«Mein grösster Wunsch ist, weiterhin das zu tun, was mich glücklich macht»
Näfels Passeur Gabriel Chancy findet nur positive Worte zu seinem aktuellen Domizil. Er sagt, dass das Leben hierzulande einfach sei. Wohin ihn der Weg im kommenden Jahr führen wird, weiss er noch nicht, denn er ist viel mehr als nur Volleyball-Profi.
Gabriel Chancy, der 29-jährige Kanadier, zieht seit dieser Saison als Zuspieler die Fäden bei Volley Näfels. Das Glarnerland ist nach Tschechien (von 2021 – 23) und Estland in der vergangenen Saison seine dritte Station als Volleyball-Profi. Er ist sehr glücklich, dass er sich für die Glarner entschieden hat. Als er von seinem Agenten erfuhr, dass Näfels interessiert sei, war sein Entscheid klar: «Mich hat die Schweiz als Land, aber auch deren Volleyball-Liga schon immer interessiert. Es war für mich einfach zu entscheiden. Ich ergriff diese Gelegenheit sofort.»
Viel jünger als die Teamkollegen
Aufgewachsen ist Chancy auf der Île de Montréal, der fünfzig Kilometer langen und 16 Kilometer breiten Insel, die vom Sankt-Lorenz-Strom und dem Rivière des Prairies umgeben ist. Seine Muttersprache ist Französisch, wie es in der Provinz Québec im Südosten Kanadas üblich ist. Wenig überraschend wurde Gabriel schon früh vom Volleyballfieber gepackt. Sein Vater, der als sechsjähriger Junge mit seiner Familie aus Haiti nach Montreal kam, war Coach des Frauenteams der Universität von Montreal und seine Mutter war Volleyballerin. «Als kleiner Junge verbrachte ich deshalb viel Zeit mit Mama und Papa bei den Trainings, Turnieren und Spielen», erinnert er sich. So kam es, dass er bereits mit acht Jahren einem Team angehörte, in welchem seine Mitspieler viel älter waren, da in Kanada normalerweise erst in der Oberstufe Volleyball gespielt wird.
Nur Volleyball reichte nicht
Gabriel Chancy gefällt es in der mit 1.8 Millionen Einwohnern zweitgrössten Metropole Kanadas sehr. Er erklärt: «Es ist eine grosse Stadt mit vielen Universitäten und jungen Menschen. Montréal ist eine sehr lebendige Stadt mit vielen Möglichkeiten. Ich bezeichne diese Stadt gerne als das ganz kleine New York mit spezieller Stimmung.» Die Uni-Stadt war für Chancy aber auch eine grosse Chance, einerseits als Volleyballer, denn in Kanada könne man nur als Uni-Team auf einem höheren Level spielen, so Chancy. Anderseits bot sie ihm als Schüler und Student alles. Er erklärt: «Die Ausbildung war immer ein bedeutender und grosser Teil von mir - ich war stets schulorientiert und schloss vor vier Jahren das Jurastudium ab. Als ich 2021 in Tschechien meine ersten Pro-Saison spielte, merkte ich nach zwei Monaten, dass ich neben dem Profileben noch etwas brauche. Ich begann ein Betriebswirtschafts-Studium, welches ich im Sommer abschliessen werde.»
Das Ziel des flinken und agilen Passeurs war stets, als Profi in Europa zu spielen, weil dies in Kanada mit den Uni-Teams nicht möglich ist. Chancy dazu: «Das Grösste, was man in Kanada als Volleyballer erreichen kann, ist für das Nationalteam zu spielen und bei Olympia dabei zu sein.» Zu den Unterschieden zwischen Kanada und Europa sagt er: «In Europa gibt es im Vergleich viel mehr junge Volleyballer, die schon sehr gut spielen, da sie bereits in jungen Jahren einem höheren Niveau ausgesetzt sind. Es gibt junge Leute, die bereits verrücktes Zeug vollbringen. In Kanada kommen die meisten erst als Teenager zum Volleyball, entsprechend später erreichen sie ein gutes Level.»
Alles wunderschön
Zum Leben im Glarnerland meint der in Netstal wohnhafte Chancy: «Ich bin glücklich hier. Die Bedingungen mit eigenem Auto und Wohnung sind ideal. Dazu kommen die Ruhe, die Schönheit der Landschaft und die Nähe zu Zürich, wo es so viel zu sehen und zu unternehmen gibt.» Aber auch die Vereinsleitung schaue sehr gut zu ihnen, was er sehr schätze, so Chancy.
Seine erste Begegnung mit der Schweiz bringt ihn noch heute ins Schwärmen: «Als ich vom Flughafen hierhin reiste, konnte ich es nicht fassen, wie schön die Berge, die Seen und die Weiden mit den Kühen sind – alles wunderschön.» Positiv empfindet er auch die Menschen, die nett seien und ein Willkommensgefühl ausstrahlen würden. Er sagt: «Weil viele englisch sprechen, ist alles einfach. Und nein, ich empfinde nicht, dass die Glarner zurückhaltend sind» Überrascht hat ihn hier nichts. «Klar, alles ist etwas teurer, aber okay. Das Leben hier ist sehr einfach“, so Chancy. Er gesteht aber auch, dass es manchmal für ihn wie ein Schock sei: «Alles ist so sauber und die Strassen sind perfekt, nicht wie in Québec, wo diese teilweise schrecklich sind. Die öffentliche Infrastruktur ist dort herausfordernd und kann ein Problem sein.»
Offene Zukunft
Wichtig sind ihm Familie und Freunde: «Ich spreche wöchentlich, manchmal täglich mit ihnen. Weil ich sehr gerne Volleyball spiele, Wettkämpfe und Siege mich glücklich machen, ist die räumliche Distanz zu meiner Heimat kein Thema.» Zur Frage, nach seinen zentralen Werten nennt er Ehrlichkeit und Transparenz, vor allem ihm gegenüber. Und über sich sagt er: «Ich bin ehrlich, aber auch sarkastisch und mag Humor.» Lieblingsbeschäftigungen in der Freizeit sind das Schauen von TV Shows, Lesen, mit Freunden oder einigen Spielerinnen von Glaronia rumzuhängen, aber auch das Brunchen in einem schönen Café.
Auf die Frage nach seiner Zukunft antwortet er: «Im Volleyball nehme ich Saison um Saison, noch spiele ich sehr gerne. Ich werde schauen, welche Angebote auf dem Tisch landen werden. Ich habe aber auch gute Chancen, um eine berufliche Karriere zu starten, beispielweise im Bereich Sport-Ethik. Ich könnte aber auch Rechtsanwalt werden.»
Seinen grössten Wunsch, egal wohin sein Weg ihn führen wird, umschreibt er folgendermassen: «Ich bin sehr glücklich damit, was ich jetzt habe und mache. Mein grösster Wunsch ist, weiterhin das zu tun, was mich glücklich macht, egal ob das im Sport, Business oder bei den Hobbys ist. Ich möchte immer als glücklicher Mensch zur Arbeit gehen können.»

Gabriel Chancy, der 29-jährige Frankokanadier ist seit dieser Saison Zuspieler bei Volley Näfels

«Ich bin glücklich hier»

Markenzeichen: Schnelle Pässe, starke Defense und variantenreiche Services

Das ist Gabriel wichtig: Freude haben bei allem, was er macht

Gut lachen: Abschlussfeier an der Uni in Montréal

Besuch aus Kanada: Gabriel mit seinen Eltern


























































































