Meisterschaft NLA: Noch darf SEAT Volley Näfels hoffen
Diese Playoff Viertelfinal-Serie geht über maximal drei Spiele, so es denn SEAT Volley Näfels gelingt, die erneut eingefangene mentale Blockade vom Ende des ersten Satzes in Amriswil wieder zu lösen. Die Benne-Truppe hat es spielerisch drauf die Serie noch zu gewinnen, die grosse Incognita ist aber der Kopf.
Wohl keiner hat vor dem Spiel erwartet, dass es dem TV Amriswil gelingt, die Näfelser in drei Sätzen abzufertigen. Vieles sprach dafür, dass es ein langes und hartes Spiel geben würde. So sah das auch Edwin Benne: „Auf keinen Fall lässt sich unser Gegner heute wieder derart überraschen wie beim letzten Spiel. Ich erwarte nicht nur heute ein sehr hartes Match sondern auch eine spannende, lange Serie, eine Prognose wage ich aber niemals“ Mit den Erwartungen seines Trainers war auch Manager Ruedi Gygli einverstanden obwohl auch er keine Resultatprognose wagte: „Es wird ein langes und hartes Spiel.“ Dabei herausgekommen ist aber eigentlich genau das Gegenteil. Gewiss, der erste Satz zeigte über weite Strecken ein gutes Näfelser Spiel mit leichten Vorteilen. Beim Erreichen des ersten Satzballs schien die Sache gelaufen. Und trotzdem gab es noch ein unerwartetes „Déjà-vu“. Auch gegen LUC fehlte nur noch ein Punkt zu Satz- und Spielgewinn und was damals die Folge des nicht gewonnenen Punktes war, stand hier mehrfach geschrieben. So meinte denn auch eine treue und begeisterte Zuschauerin beim Stand von 24:20 für Näfels: „Die Sache ist gelaufen, diesen Satz haben wir gewonnen,“ worauf ein anderer Zuschauer entgegnete: „Ich wäre allzu gerne einverstanden mit dir, wenn es sich beim führenden Team nicht um SEAT Volley Näfels handelte.“ Und leider sollte der Pessimist recht behalten.
Amriswil-Trainer Jalal Baghdady stellt fest wenn er die mentale Verfassung beider Teams etwas genauer analysiert: „Beide Mannschaften reagieren gleich auf Druck. Derjenigen welcher es zuerst gelingt den grösseren Druck aufzubauen kauft der anderen den Schneid ab und sie verliert.“ Dies kann auch eine Erklärung dafür sein, dass die letzten drei Spiele zwischen den beiden Erzrivalen jeweils nur über drei Sätze gingen. Keiner Mannschaft gelang es einmal in Rücklage liegend, sich wieder heranzukämpfen und das Spiel noch zu drehen.
Ein Satzverlust reichte und das Kartenhaus brach zusammen
Was wäre wenn? Diese Frage darf man sich natürlich stellen, wenn man gesehen hat wie die Glarner im Oberthurgau ihr Spiel eigentlich innerhalb von fünf, sechs Punkten verloren haben. Passeur Bedrac zeigte bis zu diesem Zeitpunkt gewiss ein ordentliches Spiel. Dann aber setzte er gleich viermal hintereinander auf die falsche Karte, sein Pass kam zweimal bei Vinicius und je einmal bei Joelson und Vladimiro nicht so, dass aus deren Angriff der eine einzige Punkt herausschaute, welcher den Satz beendet hätte. Es war jammerschade und eigentlich einmal mehr schier unglaublich, wie einer ganzen Mannschaft die Luft rausging gleichsam wie bei einem Gummiboot welches soeben von einer Kanonenkugel getroffen wurde. Chlapf-tatsch und nichts ging mehr. Der Satz war weg und damit auch gleich die ganze Konzentration und jeglicher Mut. „Das war wieder das Team, welches im Spätherbst ein Spiel nach dem andern verlor,“ meinte denn auch ein weiterer Glarner Fan ziehmlich ernüchtert und vor allem enttäuscht. In der Tat darf man sich diese Frage stellen: Warum geben die Spieler um Captain Andy Sutter dermassen schnell auf? Wo bleibt die Fähigkeit zwar zu leiden, aber sich dann wieder auf sein Können zu besinnen? Grosse Mannschaften zeichnen sich dadurch aus nie aufzugeben. Wieviele Gespräche ein Trainer auch macht mit seiner Mannschaft bei der Spielanalyse, immer wieder kommt jeder zum Schluss, dass es die Spieler sind, welche in solchen Momenten entscheiden ob sie gewinnen wollen oder gar nicht können. Wohl noch keine Näfelser Mannschaft bisher war dermassen unberechenbar wie die jetztige. Bleibt zu hoffen, dass aus dieser Wundertüte bei Spiel 2 wieder ein Sieg herauskommt, so dass wenigstens die Serie offen gehalten werden kann. Es wäre wohl geradezu vermessen dann auch noch zu erwarten, das es SEAT Volley Näfels gelingt auch das dann notwendige dritte Spiel in Amriswil zu gewinnen. Aber eben: Die Hoffnung stirbt zuletzt und an die klammern sich nun nicht nur Trainer und Spieler sondern auch die vielen Fans.



























































































