Montag, 2. Februar 2009; 19:00
Allgemein

Meisterschaft NLA: Gezeigte Leistung auch in Spiel zwei durchziehen

Von: Rolando K. Küng

SEAT Volley Näfels besiegt zum Auftakt der Playout-Serie den VBC Andwil-Arnegg erwartungsgemäss klar. Diese beiden Klubs bewegen sich in zwei derart verschiedenen Welten, die einen als stolze Amateure und die anderen als professionell organisierter Klub mit Ambitionen für höhere Aufgaben. Und genauso verschieden präsentieren sich die Erwartungen. Die Fürstenländer wollen ihren Anhängern ein anständiges Spiel zeigen und zumindest mit dem Gegner einigermassen mithalten. SEAT Volley Näfels aber muss auch dieses Spiel ganz einfach klar gewinnen. Alles andere wäre unverständlich.

 

Ungefähr ebenso unverständlich wie eigentlich auch das Ausscheiden aus dem Titelrennen gewesen ist. Wie grosse Konsequenzen die Niederlage gegen Münsingen hatte, zeigte sich denn auch beim ersten Heimspiel in der Best-of-five gegen Andwil. Anstelle einer vollen linth arena sgu mit lauten Fans hüben wie drüben, sah man ein nettes Spielchen, mit einigen schönen Spielzügen und immer mit der Gewissheit über den sicheren Heimsieg durch SEAT Volley Näfels. Trotz verletzungsbedingten Ausfällen von Gaft, Bruno und Andy Sutter brauchten die übrigen sieben Spieler niemals ihre Komfortzone zu verlassen. Es war alles schön, harmonisch und einfach so wie man es erwartete. Da konnten sich die Zuschauer noch nicht mal über die wieder sehr vielen Servicefehler ihrer Lieblinge aufregen. Denn so viele es auch waren, es änderte überhaupt nichts am Resultat.

 

Biedere Volleyballkost
Und genau das war es, was den echten Volleyballfans in diesem Klima von Friede, Freude und Eierkuchen störte. Der Gegner hiess eben Andwil-Arnegg und nicht TV Amriswil. Beide Klubs beginnen mit dem Buchstaben A und beide kommen auch aus der selben Gegend. Hört man ihnen beim Sprechen zu (den Schweizern zumindest) so tönt auch der Dialekt, zumindest für unsere Ohren, ganz genau gleich. Aber eben, es nützt alles nichts, anstelle von heiss umkämpften Spielen gegen einen sehr starken Gegner gab und gibt es noch mindestens zweimal mehr als biedere Volleyballkost. Dies ist nicht abwertend, aber einfach die Realität. Andwil-Arnegg stellt nur mit Einheimischen eine NLA Mannschaft, was Näfels wohl kaum gelingen würde. Realistisch sind die Fürstenländer in dieser Besetzung auch nur eine gute NLB Mannschaft und SEAT Volley Näfels könnte auf diesem Niveau ebenfalls in etwa eine solche Mannschaft aus eigenen Spielern stellen. So gesehen sind die Volleyballwelten dieser beiden Vereine so verschieden gar nicht. Aber da ist halt ein Vorstand welcher sich vor vielen Jahren eine Strategie zurecht gelegt hat, welche über fast ebenso viele Jahre mehr als erfolgreich in die Tat umgesetzt wurde. Und das macht den grossen Unterschied.

 

Quo vadis Volley Näfels?
Jetzt aber, da diese bereits die zweite aufeinanderfolgende Saison nicht mehr aufgeht, sind wohl endgültig neue Ideen gefragt. Oder aber zumindest die alten wieder neu aufgelegt und erfolgreich umgesetzt wie früher. Jetzt ist klar, dass mit der Meistermannschaft vom Frühling 2007 ein Zyklus zu Ende gegangen ist. Die Stärkenverhältnisse haben sich seither ganz klar in andere Gegenden der Schweiz verlagert. In der Waadt und im Thurgau wird zur Zeit professioneller und vor allem erfolgreicher gearbeitet. Doch auch die dort ansässigen Klubs kamen ja nicht einfach aus dem Nichts. Auch sie waren aus nächster Nähe Zeuge von Näfels Überlegenheit und so viel sie damals auch versuchten zu unternehmen, es gelang einfach nicht. So darf wohl auch bei Näfels nichts mit der Brechstange versucht werden. Das kostet zuviel Kraft und Energie. Vielmehr, so scheint es, ist die Zeit gekommen, dass sich die Vereinsführung personell so formiert, dass sie den Aufbruch zu neuen Zielen in Angriff nehmen kann. Die Strategie sollte dabei wohl eher eine mittelfristige sein. Denn nur mit sehr viel Geld und manchmal nicht einmal dann, könnten sich die Erfolge sofort wieder einstellen. Am Beispiel des TV Amriswil hat man gut gesehen wie viel mehr als nur einige gute Einzelspieler es braucht, um wirklich an der Spitze mitmischen zu können. Dort, so scheint es, stimmt jetzt alles und die wilden Blauen scheinen bereit mit Titeln endlich das zu erreichen, was sie nun seit vielen Jahren anstreben. SEAT Volley Näfels ist davon weiter enfternt als nur der spielerische Unterschied zwischen den Spielern der einen und der anderen Mannschaft. Aber nur wenn die Situation wie sie jetzt ist auch erkannt wird, kann an ihr etwas verändert werden.