er schnaubte vor Wut und wäre er nicht Gerson (man kennt ihn ja..) hätte er wohl auch heute wieder eine gelbe Karte wegen Reklamierens kassiert. Schiedrichter Stanisic liess aber Gnade vor Recht ergehen und zückte die Karte nicht. Er bewies damit auch Fingerspitzengefühl, denn die Gelbe bedeutet ja einen Strafpunkt und bei diesem Spielstand hätte das wohl die Niederlage der Aaretaler besiegelt. So aber wurde Satz und Spiel auf dem Feld unter den Spielern entschieden und es sollte noch ein Fotofinish werden, welcher die Zuschauer begeisterte und von den Sitzen riss. Jacky Gaft, welcher verdient zum besten Spieler auf Näfelser Seite gewählt wurde, kam bei 24:23 zum ersten Satzball. Da er vorher sehr gut servierte, riskierte er auch diesmal alles, setzte aber seinen Hammer ins Netz. Die nächsten Punkte spielten beide Teams ein perfektes Spiel ohne Fehler. Dann passierte aber Näfels ein Fehler beim Block und so kam Münsingen zu seinem ersten Satzball. Weingart patzerte am Service. Bruno auf der andern Seite ebenfalls beim nächsten Angriff. Gaft und Brander buchten die nächsten beiden Punkte und so kam also Näfels unter tosendem Applaus zu seinem fünften Matchball. Doch auch dieser wurde nicht verwertet. Es brauchte noch einmal je einen erfolgreichen Angriff von Gaft und Bruno, ehe Münsingen’s Luis Salgado, mit dem Rücken zur Wand, den letzten verzweifelten Angriffsversuch ins Netz setzte. „Näfels hat ausser im dritten Satz gut gespielt und wir haben verdient verloren“, meinte ein noch sehr erregter Trainer Gerson nach dem Spiel. Hätten sie ihren Carlos Guerra zur Verfügung, ja dann sähe alles wieder etwas anders aus. „Nur zu gerne hätte ich meinen Kameraden geholfen, aber leider bin ich wohl erst ab den Play-offs bereit wieder zu spielen“, meinte der Betroffene dazu. Der Mexikaner hofft aber sehr, sich über die Festtage mit intensivem Training wieder in Form zu bringen, kehrt aber erst zurück, wenn er wieder 100% fit ist, wie er selbst sagt.
„Ich bin sehr erfreut über die Reaktion meiner Mannschaft“, meinte ein sehr zufriedener Manager Gygli. Trainer Carvalho warnte aber sogleich wieder vor der Gefahr erneuter Selbstzufriedenheit: „Unser Ziel muss es sein, aus den restlichen drei Spielen noch sechs Punkte zu holen“. Damit setzt er die Latte sehr hoch aber vielleicht ist genau dies das Rezept, um auch gegen Lausanne UC in einer Woche in Glarus einen Sieg zu landen.
Matchtelegramm
Näfels, linth arena sgu: 06.12.2008, 15.30 Uhr
Spieldauer 78 Minuten
Zuschauer: 250
SEAT Volley Näfels - SWICA Volley Münsingen 3:0 (25:15, 25:17, 33:31)
SEAT Volley Näfels: Bedrac (Passeur), Werner (Libero), Gaft, Silvio, Brander, Roman Sutter, Bruno, Gygli (Captain), Tchello; (Andy Sutter, Pfister und Suter abwesend durch Verletzung)
Trainer: Leo Carvalho
SWICA Volley Münsingen: Joslin (Passeur und Captain), Morgenthaler (Libero), Kertai, Weingart, Salgado, Büschi, Augsburger, Fölmli, Kovatsch; Kissling, Weber, Bonaria. Verletzt: Carlos Guerra.
Trainer: Marc Gerson
1.SR: Sacha Stanisic
2.SR: Michael Wiederkehr



























































































