Donnerstag, 5. März 2009; 09:19
Allgemein

Meisterschaft NLA: Ausländer wollen bei SEAT Volley Näfels bleiben

Von: Rolando K. Küng

Nach Abschluss der Volleyballsaison 08/09 gewährt sich Manager Ruedi Gygli einen ersten Rückblick und die Analyse darüber, warum es wieder nicht bis in die Playoff-Halbfinals gereicht hat. Er wagt aber vor allem auch einen Ausblick auf die nächste Saison. Denn trotz nicht erreichten Zielen auf sportlicher Ebene geht das Leben ja weiter und die nächste Meisterschaft kommt bestimmt.

 

Irgendwie geht es immer weiter

Auch wenn die Krise die Erwartungen dämpft und die Aussichten auf fette Sponsorenverträge nicht gerade rosig sind, ist sich Gygli sicher, dass es auf jeden Fall wieder weiter geht und er ist noch lange nicht müde, ein weiteres Mal alles zu geben um ein schlagkräftiges Team ab Ende September wieder auf die neue Reise zu schicken.

 

Er gibt zu bedenken dass im Swiss Cup die Auswärtspartie gegen den nachmaligen Cupsieger, den TV Amriswil äusserst knapp verloren gegangen ist. „Ein solches Spiel kann gut auch auf unsere Seite kippen“, ist der Manager überzeugt. Und in der Tat hat Volley Näfels in der Vergangenheit sehr oft solch knappe Spiele für sich entschieden. Diagonalspieler Bruno Amorim’s Verletzung war bestimmt entscheidend, dass er vielleicht gerade in diesem Spiel die letzten zwei Punkte nicht mehr gemacht hat. So sehr er vorher auch auftrumpfte, reichte es leistungsmässig halt nur noch, die Türe zum Cupfinal aufzustossen, nicht aber mehr, sie auch zu durchschreiten. Vielleicht gelang es Konkurrent Amriswil damit auch, etwas sportliche Gerechtigkeit wiederherzustellen. Denn man kann die Zahl des knappen Scheiterns der Blauen aus dem Thurgau schon gar nicht mehr zählen. Das Momentum haben sie sich, mindestens für diese Saison, klar auf ihre Seite geholt.

 

In der Meisterschaft war Münsingen der Stolperstein. Ein Team welches zuvor klar auf Distanz gehalten werden konnte. Kein Geringerer als Ex-Näfels-Spieler Carlos Guerra (Mex) war entscheidend für die grosse Leistungssteigerung der Aaretaler verantwortlich. Dies zeigt ganz einfach nur und einmal mehr, welch wichtige Spieler schon bei Näfels gespielt haben. Münsingen ist die Steigerung gelungen, welche man die ganze Saison über der Mannschaft von SEAT Volley Näfels vorausgesagt und auch zugetraut hatte. Dass sie nicht kam darf sicher auch dem fehlenden Draht von Trainer Carvalho zur Mannschaft zugeschrieben werden. Irgendwie hat es nie richtig gefunkt zwischen dem Gros der Spieler und ihrem Trainer aus Rio de Janeiro. Trotzdem hält Gygli fest, dass sich die Spieler untereinander sehr gut verstanden haben. Dass dies tatsächlich so ist, bestätigt vielleicht auch, dass mit Ausnahme von Mittelblocker Silvio, sämtliche anderen Spieler darum gebeten haben beim Klub zu bleiben.

 

 

Kann SEAT im Boot gehalten werden?

Damit stellt sich also für die Klubverantwortlichen auch relativ rasch die Frage nach der strategischen Ausrichtung für die nächste Saison. Nicht zuletzt, weil diese ja auch für die Suche von Sponsoren von grosser Bedeutung ist. Gleich drei der wichtigsten Verträge mit Sponsoren laufen jetzt aus. Erwähnt sei dabei derjenige von Namenssponsor SEAT. Der Spanische Autohersteller aus der Volkswagen Gruppe hat dem Näfelser Club nun während vier Jahren den Namen gegeben. „Die Verhandlungen sind am laufen, aber es ist noch nichts unter Dach und Fach“, stellt Manager Gygli fest. Klar ist, dass Volley Näfels auf jeden Fall mit SEAT weitermachen will. Je zwei Meistertitel und Cupsiege sind die Ausbeute, der per Saldo, doch sehr erfolgreichen Arbeit mit den Leuten von „Auto emoción“.

 

 

Mit dauerndem Erfolg flacht Begeisterung ab

Bis der grosse Erfolg sich endlich einstellte zahlten die damaligen Verantwortlichen viel Lehrgeld. Dann war der Erfolg da und mit ihm die totale Begeisterung der ganzen Bevölkerung weit und breit. Er konnte anschliessend auch während fast zehn Jahren auf sportlicher Ebene hoch gehalten werden. Doch der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“. Wurde die erste Meisterfeier 1998 noch zusammen mit sämtlichen Dorfvereinen begossen, erhielten Klub und Vorstand beim achten Titel in neun Jahren gerade mal noch ein einziges Gratulationsschreiben eines Näfelser Vereins.

 

Die letzten beiden Jahre mit vielen Niederlagen haben jetzt gezeigt, dass Erfolg auf solch hohem Niveau nicht selbstverständlich ist. Umsomehr erstaunt es, dass die Meistermacher mit wenigen Ausnahmen weiterhin dabei bleiben und den Klub an die Stätte des Erfolgs zurückführen möchten. „Langzeitstrategien hatten wir ohnehin nie“, winkt Ruedi Gygli ab. „Wir haben eigentlich immer von Saison zu Saison geplant und das ging meistens auf“.

 

 

Jetzt kommt neuer Modus

Der neue Meisterschaftsmodus nach welchem bereits ab nächster Saison gespielt wird, dürfte auch die Teams wieder mehr belohnen, welche konstant und über die ganze Saison eine gute Mannschaft ins Rennen schicken. Beispiele wie dasjenige von Sursee, welches sein schwaches Team für vier Spiele um zwei Spieler entscheidend verstärkte und damit Lugano in den Abstiegskampf verbannte, dürfte es nicht mehr geben. Gerade für die Zuschauer wird es interessant, wenn alle Mannschaften von Anfang an um jeden Sieg wirklich kämpfen werden. Damit hoffen auch die Näfelser Volleyballer, dass das Interesse wieder steigen wird.

 

 

Viele Verhandlungen stehen an

Nach wie vor gibt es nur sehr wenig wirklich gute Schweizer Spieler. Nicht wenige von Ihnen kehren der Halle auch den Rücken und wenden sich dem Beach Volleyball zu. Wie zuletzt auch bei Andy Sutter gesehen. Bei Bruder Roman wird es etwas davon abhängen, welche Pläne sein Partner, Lausanne UC-Passeur Sebastien Chevallier hat und natürlich spricht auch Karriereplaner Steff Kobel von Swiss Volley ein Wörtchen mit. Kontakte bestehen zu verschiedenen Spielern, auch zu ganz jungen Talenten. Ebenso steht erneut die Frage des Trainers zu einer Definition auf der Liste. Mahmoud Dorah ist ein möglicher Kandidat. Auch er wird Gespräche führen wie auch Tchello Duarte, welcher vielleicht an Mahmoud’s Stelle treten könnte. Das Echo bei den jungen Talenten von Volley Näfels war auf jeden Fall sehr positiv, wie ja auch dasjenige der ersten Mannschaft gegenüber Mahmoud. Was willst du also in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah? Dies gilt ganz sicher auch für Libero Dani Werner, welcher zur Zeit nicht abgeneigt scheint, weiterhin die Rückraumverteidigung und Annahme bei Näfels zu organisieren. Und natürlich auch für Fabian Brander, welcher noch viel vor sich hat. „Sollte er eine ganze Saison wirklich auf seiner Wunschposition spielen können, ist das sicher ideal für ihn und nicht zuletzt auch für sein Selbstvertrauen“, analysiert sein Manager die Situation. Auch Fabian spricht er absolut sein Vertrauen aus. Gygli anerkennt auch die guten Fortschritte von Passeur Bedrac. Im Bezug auf diese Position lässt er sich aber vorerst überhaupt nicht in die Karten blicken. Gespräche laufen sowohl mit Ivan Bedrac als auch mit andern Spielern. Beim zweiten Passeur, Sohn Marco Gygli, ist nicht anzunehmen, dass er den Klub verlässt. Ebensowenig wie beim Junior Severin Pfister. Christoph Suter hingegen absolvierte Probetrainings bei einem Klub der Französischen Profiliga und sein Entscheid ist noch nicht gefallen.

 

„Wie auch immer die neue Mannschaft aussehen wird, ich hoffe auf eine glückliche Wahl der Spieler. Vorerst danke ich allen Fans, Freunden und Sponsoren für die Treue und der Südostschweiz für die grosse Unterstützung“, schliesst Ruedi Gygli. Und man wünscht ihm die gute Hand zurück, welche er zusammen mit dem Vorstand in den langen Jahren des Erfolgs immer wieder gehabt hat.