Meisterschaft NLA: Näfels zeigt Hitchcock-Finale und siegt in Extremis gegen den TV Schönenwerd
SEAT Volley Näfels ist es einmal mehr gelungen, die Zuschauer in der linth arena von den Sitzen zu reissen. Der 22:20-Sieg im Entscheidungssatz war sicher glücklich, umsomehr freuten sich die Fans über das spannende Finale mit dem Fotofinish und dem richtigen Sieger.
Nach den beiden 2:3-Niederlagen gegen den CS Chênois, einmal zuhause und am Samstag in Genf, war dieser hauchdünne Sieg sicher nicht nur für die Spieler Balsam, sondern auch für die Zuschauer in der linth arena. Es war ein Spiel in welchem abwechslungsweise immer diejenige Mannschaft den Satz gewann, welche den besseren Start erwischte. Wobei diese Regel im Tie-break noch beinahe gebrochen worden wäre, hätte der TV Schönenwerd einen seiner zwei Matchbälle verwertet. Doch die Solothurner zogen auch im vierten von fünf Spielen wieder den Kürzeren gegen die Glarner. "Der fünfte Satz war sehr spannend, aber beide Teams haben schon bessere Spiele abgeliefert in dieser Saison", meinte Jan Schnider, der beste Volleyballspieler der Schweiz. (diese Auszeichnung wurde ihm anlässlich des Cupfinals in Bern verliehen) Er zeigte sich verständlicherweise enttäuscht darüber, dass er und seine Mannschaft die Chance nach der 2:1-Satzführung nicht packte, um die dringend benötigten drei Punkte aus Näfels zu entführen. "Dieses Resultat bringt wohl beide Klubs nicht mehr in das Playoff-Finale", analysierte der Ex-Näfelser die Punkteausbeute mit zwei Punkten für Volley Näfels und nur einem für seinen TV Schönenwerd.
Gygli trauert verpasster Chance nach
Beide Teams hatten vor diesem Wochenende das selbe Ziel. Sie wollten sechs Punkte aus zwei Spielen holen. Nur ein Zähler wurde es letztlich für die Solothurner und drei für die Glarner. Damit scheint für beide der Zug in Richtung Meisterschaftsentscheidung abgefahren, denn jetzt stehen dafür Lugano und Chênois ganz klar auf der Pole-Position. "So wie das jetzt aussieht, müssen wir sogar noch etwas auf das Glück hoffen, dass wir nächste Saison überhaupt für einen der europäischen Wettbewerbe qualifiziert sein werden", meinte ein sichtlich enttäuscher Manager Ruedi Gygli nach dem Spiel. "Wir haben es in der Hand gehabt, die drei Punkte zu holen. Unser Gegner wäre heute auch ohne ins Tie-break gehen zu müssen zu schlagen gewesen," resümierte Gygli die zu schlechte Leistung seines Teams. Aber das selbe können die Schönenwerder ebenfalls sagen.
Schönenwerd legt vor
Satz eins zeigte einen guten Start der Solothurner, aber nach dem Startfurioso der Gäste lag schon bald Volley Näfels mit drei Punkten vorne. Doch auch dieser Vorsprung währte nicht lange und es entwickelte sich ein Schlagabtausch mit offenem Ausgang. Dann aber genügte ein kurzes Nachlassen der Näfelser und die Schnider-Truppe setzte sich vorentscheidend mit fünf Punkten ab. Gygli kam nun für Bedrac ins Spiel. Doch mehr als nur den Rückstand in Grenzen zu halten gelang auch ihm nicht mehr. Näfels gab diesen Satz ab, ohne ab Satzmitte auch nur noch den Hauch einer Chance gehabt zu haben, diesen noch zu gewinnen.
Näfels zieht nach
Satz zwei verlief dann glücklicherweise mit genau umgekehrten Vorzeichen zugunsten der Polak-Truppe. Diese lag immer vorne und vergrösserte den Vorsprung ohne jemals abreissen lassen müssen bis zum klaren Satzgewinn mit 25:16. Paul Sanderson's Nachlassen war es wohl, welches den Unterschied ausmachte und er wurde denn auch prompt durch seinen Captain Florian Lier ersetzt. Bei Näfels zeigte Passeur Bedrac seine beste Phase des Spiels mit direkten Punkten am Netz und zwei Winnern beim Service.
Näfels wird abserviert
Nach dem Pausentee sah man wieder genau das umgekehrte Bild. Jetzt waren es wieder die Niederämter, welche klar dominierten und man fragte sich beim Stand von 8:21 (!) ob es SEAT Volley Näfels noch gelänge, überhaupt auf zehn Punkte zu kommen in diesem Satz. Doch irgendwie entspannten sich jetzt die verkrampften Köpfe der Näfelser-Spieler und siehe da, es kamen noch einmal ganz viele Punkte dazu. Martin Klapal, der Mittelblocker, servierte locker und entspannt zwei Winner und zwei Asse hintereinander und dank ein paar Fehlern des Gegners und Punkten durch Polak und Pulko buchten die Einheimischen doch noch zehn Zähler mehr. So sah das Satzresultat mit 18:25 wenigstens nicht mehr allzu hässlich aus. Und noch wichtiger, es gab den Näfelsern wieder Schwung für den vierten Satz, welchen sie nun ihrerseits wieder von Anfang an klar dominierten.
Ehrat, eine grosse Hoffnung
Gestartet wurde in diesen Satz mit Samuel Ehrat, welcher schon am Vortag in Genf eine Klassepartie gezeigt hatte und zur Belohnung das NLA-Spiel mit Näfels absolvieren durfte. Sonst hätte er mit Jona ein Aufstiegsspiel in die NLB absolviert wie übrigens Nico Beeler auch. Und was der Youngster am Service zeigte war allererste Sahne. Mit seinen mehr als perfiden Bällen, welche praktisch ohne eine Kurve zu zeichnen pfeilgerade auf Schönenwerds Annahmespieler losschossen, waren diese eine schöne Zeit lang komplett überfordert und auf verlorenem Posten. Entnervt nahm Trainer Bonaria nach dem 6:0 bereits sein zweites Time-out! Hoppla, das war ein Fehlstart par excellence. Und wie im zweiten so auch im vierten Satz zog Näfels, jetzt wieder mit Gygli am Pass, sein Spiel zum klaren Satzgewinn durch. Den letzten Punkte buchte Dalibor Polak mit einem Ball den man sonst eher im Beach-Volleyball zu sehen bekommt, mit einem Shot in die rechte hintere Ecke des Feldes. Und damit hat also auch SEAT Volley Näfels, wie schon am Vortag einen Punkt auf sicher.
Zuschauer von den Sitzen gerissen
Jetzt ging es noch um den zweiten Punkt und den wollten natürlich beide Teams unbedingt. Entsprechend ging es auch sofort zur Sache in diesem Tie break. Näfels erwischte den besseren Start und zwang so auch diesmal Trainer Bonaria zu einem frühen Time-out. Dieses zeigte seine Wirkung und die Gäste kamen wieder heran und legten auch noch vor. Nach dem zweiten Näfelser Time-out legte Dalibor Polak eine kleine Serie hin mit seinen manchmal sehr gefährlichen Jump-Serves. Er brachte sein Team bei 14:12 zum ersten Matchball. Die Sache schien gelaufen. Doch zu früh gefreut. Polak hätte mit seinem Angriff alles klar machen können, doch er setzte den Ball neben die Seitenlinie. Im Gegenzug buchte Marco Fölmli ein Ass. Wow - das war der Hammer und die Lärmkulisse entsprechend - ohrenbetäubend. Bei 17 Punkten für beide wurde Polak am Block von Hänggi und Fölmli eiskalt erwischt. Matchball Schönenwerd. Doch den nächsten Punkt machte Polak. Und noch einmal kam der Gegner mit Hänggi zum Matchball. Und noch einmal hat es nicht sollen sein, denn Ehrat gleicht wieder aus. Es war ein Stoppball am Block, welchen Martin Klapal den Bruchteil einer Sekunde länger drückte als sein Gegner und mit seinem Punkt Dalibor Polak noch einmal die Chance gab, nun endlich alles klar zu machen. Er kam zum Service. Und diesmal schien er sein Herz in die Hände genommen zu haben. Der Tscheche landete den entscheidenden Service-Winner. Ein Aufschrei brandete durch die linth arena zum riesengrossen Jubel von Spielern und Fans über diesen in Extremis doch noch erreichten Sieg.
Matchtelegramm
linth arena sgu, 25. März 2012, 17:00 Uhr
Spieldauer 121 Minuten
Zuschauer: 450
SEAT Volley Näfels - TV Schönenwerd 3:2 (19:25, 25:16, 18:25, 25:19, 22:20)
SEAT Volley Näfels:
Bedrac und Gygli (Passeur), Werner (Libero), Büsser (Captain), Pulko, Klapal, Polak, Tomas; Brander, Illic, Ehrat. (Nico Beeler mit Jona im Einsatz. Spelertrainer: Dalibor Polak; Coach: Matus Kalny
TV Schönenwerd:
Milanez (Passeur), Heimgartner (Libero), Sanderson, Bossart, Schnider, Eichenberger, Hänggi; Lier (Captain), Bartholdi, Fölmli, Giger
Trainer: Marco Bonaria
2. SR: Christian Nellen



























































































