Meisterschaft NLA: Quo vadis Volley Näfels und Swiss Volley?
SEAT Volley Näfels startet in einer Woche in die kleine Playoff-Serie um die Bronzemedaille. Entschieden wurde dies an einem wirklich spannenden Volleyball-Abend in den letzten beiden Partien der Qualifikation. Mit dem CS Chênois als glücklichem Finalteilnehmer hat Göttin Fortuna, nach einigem Zögern, doch noch gegen die Näfelser entschieden.
Es braucht bestimmt viel bis es dazu kommt, dass der CS Chênois seinem Erzrivalen auf der eigenen Webseite zur geleisteten Schützenhilfe dankt. Die Spannung war für alle gross in der Sous-Moulin-Halle in Thônex. Soeben begrub Volley Amriswil mit seinem 3:2-Sieg eigentlich die Hoffnungen Chênois’ zur Finalteilnahme und damit zum Fight um den Titel eines Schweizer Meisters. Natürlich kannten alle das Zwischenresultat aus Lausanne zwischen LUC und Volley Näfels. Den meisten war klar, dass ein Team welches einen Zweisatzrückstand aufholt, unter den gegebenen Umständen, ein solches Spiel nicht mehr verliert. So wetteten also nicht mehr viele darauf, doch noch und wieder gegen Volley Amriswil zu spielen. Zuletzt tat man dies im Frühling 2006 mit dem klaren Sieg gegen die Thurgauer und damit dem letzten Meistertitel für Chênois. Ein Aufschrei ging durch das Foyer als die Sieges-Meldung von Lausanne UC durchkam. Wohl waren die meisten mindestens ebenso überrascht wie auch erfreut.
Top-Leistung von Polak nützte nichts mehr
Dank Live-Videoübertragung auf Lausanne’s Webseite (eine durchaus kopierungswürdige Idee ohne grossen Aufwand) wurden die allergrössten Fans beider Mannschaften Zeuge vom Absturz der Näfelser Volleyballer im Tiebreak. Wenn einer noch dagegen hielt, dann war dies Dalibor Polak. Der Rest des Teams aber war schlicht nicht mehr fähig, den plötzlich wieder Volleyball spielenden Gegner aufzuhalten. Auch hier in Lausanne wussten natürlich alle ständig über den Zwischenstand des Spiels in Genf Bescheid. Der fünfte Satz war für Volley Näfels noch nicht verloren, als die Niederlage von Chênois feststand. Und wenn es für die Rückkehr ins Spiel noch einer speziellen Motivation bedurfte, wäre sie das gewesen. In diesen Minuten also, wurde erst entschieden wer denn nun wirklich gegen Volley Amriswil um den Titel antreten durfte. Es fehlten den Näfelsern also effektiv gerade mal einige wenige Minuten und ein paar Punkte mehr, um das schwierige Unterfangen der Finalquali doch noch zu schaffen. Etwas was sie unter normalen Umständen gegen den selben Gegner und vor allem angeknakst, wie er sich noch im vierten Satz präsentierte, ohne Probleme schaffen konnten. Was genau da aber in den Spielerköpfen vorging, als sie beim Stand von 8:9 eine Serie von vier Punkten kassierten und damit das Spiel auch praktisch verloren hatten, weiss niemand so ganz genau.
Aufbruch zur Fehlersuche
Ebenso wie Volley Näfels den Einzug in den Cupfinal verpasste, passierte nun, schon wieder gegen LUC, das selbe erneut. Und damit geht diese Saison wohl in die Geschichte ein als eine in welcher die Mannschaft alles selbst in der Hand gehabt hätte Titel zu holen und an die grossen Erfolge anzuknüpfen welche seit dem Frühling 2007 nur noch in den Erinnerungen wach bleiben. Es fehlte dermassen wenig auf dem Spielfeld, dass man vordergründig schon fast von Leichtsinn versucht ist zu sprechen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Mit der Lösung von Spieler/Trainer in Personalunion verkörpert durch den Tschechen Dalibor Polak hat der Klub zwar finanziell einen sehr guten Ausweg gefunden, aber natürlich doch viel mehr der (finanziellen) Not gehorchend, als dem echten Bedürfnis nach einem Top-Trainer und einem Spitzenspieler auf der Diagonalposition. Rasch hat sich gezeigt, dass das Coaching als Spieler selbst recht heikel und echt schwierig ist. Oft war Trainer Polak nicht ganz sicher, wie seines Teams Spiel von aussen aussah. Und zuwenig oft kamen von der Trainerbank die entscheidenden Informationen, welche es ihm erlaubt hätten, die Weichen zu stellen. Kein Vergleich auf jeden Fall mit den Zeiten z.B. eines Serramalera als Trainer. Finanziell muss man aber diese Zeiten ebensowenig vergleichen miteinander. Es bestehen Welten zwischen den damaligen Budgets und heute.
Schwächste NLA seit zehn Jahren
Und dies geht ja ganz offensichtlich auch allen andern Teams so, vielleicht mit Ausnahme von Volley Amriswil. Beim Blick auf die Schlussrangliste findet man diese mit zehn Punkten Vorsprung auf die restlichen vier Teams, welche letztendlich alle gerade mal drei von acht Spielen gewinnen konnten. Und wenn die Prognosen von grosser Ausgeglichenheit vor Saisonbeginn quasi unisono klangen, dann hat der Verlauf nun gezeigt, dass diese Prognose sogar mehr als richtig war. Dass ausgerechnet der CS Chênois, welcher in argen finanziellen Nöten steckt, um die Krone spielen darf, ist nun wirklich nichts anderes als reiner Zufall. Vom spielerischen Gehalt ist die NLA dieser Saison im Vergleich zu vor zehn Jahren, nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und jetzt, da schon bald die Aufstockung auf zehn Teams bevorsteht, droht das Niveau noch mehr zu sinken. Man kann diese Aufstockung auch als klares Bekenntnis zur Mittelmässigkeit interpretieren. Swiss Volley hat ganz offensichtlich erkannt, dass ein Anschluss auch nur gerade ans europäische Mittelfeld, schier ein Ding der Unmöglichkeit ist und nur mit konsequenter Förderung der Talente und grosser Anstrengung diese auch in der Halle zu halten, möglich wäre. Durch den klaren Trend, dass die wirklich guten Spieler sich schon bald ohnehin dem Beachvolleyball zuwenden, sind die Anstrengungen wohl zum Vornherein kompromitiert. Dazu kommt, dass das Hallenvolleyball ohne TV-Präsenz niemals mit fetten Werbeinnahmen rechnen kann und ohne diese das Niveau der ausländischen Verstärkungen weiterhin tief bleibt. Es scheint ein geschlossener Kreislauf zu sein und aus diesem hinauszukommen bedürfte eines visionären Machers. Dieser scheint aber im Moment weit und breit nicht vorhanden zu sein und damit dürfte es auf dem eingeschlagenen Weg weitergehen. (besser man gewöhne sich schon jetzt daran)
Wohin führt der Weg?
Szenenkennern wie Manager Gygli wird es auch in Zukunft gelingen, für das neue Niveau der NLA eine Spitzenmannschaft auf die Beine zu stellen. Wie gross das Gezeigte in der Halle zahlenmässig von den Zuschauern noch honoriert wird, wissen diejenigen, welche die Heimspiele überall in den Schweizer Hallen regelmässig besuchen.
Weiter geht es immer wieder, irgendwie. Aber so wie die Weichen jetzt gestellt sind darf man sich vielleicht auf viele spannende Spiele freuen, welche aber vom spielerischen Niveau her nicht sehr hochstehend sein werden. Gibt man sich damit zufrieden, erreicht man wenigstens, dass die Klubs keine allzu grossen finanziellen Abenteuer einzugehen brauchen. Die Hoffnung, damit mehr Schweizer NLA-Spieler zu haben wird ebenfalls erfüllt. Daran zu glauben, dass die Besten unter ihnen aber in diesem System internationales Profil erreichen können, daran glaubt wohl nur der Osterhase.



























































































