Freitag, 18. Oktober 2024; 10:00
NLA

«Man muss die Spielweise seiner Körpergrösse anpassen»

Von: Köbi Hefti

Der Weesner Christian Bartholet ist Volley Näfels’ Lokalmatador. Alles begann bei Näfels, jetzt ist er wieder zurück.


Christian Bartholet gehört seit der vergangenen Saison zum NLA-Team von Volley Näfels. In seinem ersten Jahr kam er nur zu Kurzeinsätzen. Nicht so heuer. Der neue Trainer Ignacio Verdi nominierte ihn in den bisherigen Spielen auf Annahme/Aussen für die Starting-6.

Walensee
Bartholet ist zwanzig Jahre jung. Er hat einen Bruder und zwei Schwestern, die alle auch Volleyball spielen. Er wuchs in Weesen auf und lebt noch immer dort. Weesen ist sein Rückzugsort. Nach der Primarschule war er tagsüber immer weg. Erst abends kehrte er heim. Zu Weesen sagt er: «Das ist meine Heimat. Der See und die Linth sind sehr schön. Hier mache ich auch gerne Ferien.» Der Walensee ist für ihn der schönste Ort, am liebsten geniesst er ihn auf dem Stand up Paddle. Lesen, sich draussen bewegen, Wandern und in einer Hütte übernachten und etwas fürs Auge zu haben, sind neben Beachvolleyball seine weiteren Hobbys.

Offene Zukunft
Das Nebeneinander von Sport, Schule und Lehre funktionierte bei Bartholet ausgezeichnet. Er erzählt: «Die Oberstufe absolvierte ich an der Sportschule in Rapperswil, gleichzeitig wechselte ich zu Jona Volleyball. Das war ideal. So konnte ich nach Schulschluss direkt ins Training und war spätestens um neun Uhr daheim.» Ebenso reibungslos war seine Lehrzeit als Zeichner EFZ im Landschaftsbereich. Sein grosszügiger Lehrbetrieb in Altendorf machte es möglich, dass er eine Sportlerlehre mit einem 80%-Pensum absolvieren konnte. Dass er dazu, wenn er beim Nationalteam der Junioren weilte, noch Freitage erhielt, war das Tüpfchen auf dem i.
Letztes Jahr absolvierte er die Berufsmatura. Es war bisher seine herausforderndste Zeit. Er erklärt: «Während der BMS fand ich es streng. Schulisch war sehr viel Stoff zu verarbeiten und nach der Schule konnte ich nicht heim, um etwas für die Schule zu tun.» Der Wechsel im Kopf zwischen Schule und Training war für ihn nicht einfach. «Voll fokussiert aufs Training zu sein, wie es unbedingt sein müsste, fiel mir oft schwer, weil in meinem Hinterkopf noch Abgabetermine herumschwirrten», gesteht er. Heuer ist alles einfacher, er absolviert seinen Zivildienst und fühlt sich frei. Was das nächste Jahr beruflich bringt, weiss er noch nicht: «Es gibt sehr viele Sachen, die mich interessieren. Mache ich eine Ausbildung, will ich studieren? Ich finde diesen Entscheid schwierig und frage mich: Wohin führt mich der Weg?»

Japaner als Vorbilder
Dass Bartholet überhaupt zum Volleyball fand, dafür sind Ernesto Gygli und Fabian Martinez,  ein damaliger NLA-Profi von Volley Näfels, verantwortlich. «Ich war in der fünften Klasse, als die beiden in die Schule nach Weesen kamen. Sie zeigten uns Volleyball und boten auch Volleyball-Trainings in Weesen an. Ich ging hin und seither hat mir dieses Spiel den Ärmel reingenommen», schildert Bartholet. Dass er wieder für Näfels spielt, ist deshalb für Ihn ein Zurück zum Anfang, nachdem er die Juniorenlaufbahn bei Jona durchlief.
Mit einer Körpergrösse von 1.87 Meter ist Bartholet nicht der Modell-Volleyballer. Zur Frage, was entscheidend sei, um trotzdem Erfolg zu haben, antwortet er: «Man muss die Spielweise seiner Körpergrösse anpassen. Spielen mit Köpfchen, Variantenreichtum und eine gute Physis sind am Ende ausschlaggebend.» Als Vorbilder nennt er Ishikawa und Nishida zwei Japaner. Er erklärt: «Beide sind wie ich nicht gross gewachsen. Es ist sehr interessant ihnen zuzuschauen und zu beobachten, wie sie mit ihrer Spielintelligenz den Grössenunterschied kompensieren.» Zu seinen sportlichen Zielen sagt er: «Ich möchte einmal Schweizermeister werden. Irgendwann in einer Liga ausserhalb der Schweiz zu spielen, wäre eine sehr coole Erfahrung.»

Der grösste Wunsch
Das Leben als berufstätiger Schweizer inmitten eines Teams mit vielen Vollprofis, findet Bartholet spannend. Manchmal denke er schon, dass er gerne auch nur Volleyballer wäre, doch das gehe in der Schweiz einfach nicht, sagt er. Er sieht viel Positives im Nebeneinander von Profis und Halbprofis: «Mein Englisch geht nicht verloren, das ist die Sprache im Team. Interessant ist auch, was die Ausländer von ihren ehemaligen Clubs erzählen. Zudem geben sie uns viel mit auf den Weg.»
Wenn Bartholet vom Leben allgemein spricht, so ist Wohlergehen ein zentrales Thema. Er sagt: «Wenn es meinem Umfeld gut geht, geht es auch mir gut. Freundschaft und das Zusammensein mit Kollegen und eine gute Zeit zu haben, sind mir wichtig.» Sein grösster Wunsch ist, dass er möglichst lange verletzungsfrei Volleyball spielen und auch danach ein gesundes Leben geniessen kann.


Volley Näfels – Lausanne UC

Lintharena SGU Näfels, Sonntag 20.10.2024 17:00h

 

 

Bilder von Köbi Hefti